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Kapitalleben

Lebensversicherer weisen Kosten transparenter aus

3.02.11

"Geradezu revolutionär" nennt Versicherungsexperte Mark Ortmann eine neue Initiative einiger Versicherer in Sachen Offenheit. Sie machen die Kosten für klassische und fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen besser vergleichbar.

Was bekomme ich für mein Geld bei einer Lebens- oder Rentenversicherung und wie viel kostet mich die Police? Das möchte der Kunde eigentlich wissen, bevor er einen Vertrag abschließt. Doch gerade da hapert es noch bei den Versicherern. Zwei von ihnen, die Allianz und der Volkswohl Bund haben jetzt angekündigt, für ihre Produkte die Effektivkosten und die Effektivrendite - also deutlichere und besser vergleichbare Zahlen - auszuweisen. Die Standard Life, die vom angelsächsischen Markt diese Kennziffern gewohnt ist, hatte ihre Kosten schon länger auf diese Weise offengelegt, die Fondsgesellschaft DWS ebenfalls.

Gesetz lässt Möglichkeiten, Kosten zu verschleiern

Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA), begrüßt diese Schritte. Er setzt sich bereits seit Jahren für bessere Vergleichbarkeit bei Altersvorsorgeprodukten ein und propagierte Effektivkosten und Effektivrendite. Bisher sah der Kunde beim Abschluss einer klassischen Kapitallebensversicherung oder Rentenversicherung im Angebot, dass für den Vertrag beispielsweise 2.000 Euro Abschlusskosten (zum großen Teil Provisionen für den Vermittler) und jährlich 100 Euro Verwaltungskosten anfallen und dass diese Summen die Gesamtrendite um 1,0 Prozent drücken. Angaben in dieser Form schreibt das Gesetz seit 2008 vor. Diese verschiedenen Blöcke verwirrten die Kunden und die Vorgaben boten Spielräume, Kosten gar nicht oder verklausuliert auszuweisen.

Zukünftig sehen die Kunden der genannten Anbieter drei Prozentzahlen in ihrem Angebot. Eine Rendite vor Kosten, wie sie sich modellhaft mit den aktuellen Renditen und Gewinnen ergibt. Zweitens die Effektivkosten, das ist der Prozentsatz, um den die Vertrags- und Kapitalanlagekosten die jährliche Rendite schmälern. Diesen Parameter bezeichnen die angelsächsischen Anbieter oft als Reduction in Yield. Je kleiner diese Zahl, desto günstiger ist das Produkt. Drittens ist die Effektivrendite zu sehen. Die entscheidende Zahl, sie sagt, wie hoch die Rendite auf die eingezahlten Beiträge tatsächlich ist. Anhand der Effektivrendite können Kunden und Berater die möglichen Renditen nach Kosten produktübergreifend vergleichen.

Nur gleiche Laufzeiten miteinander vergleichen

Wichtig ist, dass man den Vergleich richtig anstellt. Vor allem sollten Verträge mit derselben Laufzeit betrachtet werden. "Die Laufzeit beeinflusst die prozentuale Renditeminderung. Der Vergleich eines Vertrags A mit 20 Jahren Laufzeit mit einem 30 Jahre laufenden Vertrag B wäre Äpfel mit Birnen zu vergleichen," betont Ortmann. Die Reduction in Yield ist nämlich höher bei einem kürzer laufenden Vertrag, obwohl die Vertragskosten in Euro aufgrund der kürzeren Laufzeit niedriger sind als bei einem länger laufenden Vertrag. Das ist zwingend, da sich der Zinseszinseffekt bei langen Laufzeiten günstig auswirkt - es kommt eben auch mehr heraus.

"Die Gesamtkostenquote bringt für den Kunden eine deutliche Verbesserung", sagte Maximilian Zimmerer, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben, bei der Präsentation der Transparenzoffensive seines Hauses und er forderte indirekt die Mitbewerber auf, sich dem Marktführer anzuschließen: "Je mehr Anbieter die Neuerungen umsetzen, desto stärker profitieren Kunden und Vermittler davon, unterschiedliche Produkte einfach miteinander vergleichen zu können."

Branchenprimus als einer der Vorreiter


Die Kennziffern spiegeln sich in einem konkreten Angebot für eine klassische Rentenversicherung der Allianz wie folgt wieder (Laufzeit 30 Jahre, jährlich 1.200 Euro): Die unterstellte Wertentwicklung entspricht der für 2011 tatsächlich auf das Vertragsguthaben gezahlten Gesamtverzinsung – also 4,8 Prozent. Die Effektivkosten liegen bei 1,1 Prozent. Das ergibt eine Effektivrendite von 3,7 Prozent. Wählt der Kunde mit 67 Jahren die Rente, liegt die Gesamtkostenquote für die gesamte Vertragslaufzeit einschließlich der durchschnittlichen Rentenphase bei nur 0,8 Prozent.

Schwer zu vergleichen waren bisher auch fondsgebundene und klassische Varianten der Versicherungen. Um hier für mehr Klarheit zu sorgen, ändert die Allianz die Modellrechnungen bei den fondsgebundenen Produkten. Die beispielhaft angenommenen Fonds-Wertentwicklungen werden künftig vor Kosten ausgewiesen, d.h. auch Fondskosten sind künftig explizit in den Modellrechnungen berücksichtigt. Bisher richteten sich die Versicherer nach den Angaben der Fondsgesellschaften. Diese geben die Rendite eines Fonds nach Abzug der Managementgebühren an. Diese Zahl ist für den Fondsanleger tatsächlich die einzig interessante. Der Sparer einer fondsgebundenen Versicherung erkennt dabei jedoch einen Teil der Kosten nicht.

Viel geschafft, noch ein wenig offen

Mark Ortmann fühlt sich in seinem Ringen um Transparenz bestätigt. Er sagt: "Die aktuell vom GDV empfohlene und von der Allianz, dem Volkswohl Bund, der Standard Life und der DWS praktizierte Gesamtkostenkennzahl erfüllt einen Großteil der Anforderungen und erlaubt einen produkt- und spartenübergreifenden Vergleich. An einigen Stellen kann nachgebessert werden." So sollten bei Dachfonds auch die Kosten der Zielfonds berücksichtigt werden. Außerdem ist es wünschenswert, einheitlich von der Branche berechnete Kapitalmarktsimulationen zu verwenden.

tr