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Lebenszyklusfonds: Diese Anlage hält länger als manche Ehe

18.03.10

Ein Fonds, fast für die Ewigkeit gedacht. Lebenszyklusfonds nehmen dem Anleger das Umschichten ab, wenn das Ende der Sparphase naht. Wer sich nicht viel um seine Geldanlage kümmern möchte, fährt gut damit. Trotzdem verraten viele Berater ihren Kunden nichts von dem Investmentkonzept.

Wissen Sie, was Sie im Jahr 2055 machen? Einige Kunden der Metzler-Bank werden dann der Auszahlung ihres Fonds Metzler Target 2055 entgegensehen. Zu diesem Zeitpunkt läuft jener Lebenszyklusfonds der Frankfurter Bank aus, der heute am weitesten in die Zukunft reicht. Wer für einen feststehenden Zeitpunkt in der Zukunft sparen möchte – für den Studienbeginn der Kinder oder den Kauf des Ruhestandssitzes in der Toskana, der macht sich mit so einer Geldanlage das Leben leicht.

 

Lebenszyklusfonds legen die Anbieter mit einer festen Laufzeit auf. Ihre Enddaten liegen aktuell zwischen 2011 und 2055. Die Philosophie hinter diesen Produkten: Vor Erreichen seines Sparzieles sollte jeder Anleger das Geld umschichten – weg von Aktienwerten, die für hohe Rendite sorgen und bei denen es schnell nach unten gehen kann, hinein in weniger schnell steigende Renten (Anleihen), die dafür nicht so stark schwanken, oder in sichere Geldmarktwerte, deren Verzinsung nur gering ist. Genau diese Umstellung des Depots verpassen aber viele Privatanleger. Den Part übernehmen die Lebenszyklusfonds (engl. Life-Cycle-Fonds).

 

"Der Anleger braucht lediglich den Fonds auszuwählen, der seiner persönlichen Investitionsplanung am besten entspricht", lautet es dazu im Prospekt des Fondsanbieters Sauren. Weil sie zu einem bestimmten Sparziel hinführen, heißen sie auch Zielfonds (oder im Marketing-Englisch Target Fund). Zu Zeiten der Abgeltungssteuer gibt es einen angenehmen Nebeneffekt: Privatanleger zahlen bei jedem Verkauf die 25 Prozent plus Soli an den Fiskus. Findet das Umschichten auf Fondsebene statt, wird nur beim Verkauf am Ende die Abgeltungssteuer fällig.

 

Für bequeme Anleger geeignet, trotzdem von Vermittlern oft versteckt

 

Viele Experten empfehlen heute auch Kleinanlegern, öfter in das eigene Wertpapierdepot zu schauen. Wem das jedoch zu beschwerlich ist, der kann bei Lebenszyklusfonds zugreifen. "Sie sind geeignet für Anleger, die sich nicht aktiv um ihr Invesment kümmern wollen und gleichzeitig ein intelligentes Ablaufmanagement wünschen", sagt Ferdinand Haas, Leiter Produktlösungen bei DWS Investments. "Sie profitieren von einer hohen Aktienquote und den damit verbundenen Renditechancen, gleichzeitig müssen sie am Laufzeitende weniger Angst vor Kurseinbrüchen haben."

 

In Amerika legte diese Fondsgattung in den letzten Jahren eine Erfolgsstory hin. Dort kommen sie wegen des Umschichtungsmechanismus in sichere Anlageklassen bei der Betriebsrente zum Einsatz. Fidelity nannte seine Sparpläne marketingwirksam Freedom Funds und sammelte allein Anlegergelder in Höhe von 80 Milliarden Dollar ein. In Deutschland fristen sie noch ein Nischendasein, der Gesamtmarkt macht nach Angaben des Branchenverbandes BVI 9,7 Milliarden Euro aus.

