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Kreditkarte zu verschenken
19.01.09Kreditkarten gibt es heute immer öfter gratis für die Kunden - etwa wenn sie ein neues Girokonto eröffnen. Während die einen die Kreditkarte als Schuldenfalle verunglimpfen, sehen andere in ihr ein Stück mehr Freiheit für die Verbraucher.
Wir schreiben das Jahr 1887. Damals tauchte erstmalig das Wort "Kreditkarte" in einem Werk des Science-Fiction-Autors Edward Bellamy auf. Der Autor zeichnete eine futuristische Gesellschaft, die nur noch Karten zum Bezahlen einsetzte. Bellamy zufolge sollte die Kreditkarte aus Pappe bestehen, von der bei jedem Zahlungsvorgang ein Stückchen abgetrennt wurde, bis sie aufgebraucht war.
Was damals noch wie schräge Zukunftsmusik klang, ist heute Alltag. Auch wenn die Karte im Jahr 2009 nicht aus Pappe ist und man auch tunlichst nichts von ihr abschneiden sollte, so wird das "Plastikgeld" wohl bald ähnlich beliebt und verbreitet sein wie in Bellamys Roman. Von den Bankkarten, die der bargeldlosen Bezahlung von Waren und Dienstleistungen bei Vertragsunternehmen der Kartenherausgeber (z.B. MasterCard oder VISA) dienen, gab es in Deutschland rund 92 Millionen Debitkarten. Die Anzahl der Kreditkarten lag bei etwa 24 Millionen (Stand jeweils 2007).
Kreditkarten von "normal" bis "super-exklusiv"
Debitkarten sind Bankkarten (girocard) und an das Girokonto des entsprechenden Karteninhabers angebunden. Bei Kreditkarten gibt es zahlreiche Variationen und in den meisten Fällen wird der Karteninhaber nur einmal im Monat mit den aufgelaufenen Umsätzen belastet. Die Kreditkarte ist nicht an das Girokonto gebunden, die Umsätze werden auf einem eigenen Kreditkartenkonto geführt. Kreditkarten gibt es in Ausführungen, die von "normal" (Silber, Classic) über "besonders" (Gold), "exklusiv" (Platin) bis "super-exclusiv" (Centurion) reichen.
In einem immer unüberschaubareren Bankkarten-Markt buhlen Dutzende Anbieter um Kunden, die Lust haben, ihre Karte anstatt Bargeld zu zücken. Die Hauptargumente lauten Bequemlichkeit und Zusatzleistungen, etwa Prozente beim Tanken. Der Clou dabei: Kreditkarten sind heute vielfach nicht mehr an Grundgebühren gebunden. Die Kunden bekommen sie auf Wunsch kostenlos – wenn sie etwa ein Girokonto bei der entsprechenden Bank eröffnen. Die Banken locken gerade mit speziellen Kombi-Angeboten, wo es neben dem Girokonto die Gratis-Kreditkarte und ein zinsstarkes Konto für Tagesgeld gibt.
Mit Kreditkarte und Unterschrift dürfen Kontoinhaber bei allen Vertragspartnern der Kreditkartenfirma bargeldlos bezahlen. Die steigende Attraktivität der Kreditkarte erklärt sich also vor allem durch ihre nahezu universelle Einsetzbarkeit, wird sie doch von vielen Restaurants, Hotels und Geschäften auch im Ausland sowie bei Online-Käufen akzeptiert.
Vorsicht vor Überschuldung
Obwohl die Kreditkarte zum Symbol von Freiheit und ein Instrument der mobilen Gesellschaft geworden ist, gibt es doch einige Vorsichtsregeln zu beachten. So empfehlen Verbraucherschützer etwa, umsichtig mit der Kreditkarte zu kaufen. Wie immer gilt, dass die Verbraucher die eigenen finanziellen Möglichkeiten nicht aus den Augen verlieren sollten. Insbesondere aus den USA ist zu hören, dass US-Bürger 900 Milliarden Dollar Schulden allein durch Konsumausgaben angehäuft haben – unter anderem durch zu locker sitzende Kreditkarten. Mit solch einer Kreditblase ist keinem gedient, schließlich werden durch sie schwere Finanz- und Wirtschaftskrisen ausgelöst.
Vor allem Kreditkarten mit Teilzahlungsfunktion sind den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Denn da muss der Karteninhaber jeden Monat nur einen Mindestbetrag zurückführen. Viele Kreditkartenkonten werden deshalb ständig im Minus geführt. "Das wird teuer und führt im schlimmsten Fall zur Überschuldung", warnt Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen.
Ute König-Stemmler, Relationship Manager von Visa Europe, sieht darin eher Vorteile: "Die neue Zahnspange für den Jüngsten oder die Autoreparatur dulden oftmals keinen Aufschub, um Angebote von unterschiedlichen Banken einzuholen oder Vereinbarungen über Sondertilgungen abzuschließen." Daher bräuchten Bankkunden eine unkomplizierte und flexible Alternative zu klassischen Kreditarten, so König-Stemmler weiter.
Von Christian Minaty

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