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Haftpflichtversicherung

Bei Versicherungen spielen Deutsche jetzt auf Risiko

17.08.09

Die Lust der Bundesbürger auf neue Versicherungen hat in Zeiten der Finanzkrise abgenommen. Das kann böse Folgen haben.

Eigentlich gehören wir zu denjenigen auf der Welt, die am besten abgesichert sind. Durchschnittlich sechs Versicherungen nennt der Bundesbürger sein Eigen. Doch seit einiger Zeit leben die Deutschen plötzlich wieder riskanter: Immer mehr Verbraucher kümmert das Thema Altersvorsorge oder Risikoabsicherung nicht mehr, was man an der deutlich sinkenden Zahl von Versicherungen sehen kann.

So zeigt der kürzlich vorgestellte "Vorsorgeatlas Deutschland" der Union Investment insbesondere Handlungsbedarf bei der Altersvorsorge. Die Studie kommt zum Ergebnis: Es droht den Rentnern - wenn auch nicht immer Altersarmut - so doch mindestens eine empfindliche Unterversorgung. Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge im Bereich Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Pensionskassen ist im Jahr 2008 zurückgegangen: Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind 6,9 Millionen Verträge wurden neu abgeschlossen, was einem Minus von 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen wurden zehn Prozent weniger abgeschlossen.

Kurzarbeit und Jobsorgen aufgrund der Finanzkrise sorgen dafür, dass man in hiesigen Haushalten das Geld lieber beisammen hält, anstatt es für Policen auszugeben. Zugleich haben viele Verbraucher Misstrauen in die Finanzbranche - nach spektakulären Pleiten wie der US-Investmentbank Lehman Brothers oder der isländischen Kaupthing Bank ist das auch kein Wunder. Bei wichtigen finanziellen Entscheidungen fragt mittlerweile fast jeder zweite Bundesbürger am liebsten den Partner um Rat anstatt einen ausgewiesenen Finanzexperten. Das hat eine Umfrage des Finanzdienstleisters Delta Lloyd in Zusammenarbeit mit TNS Infratest ergeben.

Das bringt die Versicherer und ihre Vermittler in die Bredouille - so läuft knapp jeder dritte Schaden- und Unfallversicherer in Deutschland Gefahr, rote Zahlen zu schreiben. Grund hierfür sind drohende rückläufige Kapitalerträge aus den angelegten vorschüssig gezahlten Jahresprämien. "Das Neugeschäft ist stark rückläufig", sagt Michael Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) gegenüber Aspect Online.

"Viele geben lieber Geld für den Mallorca-Urlaub als für Vorsorge aus"

Doch was sind die Gründe? "Viele geben ihr Geld lieber für einen Urlaub auf Mallorca aus oder kaufen sich mit der Abwrackprämie ein neues Auto anstatt in die Alters- und Risikovorsorge zu investieren", so BVK-Chef Heinz. Zahlreiche Verbraucher befänden sich in einer Art Schockstarre aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise. "Die denken sich, dass man Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsversicherung auch noch später erledigen kann."

Viele setzten auf eine staatliche Vollversorgung, so Heinz weiter. Versicherungen würden demnach meist nur dann abgeschlossen, "wenn man auch etwas zurückbekommt". Das ist bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung aber nur dann der Fall, wenn man auch wirklich berufsunfähig wird. Heinz: "Alters- und Risikovorsorge ist Konsumverzicht und heißt, dass man im Monat mal auf Pizza essen verzichten muss." Doch dazu ist wohl nicht jeder bereit.

Dabei sind einige Policen nach wie vor elementar wichtig. "Ohne bestimmte Versicherungen leben die Bürger wie beim russischen Roulette", sagt Versicherungsexperte Hartmut Schmid von Aspect Online. Verbraucherschützer sind sich einig: Private Haftpflicht, Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Risiko-Lebensversicherung, wenn eine Familie oder der Partner finanziell versorgt werden sollen, sind ein Muss. Schmid: "Jeder zweite Haushalt in Deutschland ist zudem falsch und viel zu teuer versichert. Statt ganz auf essentiellen Schutz zu verzichten, sollte man lieber günstige Anbieter raussuchen." Sinnvoll sei daher ein Vergleich der Anbieter.

Auch die Pflegezusatzversicherung kann wichtig werden. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt im Ernstfall kaum alle anfallenden Kosten ab. Maximal rund 1700 Euro zahlt sie, ein Platz in einem Pflegeheim ist unter 2000 Euro im Monat jedoch kaum zu bekommen. Damit droht Pflegebedürftigen und ihren Familien ein finanzielles Desaster. Denn das Finanzloch müssen Betroffene selbst stopfen: Mit ihrer Rente, ihren sonstigen Einkünften und sogar mit ihren Rücklagen oder der eigenen Immobilie. Und wenn das Geld dann immer noch nicht reicht, dann müssen notfalls sogar die Kinder einspringen, weil sie unterhaltsverpflichtet sind. Und dieses Risiko decken private Pflegeversicherungen ab.