 

Das liegt nicht zuletzt an den Vermittlern. "Die Fonds sind im Vertrieb unbeliebt", so DWS-Experte Haas, dessen Gesellschaft im vergangenen Jahr einige dieser Fonds einstellte, mittlerweile aber an einem neuen Konzept arbeitet. Wer dem Kunden einmal einen Lebenszyklusfonds mit dem Argument schmackhaft machen, dass er bis zum Rentenalter läuft, verdient nichts mehr beim Umdecken des Depots.

 

Die meisten Fondsgesellschaften konstruieren Lebenszyklusfonds als Dachfonds. Das heißt, das Management investiert wiederum in andere Fonds, oft von der eigenen Gesellschaft. Hier gilt es hinzuschauen. Beschränkt sich die Fondsverwaltung auf Produkte aus dem eigenen Haus, stehen unter Umständen erstklassige Fonds nicht zur Auswahl. Greift man auch auf fremde Fonds zurück, entstehen auf beiden Fondsebenen Managementkosten. In Ausnahmen liegt die Gesamtkostenquote (TER=Total expense ratio) über 2,5 Prozent. Normale Aktienfonds kommen durchschnittlich mit 1,4 Prozent zurecht und zum Glück siedeln sich auch viele Lebenszyklusfonds in diesem Bereich an. Trotzdem sollten Anleger vor dem Kauf genau auf die Wertenwicklung schauen. Nur wenn die Fondsmanager wirklich die besten Renditebringer herauspicken, kompensieren sie höhere Kosten. Andere Anbieter wie Fidelity Investments verzichten auf die Dachfondskonstruktion und investieren direkt in Aktien, Renten oder Geldmarktwerte.

 

Auf das Konzept achten, nicht alle sind gleich

 

Im Hause Fidelity ist man überzeugt von dem Lebenszyklusfonds-Konzept. Analysten verglichen deren Performance mit der von Garantiefonds. In den Jahren 2004 bis 2007 – mithin im letzten Aufschwung – erzielten Lebenszyklusfonds eine durchschnittliche Wertentwicklung von 25,2 Prozent; Garantiefonds, mit denen viele sicherheitsbewusste Sparer ebenfalls auf langfristige Ziele sparen, brachten im Schnitt nur ein Plus von 18,1 Prozent.

 

Die Quintessenz: Eine Garantie kostet Rendite. Es ist besser eine hohe Aktienquote lange zu halten, dann ergibt sich die Garantie von allein. Auf eine hohe Sicherheit müssen Anleger nicht verzichten. Modellrechnungen von 10.000 Kapitalmarktszenarien nach der wissenschaftlich anerkannten, so genannten Monte-Carlo-Simulation beweisen nach Aussage der Fidelity-Analysten: Wenn Anleger auf einen der hauseigenen Lebenszyklusfonds setzen und bis zum Zieldatum investiert bleiben, erzielen sie mit über 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine positive Rendite. Dass auch diese Strategie nicht gegen Rückschläge gefeit ist, zeigt die Entwicklung des 2010 auslaufenden Target Funds von Fidelity. Er legte auf Sicht der vergangenen drei Jahre eine negative Performance von 2,1 Prozent hin. Schlimmeres konnten die Manager nach den Finanzkrisen-Verlusten verhindern, weil sie 2009 immerhin 11,5 Prozent zurückgewannen.

 

Vor dem Einstieg in einen Lebenszyklusfonds sollte der Anleger auch die Verteilung auf die verschiedenen Anlageklassen prüfen. Fidelity verfolgt eine klassische Strategie. Die Fonds sind anfangs zu 100 Prozent in Aktien investiert, 10 Jahre vor Ablauf liegt deren Anteil bei 70 Prozent. Zwei Jahre vor Ultimo nehmen Renten etwa 70 Prozent des Depots ein und im letzten Jahr der Laufzeit beginnt die Umschichtung in Geldmarktwerte.

