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Führerschein-Neulinge müssen clever planen beim ersten Auto
5.10.09Nach der Freude über den Führerschein folgt bei jungen Fahrern oft der Frust. Viele Autoversicherungen verlangen gerade von jungen Männern deftige Prämien. Eltern und Fahranfänger wälzen dann das leidige Problem mit der Einstufung in die Schadenfreiheitsklassen.
Dahinter verbergen sich die Prozentsätze, die eine Kfz-Versicherung teurer oder preiswerter machen. Doch es gibt Tricks, wie sich die Beiträge für die Kfz-Versicherung drastisch reduzieren lassen. Das Projekt "erstes Auto" braucht etwas Vorbereitung. "Schon lange vor der Zulassung sollte sich die Familie Zeit nehmen und die günstigste Variante aussuchen", sagt Hartmut Schmid, Produktmanager bei Aspect Online. "Eine Ersparnis von etwa 2.000 Euro gegenüber der teuren Einstufung ist keine Seltenheit."
2.000 Euro Ersparnis
Normalerweise steigen Fahranfänger, die frisch die Führerscheinprüfung bestanden haben, mit der Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) 0 ein. Das heißt bei den meisten Versicherern 230 Prozent. Für einen VW Polo zahlt ein 18-jähriger dann beim günstigsten Anbieter im Vergleich von Aspect Online allein für die Haftpflicht 1.748 Euro (Zulassung in Augsburg, Neuwagen, Alleinfahrer, 15.000 Kilometer). Zusammen mit der Kasko käme er auf 2.499 Euro (Selbstbeteiligung 300 Euro in der Vollkasko und 150 Euro in der Teilkasko).
Das ist beinahe unbezahlbar. Deshalb greifen die meisten auf die einfachste Ausweichvariante zurück. Fast alle Versicherer bieten Kindern ihrer Kfz-Kunden einen Vorteil und stufen sie mit SF-Klasse ½ ein (meist 140 Prozent). Dann belaufen sich die Kosten aus dem Beispiel noch auf 1.009 Euro (nur Haftpflicht), beziehungsweise 1.667 Euro (mit Vollkasko). Ein Tipp: Dafür sollten die Eltern natürlich vorher in einen günstigen Tarif wechseln. Wer mindestens drei Jahre den Führerschein besitzt, wird auch ohne elterliche Hilfe fast immer in die SF-Klasse ½ eingruppiert.
Der alte Trick, das Auto des Juniors als Zweitwagen über die Eltern laufen zu lassen, funktioniert nicht mehr. Normalerweise können Zweitwagen mit SF-Klasse 2 (oder 85 Prozent) starten. Nur wenn junge Fahrer mit dem Auto fahren (Altersgrenze meist 23 Jahre), lassen sich die Kfz-Versicherer nicht mehr darauf ein und machen nur noch die SF-Klasse ½ locker – genau wie bei der Regelung für die Kinder von Kfz-Kunden.
Rabatt von den Großeltern übernehmen
"Richtig spannend wird es, wenn Opa oder Oma früher ein Auto hatten, aber jetzt nicht mehr fahren. Bis zu sieben Jahre nach Abmeldung des Autos bleibt der SF-Rabatt erhalten", sagt der Versicherungsexperte Hartmut Schmid. "Ein Rabatt kann meist unter Verwandten ersten Grades, oft auch auf die Enkel, übertragen werden, aber beim Versicherer sollten vorher die genauen Regeln erfragt werden." Vorsicht: Jeder Fahrer kann nur für so viele Jahre den SF-Rabatt übernehmen, wie er den Führerschein besitzt. Führerscheinneulinge könnten also nur SF-Klasse ½ vom Großvater erhalten.
Deshalb läuft die Versicherung anfangs auf den Opa oder ein Elternteil, damit es richtig preiswert wird. Das größte Sparpotenzial gibt es, wenn die ältere Generation auch das Auto selbst anmeldet. Angenommen, der Großvater hat eine SF-Klasse 22 (meist 30 Prozent), dann kostet die Haftpflicht nur noch 245 Euro, zusammen mit der Vollkasko 442 Euro. Nach einigen Jahren können die Junior-Fahrer dann den Rabatt vom Großvater übernehmen. Doch ein Rabatt ist unteilbar. Wer ihn auf eine andere Person überträgt, steigt selbst wieder ganz oben in der Prozentskala ein.
Von der Idee, das eigene Auto nur wegen der Versicherung auf die Eltern zuzulassen, sind viele junge PS-Ritter vermutlich nicht zu begeistern. Sie wollen selbst im Fahrzeugschein stehen. Das gefällt aber den Versicherern nicht so gut. Wenn Halter und Versicherungsnehmer verschiedene Personen sind, verlangen sie meist Zuschlag. Einige Anbieter verweigern den Versicherungsschutz dann sogar.
Der Trick mit dem Motorrad
Auch ein vor einigen Jahren zugelassenes Motorrad kann beim Sparen sehr hilfreich sein. Ein Elternteil kann das Auto des Fahranfängers versichern und gleichzeitig den Rabatt von der bestehenden Motorradversicherung übernehmen. War das Motorrad zuvor drei Jahre angemeldet, verringert sich die Prämie für das Auto auf etwa ein Drittel gegenüber der teuersten Ausgangsvariante. Das hat zur Folge, dass das Zweirad wieder mit SF-Klasse ½ versichert wird – also teurer. Aber die Ersparnis beim Auto wiegt die Einbuße allemal auf.
Die Auswahl des richtigen Autos kann die Prämie der Kfz-Versicherung ebenfalls erheblich reduzieren. Bei Jugendlichen gefragte Modelle sind meist teurer, weil mit ihnen viele Unfälle passieren. Sie haben dementsprechend höhere Typklassen. Wie das Auto eingruppiert ist, darüber gibt die Internetseite www.typklasse.de Aufschluss. Und natürlich sollten alle Rabattmöglichkeiten genutzt werden. Alleinfahrer zahlen weniger, Vielfahrer müssen tiefer in die Tasche greifen usw. "Wie diese und alle übrigen Rabattmerkmale sich auf die Prämie auswirken, testen Führerscheinneulinge am besten vor der Zulassung in unserem Kfz-Vergleichsrechner", sagt Versicherungsexperte Hartmut Schmid.
Von Toralf Richter, Foto: klickit (Fotolia.com)



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