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Höhere Rentenlücke durch Wirtschaftskrise

25.09.09

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die gesetzliche Rentenversicherung zeigt eine Studie des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA). Beitragszahler und Ruheständler müssen sich auf weitere Einschnitte einstellen.

Wer beispielsweise 1964 geboren wurde, muss sich dank des Crashs der Finanzmärkte und seiner Folgen heute schon auf eine niedrigere Rente einstellen. Je nach Fortgang der Krise betragen die Einbußen zwischen 5,7 und 9,4 Prozent. Betroffen sind jedoch alle Altergruppen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle MEA-Studie. Kurz- und mittelfristig ist zudem mit steigenden Beitragssätzen in der gesetzlichen Rentenversicherung zu rechnen - 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte erwarten die Wissenschaftler.

 

Ursache der Kürzungen sind die niedrigeren Löhne. Durch die Wirtschaftskrise werden die Einkommen auf lange Sicht unter dem Niveau bleiben, das sie ohne Krise erreicht hätten. Außerdem entstehen durch Kurzarbeit und die erhöhte Arbeitslosigkeit hohe Lohnausfälle. Weil die Rentenanpassungsformel die Einkommensentwicklung der Ruheständler an die Bezüge der Arbeitnehmer koppelt, setzt sich diese Lücke ins Alter fort.

 

Bei der Rentenformel entsteht durch den Absturz der Ökonomie ein geringerer so genannter Rentenwert - dahinter steht der Euro-Satz, der - multipliziert mit den Entgeltpunkten - das Einkommen der Senioren ergibt. Das bedeutet, dass bereits angesammelte Rentenpunkte niedriger bewertet werden. Am Ende steht ein Vermögensverlust. Der trifft die Rentner und rentennahen Jahrgänge stärker. Die Rendite ihrer Beiträge sinkt nach Berechnungen der MEA-Forscher um bis zu 0,3 Prozentpunkte.

 

Beitragssatz steigt früher, Rentengarantie hilft nicht

 

"Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Rentenversicherung machen sich in den nächsten 10 Jahren in Form eines um etwa 0,5 Prozentpunkte höheren Beitragssatzes deutlich bemerkbar", fasst Professor Axel Börsch-Supan, Direktor des MEA, die weiteren Ergebnisse der Studie zusammen. Die magische Grenze von 20 Prozent vom Brutto für die gesetzliche Rentenversicherung dürfte bereits zwischen 2012 und 2015 übersprungen werden. Mindestens vier Jahre früher als ohne die Krise.

 

"Auch die Rentengarantie kann die langfristigen Wirkungen nicht vermeiden. Sie verschärft aber den Druck auf den Beitragssatz", wirft Börsch-Supan gegen eine populäre Fehleinschätzung ein. Die Ergebnisse zeigten, dass die Garantie den Beitragssatz um weitere 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte erhöhen könnte. Durch das Verbot einer Rentensenkung entstehe außerdem ein Nachholberg, denn die reguläre Anpassung an die Bruttolöhne müsse in den Folgejahren nachgeholt werden. Das sei politisch brisant.

 

tr