 

Einen neuen Anlauf in Sachen Lebenszyklusfondskonzept nimmt der deutsche Branchenprimus DWS. "Wir möchten in jeder Lebensphase das Depot so aufteilen, dass die Kunden hohe Renditechancen haben. Trotzdem sollen die Schwankungen besonders am Ende stark reduziert werden", sagt DWS-Mann Haas. Herausgekommen ist eine Lösung, die stark auf Aktien setzt. Zu Beginn fließt das Geld der Anleger in den Vorsorge-Dachfonds, der heute schon Bestandteil der DWS-Riester-Depots ist. Das Ende wird hier nicht durch den Fonds bestimmt, sondern durch die individuelle Vertragslaufzeit des Kunden. Vor Schluss erfolgt die Umschichtung in einen neu geschaffenen Vorsorge-Dachfonds Balance. Der ist in sich konservativ. Doch neben Anleihen kann er weiter in Aktienfonds anlegen. Vorstellbar sind dabei Dividendentitel, bei denen die Gefahr eines nervenaufreibenden Auf und Ab niedriger liegt. Ziel ist, stets mehr zu erreichen, als normale Staatsanleihen abwerfen. Zum Einsatz kommen soll das neue Lebenszyklus-Modell unter anderem bei den Riester-Sparplänen und den Rürup-Sparplänen.

 

Beim deutschen Fondsmanager Sauren geht man eher in die Richtung eines Mischfonds. Selbst der Fonds Sauren Zielvermögen 2040 startete mit einer Aktienquote von 70 Prozent, sie baut sich fast kontinuierlich bis zum Laufzeitende ab. "Wir denken, dass Anleger eines Lebenszyklusfonds nicht so offensiv ausgerichtet sein sollten", sagt Sauren-Analyst Matthias Weinbeck. "Weil die Marktentwicklung nicht vorhersagbar ist, kommt einer breiten Streuung und Beimischung von defensiven Portfoliobestandteilen bereits zu Beginn eine hohe Bedeutung zu."

 

Rendite tendiert in Richtung Mischfonds

 

Bei all den verschiedenen Konzepten lässt sich die Frage nach einer möglichen Rendite nicht leicht beantworten. Fonds mit sehr hoher Aktienquoten müssen sich an den weltweiten Aktienmärkten messen lassen. Einige Fonds legen sich selbst eine Messlatte. Wenn das Depot eher gemischt ist, besteht diese Benchmark aus einem Mix von Renten- und Aktienindizes. "Über die Gesamtlaufzeit gesehen – mit der abschließenden Umschichtung –, sollte die Rendite eher in der Größenordnung eines Mischfonds liegen", schätzt Matthias Weinbeck ein.

 

Unterschiede gibt es beim Ablauf der Fonds. Einige Anbieter zahlen am Ende der Laufzeit das Geld an die Kunden aus. Womöglich wird es aber noch nicht akut benötigt, dann könnte es besser noch im Depot liegen bleiben. Besonders weil für eine Neuanlage wieder Abgeltungsteuer fällig wird. Deshalb dürfen bei vielen Fondsgesellschaften die Sparer ihr Geld weiter stehen lassen. Bei Fidelity bleibt es zu 100 Prozent in Geldmarktwerten investiert. Die zu erwartende Wertentwicklung ist gering, das Risiko dafür nahe Null. Bei Sauren bleibt stets eine Aktienquote von 10 Prozent erhalten.

 

Die Ratingagentur Morningstar vergibt keine Ratings für Lebenszyklusfonds. Das macht Kunden die Auswahl nicht eben leichter. Er sollte zwei Dinge beachten. Erstens, passen die Verteilung auf die Anlageklassen und der Umschichtungsmechanismus zum eigenen Risikoprofil? Zweitens lohnt sich dann ein Blick auf die Wertentwicklung der vergangenen Jahre. Sie ist jedoch abhängig vom Aktienanteil zu bewerten und bietet natürlich keine Gewähr für die Zukunft.

 

Von Toralf Richter