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Garantiefonds – sicherer Hafen oder Rendite-Hemmschuh?
24.03.09Aktienanleger werden wieder arg gebeutelt. Da klingt es wie ein Lockruf, dass es Garantiefonds gibt, bei denen die Sparer in Aktien investieren, aber durch eine Garantie vor Einbußen geschützt sind. Für manchen sicherheitsbewussten Anleger können sie die richtige Wahl sein.
Das Wunderland ist nicht weit – Garantiefonds bieten viele Fondsgesellschaften mit Namen wie „Garant“, „Protect“ oder „Safe“ an. „Wer beim Aufwärtstrend mitmachen will, aber keine Verluste einfahren möchte, findet bei den Garantieprodukten eine gute Alternative“, sagt Marc Savani, Pressesprecher der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Ziel der Fonds ist es, zumindest eine Rendite zu erwirtschaften, die besser ist als bei Bankprodukten.
Eins vorweg: Wo bei den Fonds Garantie draufsteht, ist auch Garantie drin, wenn die Fondsgesellschaft den Erhalt des eingesetzten Kapitals verspricht. Egal wie schlecht die Aktienmärkte sich entwickeln, die Sparer erhalten den Einsatz zurück. Wenn sich trotzdem an dem Konzept Kritik entzündet, liegt es daran, dass Anleger von Garantiefonds immer nur einen Teil des Aufschwungs der Aktienmärkte mitnehmen.
Aber der Reihe nach: Es gibt zwei verschiedene Arten von Garantiefonds. Entweder bekommt der Anleger mindestens ein festgelegtes Kapital zurück – meist 100 Prozent. Manchmal liegt die Garantieschwelle auch niedriger, bei 80 oder 90 Prozent. Bei diesen müssen die Sparer schlimmstenfalls geringe Verluste hinnehmen. Fast alle wertgesicherten Fonds haben eine bestimmte Laufzeit. Das Garantieversprechen gilt aber nur zum Ende. Wer zwischendurch aussteigt, muss möglicherweise Verluste realisieren. Auch wer mittendrin zu höheren Kursen kauft, hat nur die Garantie für den anfangs festgelegten Kurs.
Bei der zweiten Variante, den so genannten Höchststandssicherungen, verändert sich die Garantie. Klettert der Fonds auf eine bestimmte Marke, wird eine höhere Garantie festgesetzt. Diese gilt weiter, auch wenn der Garantiefonds später wieder auf Talfahrt geht.
Eine Garantie ist kein Hexenwerk, der Anleger muss sie aber bezahlen – nämlich mit einem Verlust an Rendite gegenüber dem lupenreinen Aktieninvestment. „Mit Aktien allein können wir keine Garantie darstellen. Dazu weichen wir auf sichere Anlageformen wie Renten aus“, erklärt Pascal Baeriswyl, Produktspezialist für strukturierte Produkte bei der Fondsgesellschaft DWS.
Kauft ein Fondsmanager von 100 Euro Anlagebetrag beispielsweise heute Rentenpapiere mit bester Bonität für 85 Euro, erhält er in fünf Jahren 100 Euro zurück. Damit sichert er die Garantie. Den Rest steckt er in Aktien oder Optionen. Damit versucht er, mit steigenden Aktienmärkten Schritt zu halten. Andere Garantiefonds berechnen den Aktienanteil täglich neu. Er wird immer so hoch bemessen, dass auch bei einem Maximalverlust die übrigen Rentenpapiere mindestens noch die Garantie retten.
Die Garantie wird teuer erkauft
Stellt sich also die Gretchenfrage, wie stark die Anleger an der Entwicklung der Aktienmärkte beteiligt sind: Uwe Wystup, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, hat verschiedene Szenarien im Modell durchgerechnet. Im Vergleich zu reinen Aktienanlagen erwirtschaften Garantiefonds oft nur die Hälfte der Rendite. Selbst in einem simulierten Krisenfall schnitt auf lange Sicht das reine Aktieninvestment besser ab als der Garantiefonds. Für die Altersvorsorge rät der Wirtschaftsprofessor von Garantiefonds ab. Wer über 25 Jahre in Garantiefonds anlegt, erhält immerhin in den meisten Fällen mehr als den langjährigen Zinssatz der Banken.
Weniger düster kann das Bild auf kürzere Sicht aussehen. Die Fondsspezialisten bemessen die Attraktivität danach, wie viel Prozent der Wertentwicklung bei den Aktien sie dem Garantiefondsanleger mitgeben können. „Fünfjährige Garantiefonds, die vor ein bis zwei Jahren aufgelegt wurden, hatten eine Partizipation bis zu 100 Prozent am Index. Die Anleger hätten den Aufschwung an den Aktienmärkten voll mitnehmen können“, sagt der DWS-Experte Baeriswyl.
Solange es nach oben ging, machten die Anleger Gewinn, beim Absturz der Aktienmärkte stehen sie unter dem schützenden Schirm der Garantie. Deshalb steckt das Geld vieler Garantiefonds derzeit fast vollständig in Rentenpapieren oder im Cash. 100 Prozent klingen übrigens hervorragend. Doch an den Dividenden sind die Anleger von Garantiefonds in der Regel nicht beteiligt. Sie werden selbst im besten Fall für die Absicherung der Garantie benötigt.
„Über vierzig Prozent Verlust fuhren die Aktienfonds 2008 ein. Viele Sparer hätten sich da eine Garantie gewünscht. Es bleibt das Fazit: Beides gibt es nicht. Wer Sicherheit haben möchte, muss auf Rendite verzichten“, sagt Sabine Goebel, Produktmanagerin bei Aspect Online. Sicherheitsbewusste Anleger, die trotzdem neugierig auf Aktien sind, könnten durchaus einsteigen, aber vorrangig bei mittelfristigen Sparzielen.
Toralf Richter

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