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Edelmetalle: Goldgrube oder Geldgrab?
23.04.09Gold und andere Edelmetalle sind in der Finanzkrise gefragt. Sparer sollten allerdings nur einen kleinen Teil ihres Vermögens in Edelmetall investieren.
Während zahlreiche Bundesbürger derzeit jedes Krümelchen Gold zur Sicherung ihres Vermögens kaufen wollen - sogar Discounter wie Lidl hatten kürzlich Goldmünzen im Sortiment - nutzen es andere zur puren Spekulation. Das ist nichts Neues: Seit seiner Entdeckung vor über 6.000 Jahren hat sich der Reiz des Goldes durch die Jahrtausende konserviert.
Vom Kultgegenstand über Zahlungsmittel bis hin zur beliebten Investition hat das Edelmetall eine Glanzzeit hinter sich. Gold ist begehrt - gerade in Krisenzeiten. Denn in schwierigen Marktphasen setzen die Anleger auf unvergängliche und vor allem inflationssichere Werte. Gold als "Wertaufbewahrungsmittel" hebt sich hierbei deutlich von Papierwährungen wie Euro oder US-Dollar ab.
Investition in physisches Gold: Goldgrube oder Geldgrab?
Doch das ist nur die eine Seite der (Gold-)Medaille: Der Goldpreis schießt durch die Decke und nichts scheint ihn stoppen zu können, wächst doch die Nachfrage schneller als das Angebot. So eine Überhitzung könnte sich schon bald sehr negativ auswirken. Den Anlegern drohen dann schmerzliche Verluste. Betrachtet man die Historie des Goldpreises seit Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, fallen die enormen Preisschwankungen auf. Hinzu kommt das Währungsrisiko, da der Goldpreis in US-Dollar festgestellt wird. Was in Euro letztlich übrig bleibt, liegt ganz am Wechselkurs. Außerdem werden die goldenen Aussichten dadurch getrübt, dass das Edelmetall keine Rendite abwirft. Stattdessen fallen Gebühren für die Lagerung im Tresor an. Dafür müssen Barren und Münzen in Deutschland beim Verkauf versteuert werden.
Wie "Finanztest" (Ausgabe 05/2009) schreibt, sei Gold reines Spekulationsobjekt, bei dem es nicht anders zugehe wie beim Glücksspiel. Wer vor dreißig Jahren, also 1979, bei einem Goldpreis von 243,63 US-Dollar je Unze (31,1035 Gramm) eingestiegen ist, hat bis heute umgerechnet in Euro eine durchschnittliche Rendite von 3,75 Prozent pro Jahr erzielt. Das ist eher dürftig. Und wer am 09.10.2008, kurz nach der Pleite von Lehman Brothers, zum Goldeinkaufen fuhr, hatte es sogar mit einem Preis von 1023,50 Dollar pro Unze zu tun. Das konnte freilich den Run der tief verunsicherten Verbraucher zu den Goldhändlern nicht stoppen. Krisenzeiten sind goldene Zeiten - für Goldhändler. "Wir werden schier totgeschlagen mit Aufträgen", stöhnt Gunter Siegel von Westgold. Wochenlange Wartezeiten für Goldbarren sind fast schon normal geworden.
Goldexperten halten Investments direkt in Gold trotzdem für vernünftig. "Gold ist deswegen so stabil, weil es seinen Wert nie ändert. Schon in der Antike kostete eine römische Toga rund eine Unze Gold", sagt US-Autor Nathan Lewis, der Aufsehen mit seinem Buch "Gold - Die Währung der Zukunft" erregte. Seine zentrale These: Langfristig gesehen sei Gold interessant, vor allem dann, wenn Währungen an Wert verlieren und wenn Risiken bestehen, dass Banken insolvent werden oder Staatsversagen vorliegt. "Beides können wir im Moment beobachten", sagt Lewis gegenüber Aspect Online.
Ähnlich sieht es Beate Sander, die das Buch "Gold, Silber, Platin - Die sichere Zukunft für Privatanleger" verfasst hat. Sie rät unverblümt dazu, das Sparbuch links liegen zu lassen und stattdessen in Gold, Silber und Platin zu investieren. Wie Lewis, hält auch sie die Edelmetalle für einen "nervenschonenden Ausgleichsfaktor" in turbulenten Zeiten, "wo es an den Aktienbörsen so richtig kracht".
Laut anlagegold24.de gehört Gold zu den haltbarsten Substanzen, die wir kennen – es wurde aus alten Gräbern geborgen und vom Boden des Meeres. Es rostet nicht, verfärbt sich nicht und läuft auch nicht an. Luft, Wasser, Salz und die meisten Säuren können es nicht beschädigen. Seine Verwendungsmöglichkeiten sind zudem vielfältig.
