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Rechtsschutzversicherung

Finanzkrise verursacht mehr Rechtsstreitigkeiten

2.06.09

Rechtsrisiken nehmen in der Wirtschaftskrise zu. Mehr als 160.000 Rechtsstreitigkeiten verzeichnen Unternehmen aufgrund der Wirtschaftskrise.

23 Prozent aller Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern sind aktuell betroffen. Das ist das Ergebnis einer Studie der YouGovPsychonomics AG im Auftrag des Kölner Rechtsschutz-Versicherers. Bei den Streitfällen handelt es sich größtenteils um Auseinandersetzungen mit Kunden oder Mitarbeitern. Die damit verbundenen Kosten betragen in jedem dritten Fall bereits über 20.000 Euro. "Hier zeigt sich der akute Bedarf an rechtlicher Absicherung", so Thomas Mock, Leiter Industriedirektion der ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG. Befragt wurden Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern. In der Folge könnten die Prämien steigen, berichtet Versicherungsjournal. Ein Vergleich der Rechtsschutzversicherungen kann daher bares Geld sparen.

Knapp ein Drittel (30 Prozent) der befragten Unternehmen spüren bereits größere oder sogar sehr große Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise. Vor allem größere Unternehmen sind die Leidtragenden. Je größer die Unternehmen, desto schwerer trifft sie die Wirtschaftskrise. Unternehmen mit Umsätzen über zehn Millionen Euro spüren die Krise deutlich stärker als umsatzschwächere Unternehmen. "Dabei fällt auf, dass gerade Unternehmen, die bislang nur schlecht gegen rechtliche Risiken abgesichert sind, die Krise am deutlichsten spüren", stellt Professor Horst Müller-Peters, Vorstandsvorsitzender der YouGovPsychonomics AG, fest.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise konsultieren 33 Prozent der Unternehmen, die von der Krise stärker betroffen sind, ihren Steuerberater häufiger als zuvor. 15 Prozent derer nutzen verstärkt den Rat des Anwalts. Versicherungen haben für 14 Prozent dieser Befragten an Bedeutung gewonnen.

Die Absicherung gegen rechtliche Risiken hat für den weit überwiegenden Teil der befragten Unternehmen (83 Prozent) einen hohen bis sehr hohen Stellenwert. In Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern befürworten sogar rund 90 Prozent einen ausreichenden Rechtsschutz. Bei der ebenfalls von der psychonomics AG erstellten Vorläuferstudie für ROLAND Rechtsschutz im Jahr 2007 lagen diese Werte auf vergleichbarem Niveau.

In der Praxis fühlen sich jedoch nur 62 Prozent der Befragten gut oder sehr gut vor rechtlichen Risiken geschützt. Das ist ein im Vergleich zu 2007 nahezu unveränderter Wert. Neben den kleineren Unternehmen sieht sich vor allem das produzierende Gewerbe schlecht gegen Rechtsstreitigkeiten abgesichert. Das subjektive Empfinden über fehlenden Schutz deckt sich mit der tatsächlich unzureichenden Absicherung von Unternehmen, insbesondere aber von Unternehmern. 80 Prozent der Befragten besitzen weder eine D&O-Versicherung noch einen Manager-Rechtsschutz. Dabei hat die Kenntnis über diese Versicherungsart gegenüber 2007 deutlich zugenommen. Besser abgesichert sind nur größere Unternehmen, die bereits Erfahrung mit Manager-Haftung hatten.

Über 60 Prozent der Unternehmen waren in den letzten fünf Jahren in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt, sieben Prozent sogar häufig. Nur sieben Prozent der Unternehmen sehen ihr eigenes Unternehmen als stärker gefährdet im Vergleich zu anderen Unternehmen an. Hier zeigt sich eine menschlich nachvollziehbare, unternehmerisch jedoch gefährliche Fehleinschätzung der Situation: das eigene Risiko wird unterschätzt. Vor allem kleinere Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern sehen sich als überdurchschnittlich gefährdet an.

Das Thema Datenschutz wird nach Meinung von 71 Prozent der Befragten in näherer Zukunft am stärksten an Bedeutung gewinnen. Internationales Recht – 2007 noch die Top-Nennung bei den rechtlichen Zukunftsthemen – wird im Hinblick auf die aktuelle Wirtschaftskrise inzwischen deutlich zurückhaltender bewertet (Rückgang von 78 auf 55 Prozent).