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Kapitallebensversicherung

Diskussion um "Zinswetten" bei Lebensversicherern

24.06.10

Suchen die Lebensversicherer schnelles Geschäft mit Tagesgeld-Kunden auf Kosten ihrer langfristig orientierten Sparer? Dieser Vorwurf wurde laut, als im letzten Jahr die Einmalanlagen erneut stiegen. Die Rating-Agentur Assekurata widmet sich der Frage in ihrem jüngsten Newsletter.

Sogar die Aufsichtsbehörde wurde aktiv. Im April forderte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die wichtigsten Lebensversicherer auf, Details über ihre Verträge mit Einmalanlagen mitzuteilen. Was die Marktwächter auf Trab brachte, war die Tatsache, dass das Neugeschäft der Lebensversicherer 2009 zu vier Fünfteln aus Einmalbeiträgen bestand.

Vielen Beobachtern sind dabei die so genannten Kapitalisierungsprodukte ein Dorn im Auge. Dabei handelt es sich um Lebensversicherungsverträge, die oft kurzfristig und ohne Verluste wieder gekündigt werden können. "Verbraucherschützer kritisieren schon seit längerem, dass diese Anlagen Neukunden anlocken sollen und zu Lasten der Bestandskunden gingen", erläutert Assekurata-Chef Reiner Will im Vorwort der Broschüre "AssekurataPunkt!"

Worin das Problem besteht, erläutert der Finanzjournalist Detlef Pohl in seinem Beitrag. "Gefährlich wäre es für Bestandskunden einzelner Gesellschaften, wenn Neukunden mit Parkdepots (den Kapitalisierungsprodukten, d. Red.) denselben Zins wie Bestandskunden erhalten." Sie bekämen eine Rendite, die sie mit dem Tagesgeld nicht erwirtschaften könnten und würden einseitig von der Anlagepolitik der Lebensversicherer profitieren.

Kurzfristige Anleger könnten gegen übrige Sparer spekulieren

Derzeit schütten Lebensversicherungen eine Überschussbeteiligung aus, die über dem aktuellen kurzfristigen Kapitalmarktzins liegt. Das hängt zum einen damit zusammen, dass ihre Gelder längerfristig gebunden sind. Zum anderen zahlen die Gesellschaften die jährliche Überschussbeteiligung nicht direkt aus der Nettorendite der angelegten Kundengelder. Was die Versicherung in einem Jahr an Zinsen und Gewinnen erwirtschaftet, wird also nicht unmittelbar den Kunden gutgeschrieben. Das Geld fließt vielmehr in die Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB). Daraus kommt die Überschussbeteiligung.

In Jahren mit schlechter Entwicklung am Kapitalmarkt wird etwas mehr aus diesem Topf genommen und den Policen der Sparer gutgeschrieben, als hineingeflossen ist. In guten Jahren ist das Verhältnis umgekehrt. So ergibt sich eine Glättung. Wer in Jahren mit niedrigen Zinsen sein Geld in kurzfristig kündbare Versicherungen anlegt, würde gegen die langfristigen Anleger spekulieren. "Da zahlen die Bestandskunden die Zeche. Diese Art von Zinswette lehnen wir ab." Mit diesen Worten zitiert Pohl den Vorstandchef des Volkswohl Bundes Joachim Maas. Damit wird deutlich, dass auch innerhalb der Assekuranz Streit über das Thema herrscht.

Peter Schwark, im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für Lebensversicherung und Altersvorsorge verantwortlich, rückt das Bild etwas gerade. Von den 21 Milliarden Euro des Neugeschäfts der Lebensversicherer, die durch Einmalbeiträge zu Stande kamen, flossen zehn Milliarden in sofort beginnende oder aufgeschobene Rentenversicherungen, also ein sehr langfristig ausgerichtetes Geschäft. Weitere Anteile entfielen auf die betriebliche Altersvorsorge, etwa wenn Pensionsfonds eines Unternehmens auf einen Schlag auf einen externen Dienstleister übertragen wurden, und auf die Riester-Zulagen und Zuzahlungen zu Rürup-Renten.

Kritische Grenze bei Einmalanlagen noch lange nicht erreicht


Lediglich 4,8 Milliarden Euro waren tatsächlich die viel diskutierten Kapitalisierungsprodukte und auch dahinter verstecken sich zum Teil Rückdeckungen für Arbeitszeitkonten, die ab 2009 vorgeschrieben sind. Außerdem verweist Schwark auf die strengen Regeln des Aufsichtsrechts zu den Kapitalisierungsprodukten. Sie dürften nur drei Prozent der Kapitalanlagen in den Versicherungsunternehmen ausmachen. Sonst muss die Gesellschaft dafür ein eigenes Sicherungsvermögen aufbauen. Derzeit liege der Branchendurchschnitt bei 0,5 Prozent.

Dass es kein Problem mit Zinswetten gebe, betonen mehrere Branchenvertreter in der Assekurata-Veröffentlichung. Vielfach stünden die Parkdepots nur eigenen Kunden offen, die gerade ausgezahlte Lebensversicherungen bis zu einer Neuanlage des Geldes bei der Versicherung belassen. Außerdem gebe es Schlussüberschüsse, die Kurzfrist-Anlegern, die vorzeitig kündigen, verwehrt bleiben. Sie machen einen wichtigen Teil der Rendite aus. "Es gibt keine Anzeichen für eine Spekulation gegen das Kollektiv", schreibt Hans-Peter Sterk, Vorstand der Provinzial Rheinland.

Eindringlich warnt Detlef Pohl die Gesellschaften, falls der Stellenwert des regelmäßigen Sparens für das Alter zurückgeht: "Dies dürfte über kurz oder lang den Fiskus auf den Plan rufen. Das Steuerprivileg der Lebensversicherer gerät in Gefahr."

tr