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Private Krankenversicherung

Bafin kritisiert die Provisionsschinderei einiger Vermittler

9.12.10

Die Krankenversicherer schraubten die Ausgaben für Provisionen in die Höhe – zu Lasten der Kunden. Jetzt will die Finanzmarktaufsicht genauer hinschauen.

"Mit Sorge" betrachtet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Entwicklung der Provisionen in der privaten Krankenversicherung. In den vergangenen Jahren ist die durchschnittliche Höhe der Abschlussprovision deutlich gestiegen. Recht vorsichtig formulieren die Finanzmarktwächter weiter: Die Krankenversicherer hätten dafür Sorge zu tragen, dass die Abschlusskosten "einen angemessenen Rahmen" nicht überschreiten.

Vor wenigen Jahren erhielt ein Vermittler meist sechs bis acht Monatsbeiträge für den Verkauf einer Krankenversicherung. Heute gibt es Provisionsvereinbarungen von 15 Monatsbeiträgen und mehr. Marc Surminski, Chefredakteur der "Zeitschrift für Versicherungswesen", errechnet einen Abschlussaufwand von 4.500 Euro pro Vertrag.

Kunden mehrfach zum Wechsel der Krankenversicherung animiert

Die Ursache ist der Verteilungskampf unter den Krankenversicherern. Weil ein Wachstum nur durch Neukunden aus der gesetzlichen Krankenversicherung schwierig ist, geht es darum, Kunden anderer privater Krankenversicherungen zu werben. In diesem Wettbewerb entfachten freie Vermittler, wie Makler und ungebundene Vertriebe, die nicht an eine Gesellschaft gebunden sind, einen Wettbewerb zwischen den Gesellschaften. Wer die höchsten Provisionen zahlt, erhält das Geschäft.

Zu Exzessen kommt es, wenn einige Vermittler ihre Kunden mehrfach zu immer neuen Anbieter umschichten. Dabei spielt weniger das Kundenwohl als die Aufsicht auf neue Provisionen eine Rolle. Erleichtert wird die Praxis, weil der Kunde seit dem neuen Versicherungsvertragsgesetz bei einem Wechsel zwischen privaten Krankenversicherern seine Rückstellungen fürs Alter nicht mehr verliert. Der schnelle Wechsel macht aber viele Kundenbeziehungen für die Versicherer defizitär, denn die Abschlussgebühren fallen an, egal ob der Kunde zwei oder zwanzig Jahre bei der Gesellschaft ist.

Bafin belässt es nicht bei allgemeinen Ermahnungen

Von all dem hat auch die Bafin genügend Wind bekommen. Sie weist auf die Verantwortung der Versichererchefs gegenüber den bestehenden Kunden hin. Wenn sie mit Vermittlern zusammenarbeiten, denen Profitstreben wichtiger ist als ordentliche Beratung, würden sie diese Verantwortung vernachlässigen. Die Versicherer müssten ihren Vertrieb in das Risikomanagement einbeziehen. Geschäft um jeden Preis kann nicht die Devise sein.

Die Bafin will aber nicht nur den Finger heben, sondern auch die Zähne zeigen. Sie will bei Prüfungen vor Ort das Risikomanagement unter die Lupe nehmen. Werden viele Verträge frühzeitig storniert, will die Finanzmarktaufsicht darauf hinwirken, dass die Versicherer von den Vermittlern die Provision in gewisser Höhe zurückfordern. Damit soll Vermittlern der Anreiz genommen werden, nur im eigenen finanziellen Interesse einem Kunden zu empfehlen, zu einem anderen Versicherer zu wechseln. Bei Fehlentwicklungen gibt es zukünftig Sonderprüfungen.

tr