Alternative: Goldaktien, Goldfonds und Goldzertifikate
Es gibt viele interessante Investmentformen mit Gold. Da muss es gar nicht immer eine Anlage in physischen Goldmünzen oder Goldbarren sein. Es gibt auch Zertifikate, Optionsscheine oder Fonds. "Lassen Sie sich nicht abschrecken von den Aktienkursen im Abwärtssog, sondern betrachten Sie diese als extrem günstige Einstiegschance, die es nur alle paar Jahrzehnte gibt", ermutigt Beate Sander.
Insgesamt ergeben sich für Gold-Wertpapiere und Goldfonds Chancen auf dauerhaft steigende Kurse, denn die Knappheit des Materials macht bei einer anhaltend hohen Nachfrage anziehende Preise wahrscheinlich. Rohstoffe braucht man immer, so dass die nächste Hausse nur eine Frage der Zeit ist. An Anleger profitiert man von der steigenden Nachfrage nach Gold als auch von steigenden Preisen. "Bei Fonds schaue ich auf das Rating, den Ruf des Fondsmanagers, die Kursentwicklung über einen längeren Zeitraum", sagt Beate Sander.
Ein Goldminenfonds, wie ihn etwa HANSAgold auflegt, investiert nicht nur in Gold-Verbriefungen, sondern er legt auch mal direkt in physischem Gold an. Aus Diversifikationsgründen kauft das Fondsmanagement zudem Silber-Zertifikate und Staatsanleihen. "Angesichts der aktuellen Diskussionen um die ausufernden staatlichen Konjunkturprogramme und die damit einhergehende steigende Staatsverschuldung werden auch höhere Quoten als sinnvoll erachtet - denn zunehmend stellen sich Anleger die Frage nach dem wahren Wert der heute allseits üblichen und beliebig vermehrbaren Papierwährungen Dollar, Euro, Yen und Pfund", lässt HANSAgold verlauten. Gold glänze deshalb in diesen Tagen "ganz besonders", heißt es dort weiter.
Finden Sie hier einen passenden Goldminenfonds (z.B. durch Suchbegriff "Mining") und sparen Sie beim Ausgabeaufschlag, indem Sie günstige Fonds-Anbieter vergleichen. Zudem gibt es geschlossene Edelmetallfonds. Dort finden Anleger Beteiligungsangebote wie etwa das der SOLIT Gold & Silber GmbH & Co. KG: Dort wird direkt in physische Gold- und Silberbarren in maximalen Gewichtseinheiten (z.B. Gold-Industriebarren mit 12,5 kg Gewicht oder Silber-Industriebarren mit 31,1 kg Gewicht) investiert. Die von der Fondsgesellschaft erworbenen Edelmetalle werden in versicherten Tresorräumen mit höchster Sicherheitsstufe in der Schweiz zollfrei gelagert.
Natürlich können Anleger auch über Einzelaktien von Goldminen oder Bergbau-Unternehmen vom Goldrausch profitieren. Der Nachteil gegenüber einem Fonds hier: Verluste schlagen erbarmungslos durch. Bei einem Goldfonds kann eine einzelne Goldmine durchaus pleite gehen, was aber den Anleger nicht sonderlich kümmern muss, da andere Goldminen satte Gewinne einfahren. Sehr viel spekulativer geht es bei Zertifikaten zu (z.B. Goldpreiszertifikate, die den Goldpreis abbilden oder Hebelzertifikate, die Gewinne - aber auch Verluste - vervielfachen). Vor allem bei Hebel-Knockouts ist extreme Vorsicht geboten, da man hier darauf setzt, wo der Goldpreis in ein paar Monaten stehen wird. Steigt er über eine bestimmte Marge, ist man ganz schnell "ausgeknockt".
Der Vorteil von Gold-Wertpapieren: der schwankende Goldpreis betrifft Besitzer von Gold-Wertpapiere nicht wirklich - die Steuer hingegen schon. Die Assets werden wie Aktien behandelt. So fallen 2009 etwa beim Verkauf 25 Prozent Abgeltungssteuer auf die Gewinne an.
Allerdings gilt bei Aktien und Fonds wie immer, dass sie Kursschwankungen unterliegen. Ein Verlust des eingesetzten Kapitals ist somit immer möglich. Eine intensive Beratung vor dem Kauf bei einem Experten ist daher mehr als sinnvoll.
Außerdem: Breit gestreut - nie bereut: Das Markowitzsche Streuungsprinzip gilt für Gold und andere Edelmetalle ganz besonders. Mehr als 15 Prozent sollte man auf keinen Fall investieren - der Rohstoff sollte immer nur eine Beimischung in die gesamte Vermögensanlage sein. Generell sollten Anleger nie das Kursrisiko bei Fonds aus den Augen verlieren und über eine deutliche Erfahrung verfügen, bevor investiert wird.

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