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Mit ETF steigen Anleger preiswert in den Aktienmarkt ein

11.11.09

Wenn Investmentfonds, dann nur ETF (Exchange-traded funds). So lautet das Credo der Verbraucherschützer. Hinter der Abkürzung verbergen sich so genannte Indexfonds. Sie kommen mit sehr geringen Gebühren aus und schlagen viele "normale" Aktienfonds hinsichtlich der Rendite.

"Kosten für aktives Management sind bei Investmentfonds meist rausgeworfenes Geld", sagt Nils Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Wir empfehlen börsengehandelte Indexfonds." Aktive oder passive Verwaltung, diese Grundfrage steht hinter der Aussage. Bei den meisten Fonds sitzt ein Management am Steuer, analysiert Unternehmen, filtert hoffnungsvolle Kandidaten heraus und kauft deren Aktien, wenn sie eine gute Wertentwicklung versprechen. Um den Erfolg ihrer Arbeit zu messen, suchen die Börsenexperten eine Richtschnur. Meist handelt es sich um einen passenden Aktien-Index. Ein Fonds, der Anteile an großen deutschen Unternehmen kauft, orientiert sich zum Beispiel am DAX. Ziel ist, eine Outperformance gegenüber dem DAX zu erreichen. Oder schlicht gesagt, nach Abzug der Gebühren besser zu sein.

Auf diese Weise waren fast alle Fonds aktiv verwaltet, bis 1993 das amerikanische Investmenthaus State Street den ersten börsengehandelten Indexfonds auflegte. Mit diesen ETF gehen Anbieter einen komplett anderen Weg. Sie kaufen einfach mit dem Geld der Anleger alle Aktien, die in einem bestimmten Index enthalten sind. In einem ETF auf den DAX finden sich alle 30 großen deutschen Unternehmen wieder – und zwar mit dem anteiligen Gewicht, das sie auch im tatsächlichen Index haben. Steigt der Index, steigt der ETF – im umgekehrten Fall folgt der Fonds natürlich genauso. Die klassische Arbeit der Analysten entfällt dabei. Das macht das Management viel preiswerter. Während aktiv verwaltete Aktienfonds im Durchschnitt 1,74 Prozent vom Anlegergeld an Gebühren abziehen, sind es bei den passiv gemanagten Indexfonds nur 0,37 Prozent.

Auf Fondsmanager hoffen oder lieber gleich den Index kaufen


Weitere Vorteile zählt Marc Bubeck auf, Pressesprecher bei Ishares, der ETF-Tochter von Barclays Global Investors: "Die Indexfonds vereinen Vorteile der klassischen Investmentfonds und der Aktien. Das Risiko wird breit gestreut, die Anleger erhalten ein diversifiziertes Portfolio. Gleichzeitig sind die Papiere sehr transparent. Erstens richten sie sich streng nach dem Index. Zweitens werden sie selbst an der Börse gehandelt, so dass immer ein Kurs feststeht." Die Käufer haben die freie Wahl in den Regalen der ETF-Anbieter. Mittlerweile lässt das Angebot kaum Wünsche offen. Neben Fonds auf große weltweit ausgerichtete Indizes wie den MSCI World gibt es Länderfonds wie auf einen Index großer türkischer Unternehmen. In bestimmte Branchen wie den Lebensmittel-Index Dow Jones Food and Beverage kann der Anleger ebenso investieren wie in Indizes auf Staatsanleihen, einer ETF-Variante der klassischen Rentenfonds.

Die Gretchenfrage stellt sich natürlich bei der Rendite. Warum fällt Verbraucherschützer Nauhauser so ein hartes Urteil über die aktiv verwalteten Fonds? Eine Antwort gibt die Analyse des Investmenthauses Gecam. "Nur 36 Prozent der in Europa zum Vertrieb zugelassenen Aktienfonds (1.309 von 3.599 Fonds) konnten ihren Vergleichsindex auf Sicht der vergangenen drei Jahre übertreffen", heißt es dort. Warum dann nicht gleich einfach den Index kaufen?

