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Steuern

Immer mehr Selbstanzeigen von Steuersündern

22.06.10

Seit Beginn der öffentlichen Debatte um den Ankauf von Steuersünder-Dateien aus dem Ausland vor einigen Monaten sind überall in Deutschland Selbstanzeigen eingegangen. Beispiel Hamburg: Dort allein sind es mittlerweile 502 Selbstanzeigen.

In der vergangenen Woche wurde die 500. Selbstanzeige innerhalb von viereinhalb Monaten registriert, wie Daniel Stricker von der Finanzbehörde mitteilte. 2009 seien insgesamt 189 Selbstanzeigen aufgenommen worden. Die Summe der nachträglich zu versteuernden Kapitalerträge liegt den Angaben zufolge nun bei 245,9 Millionen Euro. Durch die Nachzahlung seien bis zu 30 Prozent dieser Summe an zusätzlichen Steuereinnahmen zu erwarten. Davon verbleibe rund ein Viertel in Hamburg. Mit ihren rechtzeitig eingegangenen Selbstanzeigen und der Begleichung der Steuerschuld plus Zinsen können die Betroffenen straffrei ausgehen.

Im Zusammenhang mit der Debatte um eine Einschränkung der straffreien Selbstanzeige unterstützt Hamburg gemeinsam mit weiteren Bundesländern eine Bundesratsinitiative, die diese Möglichkeit weiter erschweren soll. Die Finanzbehörde forderte daher alle Bürger auf, die aktuell über noch nicht erklärte Kapitaleinkünfte im Ausland verfügen, sich gegenüber den Steuerbehörden zu erklären.

Steuerhinterziehung kann mit hohen Strafen geahndet werden

Auch die Zahl der Selbstanzeigen von Steuersündern aus Berlin ist kräftig gestiegen. 515 Bürger hätten sich bei den Finanzämtern gemeldet, teilte eine Sprecherin der Finanzverwaltung mit. 501 Anzeigen bezogen sich auf Konten bei Schweizer Banken, 14 auf Luxemburger Geldinstitute. Mit rechtzeitig eingegangenen Selbstanzeigen und der Nachzahlung der Steuern plus Zinsen können die Betroffenen straffrei ausgehen.

Das mögliche Strafmaß bei nachgewiesener und verurteilter Steuerhinterziehung beträgt bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe und in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahre. "Man erlebt große Aufregung bei den Leuten", sagt die Frankfurter Steuerberaterin Britta Seidel, die viele reuige Steuersünder betreut. "Die Klienten kommen nach schlaflosen Nächten mit schlechtem Gewissen bei uns ins Büro und wollen reinen Tisch machen." Viele hätten einen Ruf zu verlieren, seien öffentlich bekannt. Angestellte von Banken
und Versicherungen bangten um ihren Job, Handwerker um das Ansehen im
Dorf.

ddp/min