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Das Kraftwerk sind wir

10.09.09

Der Öko-Stromanbieter Lichtblick und der Autohersteller Volkswagen planen, massenhaft Minikraftwerke zu verkaufen und sie zu einem Großkraftwerk zu vernetzen. Mit dem Projekt wollen sie den etablierten Versorgern einheizen.

Wie die beiden Unternehmen am Mittwoch bei der Unterzeichnung eines Partnerschaftsabkommens in Salzgitter mitteilten, produziert Volkswagen die hoch effizienten Blockheizkraftwerke, die von modernen Gasmotoren aus eigener Fertigung angetrieben werden. Lichtblick vertreibt die Anlagen als sogenannte Zuhause-Kraftwerke und setzt sie für ein neues, dezentrales Konzept der Wärme- und Stromversorgung ein.

 

Die "Zuhause-Kraftwerke" sollen künftig nicht nur lokal Gebäude mit Wärme versorgen, sondern von Lichtblick über Computer zu einem modernen Großkraftwerk vernetzt werden. Viele kleine Einheiten bildeten eine große, leistungsfähige Gemeinschaft, sagte Lichtblick-Vorstandsvorsitzender Christian Friege. Der Stromanbieter wolle 100.000 dieser Kraftwerke zu Deutschlands größtem virtuellen Gaskraftwerk vernetzen. Mit einer Leistung von 2.000 Megawatt erreicht dieses dezentrale Gaskraftwerk den Angaben zufolge die Kapazität von zwei Atomkraftwerken.

 

"Schwarmstrom" heißt dieses Konzept bei dem Energieunternehmen. Wie ein Fischschwarm bewegen sich dabei viele kleine Einheiten in dieselbe Richtung und bilden eine starke Gesamtheit. Ein Vorteil dieses gleichsam unsichtbaren Großkraftwerks soll sein, dass es weder die Landschaft beeinträchtigt noch hohe Infrasturkturkosten erfordert.

 

Während die "Zuhause-Kraftwerke" auf Nachfrage Strom erzeugen, wird die dabei entstehende Wärme gespeichert. Die Gebäude können so den Angaben zufolge jederzeit zuverlässig mit Heizenergie und Warmwasser versorgt werden. Die Mini-Kraftwerke sparten bereits heute bis zu 60 Prozent Kohlendioxid gegenüber der herkömmlichen Wärme- und Stromerzeugung. Lichtblick wolle die Anlagen in Zukunft mit regenerativem Biogas betreiben, sagte Friege. Dann liefen sie sogar klimaneutral.

 

Lichtblick werde die Kraftwerke zunächst in Hamburg an den Markt bringen. Ab Frühjahr 2010 könnten die ersten Anlagen eingebaut werden. VW-Vorstandsmitglied Werner Neubauer wertete die Partnerschaft mit Lichtblick als "erneuten Beweis der technischen Kompetenz unserer Ingenieure". Volkswagen bringe sein bewährtes Expertenwissen im Bau von Pkw-Serienmotoren sowie die Fähigkeit zur Produktion großer Stückzahlen in diese Kooperation ein. Gleichzeitig würden mit dem Projekt nachhaltig Arbeitsplätze im Werk Salzgitter und an weiteren Konzernstandorten gesichert.

 

Friege sagte, sein Unternehmen schlage mit dem Vertrieb der kleinen Kraftwerke und der dezentralen Stromerzeugung "ein neues Kapitel der intelligenten Energieversorgung" auf. Als größter unabhängiger Energieanbieter in Deutschland wisse man, wie die Strom- und Gasmärkte funktionierten und wie man einen erfolgreichen Vertrieb organisiere.

 

Ein vernetztes virtuelles Kraftwerk wie bei "Schwarmstrom" ist nach Auskunft des Stromanbieters besser in der Lage, auf Schwankungen bei der Erzeugung erneuerbarer Energien zu reagieren. Bisher sind für die sogenannte Grundlast häufig Braunkohlekraftwerke oder Atomkraftwerke zuständig, die aber nur langsam zu voller Leistung hochfahren - einen Tag benötigt ein Kernkraftwerk. Wenn die Ökostrom zukünftig einen immer größeren Anteil des Energiebedarfs deckt, wird aber eine schnellere Reaktionszeit benötigt. Denn Solaranlagen und Windkrafträder speisen unabhängig vom Bedarf der Industrie und der Verbraucher ihren Strom ins Netz ein.

 

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte den Plan. In der Kombination aus erneuerbaren Energien und flexiblen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen liege die Zukunft, sagte er. Mit den Mini-Kraftwerken könne jeder "ohne großen Aufwand zu Hause Strom und Heizwärme erzeugen". Dies schone das Klima und den Geldbeutel der Verbraucher. Zudem zeige sich "einmal mehr, wie durch Investitionen in den Klimaschutz neue Arbeitsplätze entstehen", sagte der Ressortchef weiter.

 

ddp/tr