Sasa Perovic, Chef-Analyst bei der Rating-Agentur Scope, kennt beide Fondswelten: "Wenn Sie von einem Fondsmanager erwarten, dass er den Markt schlägt, müssen Sie ihm Zeit geben. Gerade in weniger entwickelten Märkten kann die aktive Verwaltung ihre Stärken jedoch ausspielen, wenn die Manager vor Ort die Unternehmen gut kennen." Außerdem gelingt es immer einigen Fonds, den Index zu schlagen. Und wer sucht, findet auch Zeiten, in denen das sogar die Mehrzahl schaffte. Am Ende steht die Entscheidung, entweder einen konventionellen Fonds zu wählen und zu hoffen, dass er zukünftig zu den besseren gehört, oder lieber gleich den Indexfonds zu wählen.

Indizes bergen Risiken

Scope gab 2009 ein Rating heraus, bei dem die Analysten den ETF genau auf den Zahn fühlten. Denn auch diese Fonds können nicht exakt mit dem Index Schritt halten. Ziel ist, möglichst wenig hinterherzuhinken – den so genannten Tracking Error gering zu halten. Die erste Abweichung kommt durch die eigene Managementgebühr. Daneben schlagen Kapitalertrags- und Zinsabschlagssteuer zu. Beides muss die Fondsgesellschaft an den Fiskus abführen. Im Index werden sie aber nicht berücksichtigt. Drittens, wenn die Unternehmen Dividenden ausschütten, rechnen die Indizes sie am gleichen Tag in die Wertentwicklung ein. Die Fondsgesellschaften erhalten das Geld aber erst mit Verzögerung. Die Scope-Analyse nahm zwei verschiedene ETF-Varianten auf den DAX unter die Lupe. Ihre Rendite wich innerhalb von sechs Monaten um 0,05 beziehungsweise 0,21 Prozent von der tatsächlichen Indexentwicklung ab. (Die zweite Gruppe bildete dabei den deutschen Leitindex nach, indem sie tatsächlich die Aktien kaufte, die erste wich auf besondere Finanzinstrumente, die Swaps, aus.)

Während die ETF-Anbieter bei der Nachbildung insgesamt gute Arbeit leisten, kritisiert Scope die Qualität einiger Indizes. Ein Drittel der Fonds bezieht sich auf kleine Nischenwerte, dann genüge oft die Risikostreuung nicht mehr. In besagtem Lebensmittel-Index von Dow Jones zum Beispiel haben allein Danone und Unilever ein Gewicht von knapp 50 Prozent. So lautet das Fazit der Rating-Agentur: "Nicht jede Markterschließung via Index macht Sinn."

Gibst du mir, dann geb ich dir


Für Diskussionen sorgten die Swaps, die viele Anbieter von ETF nutzen, um den Index passgenau abzubilden. Was nach höherer Börsenmathematik klingt, birgt für Kleinanleger ein faustdicke Überraschung. Wer einen Indexfonds auf den DAX kauft, findet womöglich darin japanische Autofirmen oder amerikanische Pharmariesen wieder. "Fonds sind nicht so flexibel beim Kauf von Wertpapieren wie eine Bank. Deshalb haben wir uns entschieden, für alle ETF Swaps zu verwenden", sagt Thorsten Michalik. Er ist bei der Deutschen Bank für das Indexfonds-Geschäft zuständig, das den Namen db x-trackers trägt.

