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Bei Altersvorsorge mehrgleisig fahren
10.08.09Die Absicherung durch die gesetzliche Rente sinkt für die jüngere Generation, in Kombination mit Riester- und Betriebsrente kann die Mehrzahl der Deutschen trotzdem im Alter ihren Lebensstandard halten. Die Fondsgesellschaft Union Investment versucht in einer Studie, den kompletten Vorsorgestatus der Bevölkerung zu erfassen.
Wer sich allein auf die Altervorsorge der Schicht eins verlässt, also auf die gesetzliche Rentenversicherung oder die berufsständische Versorgung, muss arg zurückstecken im Alter. Die Zahlungen reichen bei Weitem nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Ein anderes Bild ergibt sich, rechnet man die Zusatzversorgung der Schicht zwei hinzu. Zusammen mit der Riester-Rente und einer betrieblichen Altervorsorge erreichen aktuell 56 Prozent der erwerbstätigen Deutschen, das sind 9,2 Millionen, mindestens 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens.
Um die Situation der Bevölkerung bei der Altersvorsorge umfassend zu analysieren, ließ Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg einen detaillierten Vorsorgeatlas erstellen. Das Team um den Rentenexperten Professor Bernd Raffelhüschen untersuchte über verschiedene Formen der Altersvorsorge hinweg und unterteilt nach Geschlecht, Einkommen und Alter die zu erwartende Rentenhöhe.
Mit gesetzlicher Rente allein meist unterversorgt
Dass die gesetzliche Rente allein nicht genügt für die Sicherung des Lebensstandards als Rentner, wird in derartigen Studien seit einigen Jahren wie ein Mantra wiederholt. So kommt auch der Vorsorgeatlas zu dem Schluss: Nur ein Viertel der 37 Millionen Menschen, die Ansprüche sich erarbeitet haben, können damit die Grenze von 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens erreichen oder überschreiten. Diese Marke gilt als entscheidend, um – nach den Kriterien der Studie – im Alter nicht als unterversorgt zu gelten.
Die Einzahler in das System der gesetzlichen Versorgung dürfen auf eine Rente von durchschnittlich 984 Euro hoffen, das entspricht etwa 43 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Bei den berufsständischen Versorgungswerken liegt die Quote mit 32 Prozent sogar noch niedriger. "Somit ist das Thema Zusatzversorgung für viele Menschen noch nicht vom Tisch", mahnt Raffelhüschen. Für Beamte ist die Notwendigkeit zur Zusatzvorsorge hingegen deutlich geringer, da sie durchschnittlich mit einer Pension von 2.570 Euro knapp 63 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens erhalten.
Unterteilt nach Altersgruppen und Regionen ergeben sich viele zu erwartende und einige überraschende Unterschiede. Die Anpassung der Rentenformel – Folge der Reformen seit 2001 – trifft die jüngeren Generationen. Die 20- bis 34-jährigen können nur noch mit einer Rente von 39,3 Prozent ihres letzten Bruttolohnes rechnen. In Regionen mit hohen Einkommen steigen die absoluten Zahlen, aber die relativen Werte sinken: Die Oberbayern in dieser Altersgruppe erhalten zukünftig gerade einmal 37 Prozent.
Riester-Rente bei Jungen sehr beliebt
Einen höheren Anteil vom Brutto (49,6 Prozent) erlangen die zukünftigen Ruheständler im Osten. Hier profitieren die älteren Jahrgänge von günstigeren rentenrechtlichen Regelungen. Bei den Jungen ist dieser Ost-West-Unterschied fast vollkommen aufgehoben. Markant ist, dass in absoluten Zahlen die neuen Bundesländer mittlerweile klar hinter den alten zurückliegen. Das gilt für alle Vorsorgeformen: die gesetzliche Rente, die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge.
Was bei der einen Rente fehlt, muss – wenn möglich – die andere ausgleichen, soll nicht Schmalhans Küchenmeister sein. Die Zusatzversorgung durch Riester und Betriebsrente bietet sich hier für viele an. Immerhin 25,6 Prozent des letzten Bruttoeinkommens machen die möglichen Riester-Renten im Durchschnitt in der Auszahlphase aus, bei der betrieblichen Altersvorsorge sind es sogar 31,3 Prozent.
Beide Formen haben inzwischen weite Verbreitung gefunden. Mehr als jeder Vierte mit einem Anspruch auf die Riester-Förderung verfügt schon über einen Vertrag. In den neuen Bundesländern machen über 32 Prozent mit, im Süden ist die Beteiligung noch geringer. Dafür sind die zu erwartenden zusätzlichen Renten im Westen höher als im Osten – 346 zu 252 Euro. Überraschend ist, dass besonders die Jungen eifrig "riestern", bei den unter 35-Jährigen beträgt der Anteil fast 50 Prozent. In eine Form der Betriebsrente sparen 19 Prozent der 20- bis 65-Jährigen, sie können im Durchschnitt auf eine Überweisung von 875 Euro im Alter hoffen.
Mit dem Vorsorgeatlas sieht Union Investment bestätigt, dass ungeachtet einer soliden Durchschnittsversorgung über die erste und zweite Schicht hinweg für 44 Prozent der Deutschen weiterhin Vorsorgebedarf besteht. "Dabei kommt es darauf an, die persönliche Altersvorsorge durch Streuung auf eine möglichst breite Basis zu stellen", erklärte Hans Joachim Reinke, Vorstandsmitglied von Union Investment. Er plädierte in diesem Zusammenhang auch für die fortgesetzte Einbeziehung kapitalgedeckter Systeme in die Altersvorsorge. Hier sei die richtige Mischung zwischen Ertrag und Sicherheit ausschlaggebend. Zwar habe die Finanzkrise die Kapitalmärkte kräftig durchgeschüttelt. Um aber die notwendigen Realrenditen zu erzielen, werde die Altersvorsorge auch zukünftig nicht ohne die Aktienanlage auskommen können.
Träger der gesetzlichen Rente torpedieren Ergebnisse
Die Studie und die darauf folgende Berichterstattung rief die Deutsche Rentenversicherung (DRV) auf den Plan, die massive Kritik an der Arbeit äußerte. Die Ergebnisse seien fragwürdig. Weil die Daten aus verschiedensten Quellen stammen, seien sie teilweise nicht kompatibel. Eine Vorausberechnung bis zum Jahr 2060 ist nach Meinung des Rentenversicherungsträgers mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Weiter heißt es in der Stellungnahme: "Union Investment will offensichtlich auf der Grundlage der Zahlen eine Vertriebsoffensive starten. Vor diesem Hintergrund sind die Zahlen zu interpretieren."
Weiteren Anlass zur Korrektur lieferten Berichte in der Presse, wonach knapp der Hälfte der Deutschen im Alter Armut drohe. Sowohl DRV als auch die Fondsgesellschaft stellten klar: In der Studie ging es um Unterversorgung im Verhältnis zum Erwerbseinkommen, nicht um Armut. Wenn ein gut verdienender Arbeitnehmer im Alter statt 5000 Euro brutto nur noch 2000 Euro Rente habe, sei er vielleicht unterversorgt, aber noch lange nicht arm.
tr

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