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Aktienfonds: Geld anlegen in Zeiten der Finanzkrise

17.02.09

Die Aktien sind im Keller und ständig verkünden Medien neue Ratschläge – wo sollen Aktienanleger noch ihr Geld anlegen? Beim ständigen Hin und Her der Meinungen bleibt eins auf der Strecke. Sparer benötigen vor allem eine wirksame Strategie, auf die sie in Krisenzeiten genau so bauen können wie bei einer Kursrallye.

Wer sein Geld in Anteilen von Aktienfonds anlegt, blickt momentan ernüchtert auf die aktuellen Zahlen des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI). Riskanter, aber mit höheren Renditechancen – so heißt es über Aktien. Und jetzt liegen die weltweit investierenden Aktienfonds sogar auf 20-Jahressicht mit einer jährlichen Rendite von 4,6 Prozent hinter den internationalen Rentenfonds zurück. 5,1 Prozent pro Jahr erreichen diese vermeintlich renditeschwächeren Fonds im gleichen Zeitraum.

 

Die Ursache für den Befund liegt auf der Hand. Je nach Anlageschwerpunkt verloren die Aktienfonds im letzten Jahr durchschnittlich knapp die Hälfte ihres Wertes. Und so stehen viele Anleger wieder vor der immer gleichen Frage: Verkaufen, halten oder neu einsteigen?

 

Im allgemeinen Stimmgewirr mag unser erster Tipp überraschen: Handeln Sie erst einmal gar nicht. Prüfen Sie vorab Ihre Anlagestrategie.

 

  • Wofür sparen Sie und wie weit liegt Ihr Anlageziel in der Zukunft? Sind Sie ein aktiver Investor, der je nach Konjunkturlage zwischen Anlageklassen wechselt, oder möchten Sie sich nicht intensiv mit der Geldanlage beschäftigen?
  • Fühlen Sie sich wohl bei Ihren derzeitigen Investments? Wie viel Risiko wollen Sie eingehen?
  • Haben Sie sich genügend über alle Anlagen informiert?

 

Gianni Hirschmüller, Direktor bei Cognitrend, einem auf Anlegerpsychologie spezialisierten Beratungsunternehmen, empfiehlt: "Bei jedem Investment sollte sich der Anleger zu Beginn klar machen, was er erreichen will und wie das Ausstiegsszenario aussieht. Wann wollen Sie mögliche Verluste realisieren?"

 

Viele Sparer neigten dazu, schon bei relativ geringen Gewinnen ein Papier wieder zu verkaufen, um das Geld sicher in der Tasche zu haben. Im Gegensatz dazu hielten sie verlustreiche Anlagen sehr lange. "Aus Sicht der Anlegerpsychologie ist das menschlich", so der Experte. Anstatt in Schockstarre auf sinkende Kurse zu schauen, empfiehlt sich aber für aktive Käufer von Aktienfonds – stark vereinfacht – die Strategie: Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen.

 

Die "richtige" Strategie

 

So unterschiedlich wie die Anlegertypen und die Sparziele, so verschieden sind jetzt auch die Strategien. Achten Sie immer darauf: DEN guten Tipp gibt es nicht. Was für den kurzfristig handelnden Aktienanleger goldrichtig ist, raubt einem langfristig orientierten Sparer demnächst vielleicht den Schlaf.

 

Am einfachsten haben es Vorsorgesparer, die zum Beispiel fürs Rentenalter einen festen Betrag angelegt haben oder in einen Aktienfonds-Sparplan einzahlen. "Ihnen muss nicht mulmig werden", so Gianni Hirschmüller, "weil sie schon einen festen langfristigen Plan haben." Nach der Krise werden auch die Kurse der Aktien und Aktienfonds wieder steigen.

 

Schwieriger ist die Entscheidung, ob aktive Anleger schon wieder in den Aktienmarkt einsteigen. Über die aktuellen Aktienkurse sagt Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors: "Eine gute Ausgangsgrundlage für die Aktien bieten die Bewertungen. Verglichen mit den historischen Durchschnitten (seit 1988) liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse für Deutschland sowie Nordamerika rund 40 Prozent beziehungsweise im Falle von Europa sogar um 50 Prozent unter ihrem langjährigen Mittel, und preisen damit bereits deutliche Gewinnrückgänge ein."

 

Für Optimisten könnte das heißen: Wenn Sie zwei paar Schuhe zum Preis von einem bekommen, sollten sie eigentlich zuschlagen. Nur ist die Preisbildung bei Aktienkursen nicht so einfach, besonders wenn die Unternehmensgewinne sinken. Wer überzeugt ist, dass irgendwo auf der Welt auch in Zukunft einige Firmen sichere Autos bauen, umweltfreundliche Kraftwerke betreiben und schnelle Computer herstellen und dass all diese Unternehmen Gewinne machen werden, derjenige kann weiter am Aktienmarkt aktiv bleiben. Immer im Bewusstsein, dass es ein ständiges Auf und Ab geben wird. Doch für einen schnellen Einstieg will Gianni Hirschmüller von Cognitrend noch keinen Persilschein geben: "Alle Prognosen sind derzeit sehr fragil."

 

Welche sind die Alternativen?

 

  • Tagesgeld und Festgeld sind absolut sichere Parkpositionen und erwirtschaften noch eine Rendite deutlich über der Inflationsrate – über 4 Prozent beim einjährigen Festgeld.
  • Auch Rentenfonds gelten als Ausweichhafen für Aktienanleger. Im letzten Jahr erreichten die Fonds mit Anleihen aus dem Euroland immerhin durchschnittlich 3,7 Prozent, die Pendants mit den weltweiten Renten rutschten aber um 0,4 Prozent ab. Für Anleihen gibt Trevor Greetham, Fondsmanager bei Fidelity, einen Ausblick: „Wir gehen davon aus, dass die momentan noch niedrigen Ausfallraten bei Unternehmensanleihen steigen werden.“ Dennoch bieten nach seiner Ansicht Anleihen 2009 voraussichtlich bessere Perspektiven als Aktien und Geldmarktpapiere.
  • Offene Immobilienfonds stehen derzeit in der Kritik, weil einige von ihnen keine Anteile zurücknehmen, die Anleger also nicht an ihr Geld herankommen. Trotzdem verfügen viele Fonds über ein solides Portfolio und erzielen langfristige Mieteinnahmen. Felix Fortelka, Pressereferent beim BVI: „Sie gehören als Beimischung in jedes gut diversifizierte und langfristig ausgerichtete Depot.“
  • Geschlossene Fonds gelten als sicher in Krisenzeiten. Viele Vermittler werben damit, dass Sachwerte hinter den Fonds stehen. Mag sein, aber die Entwicklung eines Schiffsfonds hängt beispielsweise auch entscheidend von Frachtraten ab und die stürzen derzeit ab. Ob Krise oder nicht, diese geschlossene Fonds bieten Renditechancen. Aber nur erfahrene Anleger, die sich eingehend über das Objekt informiert haben, sollten zugreifen.
  • Ein Wort zum Gold darf nicht fehlen, das derzeit wieder von Zeitungen als absolut krisenfest angepriesen wird. Da lohnt sich ein Blick auf den Goldpreis, der zwischen 2004 und 2008 von 400 Dollar auf 1.000 Dollar für die Feinunze anstieg. Was daran Nachfrage war und was reine Spekulation, bleibt im Dunkeln. Sicher ist, der Preis kann auch wieder auf Talfahrt gehen und die Anlage in Gold schützt nicht vor möglichen Verlusten.

 

Toralf Richter