Ein Swap ist ein Tausch von Zahlungsströmen. Die db x-trackers-Fonds haben beispielsweise einen Korb internationaler Aktienwerte im Portfolio, egal welchen Index sie nachbilden. Für maximal 10 Prozent des Anlagevolumens kauft die ETF-Abteilung zusätzlich einen Swap bei der eigenen Bank. Dafür verspricht der Kontrahent, im speziellen Fall die Deutsche Bank: Wir zahlen an db x-trackers die Wertentwicklung des Index, dafür erhalten wir die Performance des Aktienkorbes. Die Zahlungen werden getauscht, und so erhält der DAX-Indexfonds, in dem eigentlich ganz andere Aktien drin stecken, am Ende die tatsächliche Rendite des DAX.

Die Anbieter konstruieren mittlerweile 60 Prozent der ETF, die Scope untersuchte, auf diese Weise. Bei den übrigen Fonds kaufen die Investmenthäuser tatsächlich die Aktien des Index. Kritiker wenden ein, dass für den Swap ein Ausfallrisiko besteht. Geht die Bank in Konkurs, ist die Absicherung verloren. Da steigen unschöne Erinnerungen an die Lehman-Pleite auf. Doch Sasa Perovic beruhigt: "Der Swap-Anteil liegt derzeit bei drei bis fünf Prozent und darf zehn Prozent nicht übersteigen, so hoch liegt das Risiko im schlimmsten Fall. Verglichen mit dem Aktienmarktrisiko – da gingen die Kurse beim DAX zuletzt am tiefsten Punkt um 53 Prozent zurück verglichen mit 2008 – ist diese Gefahr überschaubar."

Vor Kauf Gebühren vergleichen

Wer als Privatanleger selbst Indexfonds kauft, sollte auf die Gebühren der Banken achten. Bei Sparplänen verlangen die Geldhäuser entweder einen prozentualen Ausgabeaufschlag oder eine feste Gebühr. Liegt die bei 2,50 Euro und spart der Anleger nur 25 Euro monatlich, dann machen die Kosten allein schon 10 Prozent aus. Wer über ein eigenes Aktiendepot verfügt und selbst die Order aufgibt, wird sogar 6 Euro los. Deshalb ist es in vielen Fällen günstiger, die Monatsbeiträge anzusparen und vierteljährlich oder jährlich einen größeren Posten zu kaufen.

Weltweit verfügen derzeit über 1.800 Indexfonds über Kundengelder in Höhe von 940 Milliarden Dollar. Privatanleger haben dazu nur einen kleinen Teil beigesteuert, über 85 Prozent flossen von institutionellen Anlegern wie großen amerikanischen Pensionsfonds. Mit knapp 50 Prozent Marktanteil ist Ishares der Branchenprimus. "Die Finanzkrise hat geholfen. Transparenz und Einfachheit sind gefragt", sagt Ishares-Sprecher Bubeck. "Wer sich selbst um seine Geldanlage kümmert und nicht auf die Betreuung durch Berater zurückgreift, der hat oft eine hohe Affinität zu Indexfonds."

Genau aus diesem Grund sieht Scope-Analyst Perovic auf mittlere Sicht die aktiv verwalteten Fonds wieder stärker im Fokus. Wenn viele Anleger, die angesichts der Finanzkrise noch zurückschrecken, in den Markt einsteigen, gewinnen sie Anteile zurück. Denn dann sind Vermittler stärker im Spiel und die verkaufen einfach eher einen Fonds, bei dem sie auch etwas verdienen. Auf diesem Gebiet haben Indexfonds, die keine Provisionen ausschütten, schlechte Karten. Dennoch betont Perovic, dass sowohl passive als auch aktive Anlageformen ihre Berechtigung haben und das Portfolio durch die jeweiligen Stärken sinnvoll ergänzen können. Die Aussicht auf schwankende Marktanteile macht dem Deutsche-Bank-Mann Michalik keine Sorge. "Aktiv gemanagte Fonds zählen zu den größten Kunden bei uns, sie legen sich unsere Produkte ins Portfolio. Und die gut informierten Privatanleger werden weiter die Chance nutzen, mit den passiven Produkten selbst aktiv nach den gewinnbringenden Märkten zu suchen."

 

Von Toralf Richter