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Baufinanzierung

Mit Eigenkapital rechnen aber nicht spekulieren

11.05.10

Vor dem Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung gehören alle Haushaltszahlen auf den Tisch. Sehr wichtig für die Baufinanzierung ist das Eigenkapital.

Niedrige Kreditzinsen: Vor Einsatz von Eigenkapital dessen Erträge gegenrechnen

Wie hoch das Eigenkapital ist, bestimmt die Höhe der Baufinanzierung. Was schon auf der hohen Kante liegt, muss nicht als Kredit aufgenommen werden. Es ist zweifellos eine Binsenweisheit, dass ein hoher Eigenkapitalanteil die laufende Ratenbelastung für ein Bauprojekt senkt. Doch die Direktbank ING Diba weist darauf hin: Gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase bieten die bereits vorhandenen Geldanlagen oft höhere Zinsen, als das Baudarlehen kostet.

"Halten oder verkaufen?", fragen sich deshalb so manche Häuslebauer, die noch lukrative Anlagen aus vergangenen Jahren im Bestand haben. Die Klärung von drei Fragen hilft bei der Entscheidung:

1. Ist die Finanzierung ohne den Einsatz der Kapitalanlagen realisierbar? Führt der Verzicht auf das zusätzliche Eigenkapital dazu, dass die Ratenbelastung das Haushaltsbudget sprengt oder den Banken das Finanzierungsrisiko zu groß wird, muss der Bauherr die Anlagen auflösen – gleich, wie hoch deren Zins ist. Ansonsten ist der Traum vom Eigenheim erst einmal nicht zu realisieren.

2. Verteuert ein niedrigerer Eigenkapitalanteil die Finanzierung? Je mehr vom Kaufpreis oder den Baukosten per Kredit finanziert werden muss, desto teurer wird die Finanzierung. Denn die Geldgeber lassen sich das höhere Ausfallrisiko per Zinsaufschlag bezahlen. Als Vergleichsbasis sollte deshalb erst einmal ein Zinsangebot mit und eines ohne Einbringung der Anlagebeträge eingeholt werden. Verteuert sich das Darlehen, fordert die Bank also einen höheren Zinssatz fürden kompletten Kredit, dann sind die Mehrkosten bei der Finanzierung meist höher als der Mehrertrag aus den Kapitalanlagen. Dann ist der Einsatz der angesparten Gelder als Eigenkapital ratsam.

Eigenkapital: Vor Verkauf der Anlagen Renditeerwartung analysieren

3. Liegt die Anlagerendite höher als der Effektivzins des Kredits? Nur wenn der Ertrag aus der Geldanlage höher ist als der effektive Finanzierungszins, ist es sinnvoll, daran festzuhalten. Bei sicheren Geldanlagen mit festem Zins geht die Prüfung schnell. Vergleichswert muss allerdings nicht der gezahlte Anlagezinssatz, sondern die Nachsteuerrendite sein. Denn auf den Kapitalertrag werden eventuell noch 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer fällig. Von fünf Prozent Nominalzins bleiben nach Abzug von Abgeltungssteuer und Soli so zum Beispiel nur 3,68 Prozent übrig. Übersteigt die Rendite dennoch den Effektivzins des Darlehens, ist das Festhalten an der Anlage lukrativer als die Reduzierung des Kreditbedarfs.

Bei börsennotierten festverzinslichen Wertpapieren ist dagegen die jeweilige Ablaufrendite, also die Effektivverzinsung für die Restlaufzeit, der richtige Vergleichswert. Sie findet sich bei Anleihen zum Beispiel im Kursteil der Wirtschaftszeitungen. Auch hier sind mögliche Steuerabzüge zu berücksichtigen. Der Blick auf den Nominalzins des Papiers führt dagegen schnell in die Irre, weil auch die beim Verkauf anfallenden Kursgewinne oder -verluste die Rendite beeinflussen. Da der Kurs die Ablaufrendite immer an das aktuelle Zinsniveau für Geldanlagen anpasst und die Bauzinsen regelmäßig etwas höher liegen, ist der Verkauf der Papiere meist die bessere Wahl. Das gilt auch für Risikoanlagen wie Aktien und Aktienfonds. Hier ist die zukünftige Wertentwicklung völlig ungewiss. Die Papiere sollten deshalb veräußert und der Erlös als Eigenkapital eingesetzt werden. Alles andere wäre eine Spekulation auf Kredit – und diese sollte tabu sein, wenn es um die Finanzierung des Eigenheims geht.

Tipp der ING-Diba-Experten: Sind bestehende Geldanlagen nicht kündbar, sollten sie bei Fälligkeit sofort in die Schuldentilgung fließen. Damit dies funktioniert, sollten Bauherren Möglichkeiten zur Sondertilgung vereinbaren oder Teildarlehen abschließen, deren Höhe und Laufzeit so gewählt werden, dass der Kredit bei Fälligkeit der Anlagen komplett getilgt werden kann.

Foto: Postbank