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Nur mit Police auf die Piste

5.01.09

Jährlich passieren in Deutschland Zehntausende Skiunfälle. Ohne Versicherungsschutz kann ein Unfall leicht in den finanziellen Ruin führen.

Genüsslich schwingen die Skifahrer die weitläufige Riesneralm bei Donnersbachwald in der österreichischen Steiermark herab. Die Sicht ist klar, der Schnee schimmert. Die Bergwelt präsentiert sich idyllisch wie eh und je, doch dann passiert es: Als Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus an Neujahr eine steile Abfahrt auf eine Pistenkreuzung nimmt, kollidiert er mit einer Skilangläuferin. Der Wucht des Aufpralls ist so heftig, dass die Frau kurz darauf ihren Verletzungen erliegt. Der CDU-Politiker überlebt schwerverletzt – und das vermutlich nur, weil er einen Helm trug.

Insgesamt tummeln sich auf Deutschlands Pisten jährlich 4,2 Millionen Skifahrer, darunter seit den letzten Jahren vermehrt Race-Carver, Freestyle- und Freeride-Aktivisten. Dass es bei so viel Betrieb auf den Schneehängen immer wieder zu mehr oder weniger schweren Unfälle kommt, ist zu vermuten. Für den Winter 2006/2007 zählte die Auswertungsstelle für Skiunfälle, die im Auftrag des Deutschen Skiverbandes (DSV) und der ARAG-Sportversicherung die Unglücke dokumentiert, 45.000 Skiunfälle.

Im Vergleich zum Beginn der 80er Jahre ist das Unfallrisiko um die Hälfte gesunken. Statt drei verletzen sich jetzt nur noch 1,5 von tausend Personen. "Skier und Bindungen sind viel stabiler und auch der Sporthandel besser geschult", sagt DSV-Sicherheitsexperte Andreas König gegenüber Aspect Online. "Außerdem sind die Pisten besser präpariert und haben weniger Bodenwellen."

 

Helm kann Leben retten

 

Hinzu komme, dass immer mehr Skifahrer einen Helm aufsetzten und andere Protektoren (z.B. für Rücken oder Schienbein) benutzen. Laut DSV betrug der Anteil der Helmträger im alpinen Skisport in der Saison 2006/2007 bei Erwachsenen rund 27 Prozent und bei Kindern immerhin über 55 Prozent.

Denn wenn es zu einem Skiunfall kommt, hat der nicht selten gravierende Folgen. Verletzungen an Kopf (rund zehn Prozent aller Skiunfall-Verletzungen) oder im Rumpfbereich (17 Prozent) sind auf dem eisigen Untergrund brandgefährlich. Dann zählt jede Minute. "Unsere Erfahrung ist, dass Kälte, dünnere Bergluft und die ungünstige Lage auf der Piste bei vielen Verletzten zusätzlich Kreislaufprobleme erzeugen", so König. Viele müssten daher mit dem Hubschrauber nach der Erstbehandlung durch die Bergwacht so rasch wie möglich ins Krankenhaus gebracht werden.

Eine Hubschrauberbergung kann bis zu 5.000 Euro kosten und ist damit weit teurer als ein Einsatz mit Akja-Rettungsschlitten (bis 400 Euro) und Krankenwagen (bis 800 Euro). Passiert der Unfall in Deutschland oder in Ländern, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten – außer, jemand verirrt sich aus eigener Schuld mit seinen Skiern in einem hochalpinen Gelände und muss mit einer Winde vom Hubschrauber geborgen werden.

 

Ohne Versicherungsschutz kann es kritisch werden

 

"Für Skifahrer sind einige Versicherungen sehr wichtig", betont Skisport-Experte König. Eine Auslandsreisekrankenversicherung übernimmt etwa die Kosten für einen eventuell notwendigen Rücktransport ins Heimatland (das machen die gesetzlichen Kassen generell nicht). Eine private Haftpflichtversicherung sollte man ohnehin sein Eigen nennen und nicht nur für Skitouren abschließen. Auch eine Rechtsschutzversicherung kann sich für passionierte Wintersportler im Hinblick auf mögliche juristische Auseinandersetzungen nach einem Pisten-Crash bezahlt machen.


Zusätzlich ist es ratsam, eine Unfallversicherung abzuschließen. "Sollten bleibende Schäden wie eine Kniegelenkversteifung entstehen, ist man finanziell gut abgesichert", sagt Beate Weiße von der Abteilung Unfallversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), zumal bei schweren Verletzungen meist eine lebenslange Unfallrente hinzukomme. Und die Versicherung zahlt grundsätzlich unabhängig davon, ob man selbst Schuld hat am Unfall oder nicht – es sei denn, Alkohol war im Spiel.

Der Bund der Versicherten empfiehlt bei Abschluss einer Unfallversicherung die Vereinbarung einer hohen Versicherungssumme für den Invaliditätsfall. Junge Leute und Hausfrauen sollten sich demnach mit mindestens 200.000 Euro versichern, möglichst mit "Progression". Damit steigen die Versicherungsleistungen bei höheren Invaliditätsgraden progressiv an, in der Regel ab 25 Prozent Invalidität bis zu 225 Prozent (bei 100 Prozent Unfallinvalidität). Wer also 200.000 Euro Invaliditäts-Grundsumme versichert hat und durch einen Unfall zum Vollinvaliden wird, würde dann 450.000 Euro bekommen (was einer monatlichen Rente von rund immerhin 2.500 Euro entsprechen würde).

 

Tipps für mehr Sicherheit

 

Natürlich sollte man es gar nicht erst zu Unfällen kommen lassen, denn viele von ihnen sind durchaus vermeidbar. Der DSV gibt folgende Tipps für mehr Sicherheit und Spaß beim Skifahren:

  • Jeder Skifahrer sollte konditionell fit sein
  • Den Wetterverhältnissen angepasste Kleidung ist unerlässlich, um Unterkühlungen zu vermeiden. Die technische Ausstattung, vor allem Schuhe und Bindung, müssen neuesten Sicherheitsvorschriften entsprechen.
  • Nach längeren Abfahrten Erholungspausen machen und die Fahrzeiten, insbesondere in den ersten Tagen, nicht zu lange ausdehnen. Unfälle ereignen sich überwiegend bei Ermüdung und am späten Nachmittag.
  • Bei Herzschmerzen, Schwindel, Atemnot und anderen Beschwerden anhalten und den Arzt aufsuchen. Vorsichtiges und umsichtiges Fahren vermeidet Unfälle.
  • Lawinensperrgebiete nie durchfahren.
  • Vor und während des Skilaufens keinen Alkohol trinken.
  • Menschen mit Risikofaktoren wie erhöhtem Blutdruck, Diabetes, Herzproblemen und bei Einnahme von Medikamenten sowie Kinder und Jugendliche mit Übergewicht dürfen meistens auch Skilaufen, sollten vor dem Skilaufen aber den Rat ihres Arztes einholen.