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Pflegeversicherung

Raffelhüschen: Karenzmodell bei Pflegeversicherung einführen

3.05.11

Um die Kosten zu deckeln, soll es im ersten Jahr der Pflegebedürftigkeit keine Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung geben. Stattdessen müssten wir alle in eine private Vorsorge einzahlen.

Leichtere Pflegefälle sollen in den ersten ein, zwei oder drei Jahren kein Geld aus der sozialen Pflegeversicherung mehr erhalten. Dieser Plan würde die Pflegekassen entlasten und langfristig für Beitragsstabilität sorgen. Schon bei einer einjährigen Karenzzeit könnten die Beitragssätze bis 2029 konstant bleiben. Bei zwei- oder dreijähriger Karenzzeit blieben die Beitragssätze bis 2046 bzw. 2070 gleich. Das Modell stammt vom Freiburger Professor für Finanzwissenschaft Bernd Raffelhüschen. Der Renten-Experte präsentierte es im Rahmen einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), das unter anderem von der Deutschen Bank betrieben wird.

Die Kostensteigerung bei der Pflege wird dadurch nicht beseitigt. Doch die Lösung, die Raffelhüschen empfiehlt, ist seiner Meinung nach als einzige nachhaltig, Generationen übergreifend gerecht und politisch durchsetzbar. Er schlägt eine zusätzliche private Pflegeversicherung vor, die kapitalgedeckt ist und von den Versicherern angeboten werden könnte. Alle Pflegeversicherten müssten einen solchen Vertrag abschließen. Damit das Modell sozial ausgewogen ist, soll es eine Überforderungsklausel geben. Wer bereits auf anderem Wege für die Pflege vorsorgt, dürfe sich von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Anfangs knapp 25 Euro für alle

Ansatzpunkt ist, dass ein Drittel der Männer und etwa 20 Prozent der Frauen im ersten Jahr der Pflegebedürftigkeit bereits sterben. Die gesetzliche Pflegeversicherung müsste für sie keine Leistungen mehr erbringen. Doch immerhin mehr als zehn Prozent der Senioren leben zehn Jahre und länger in der Pflege. Ausgaben, die dabei auf die Betroffenen zukommen, müssen weiter abgesichert werden.

Der Risikobeitrag für die private Pflegezusatzversicherung sollte am Anfang zwischen den Generationen aufgeteilt werden. Während ein 20-jähriger aktuell eigentlich etwa zehn Euro im Monat zahlen müsste und ein Rentner bis zu 75 Euro, könnte ein einheitlicher Beitrag anfangs unter 25 Euro liegen. Dieser Beitrag könnte mit der Zeit für die Jüngeren auf zehn Euro sinken, weil die Jahrgänge, die selbst nicht langfristig vorgesorgt haben, mit der Zeit versterben.

Ohne Reform gibt's nur noch die Hälfte


Raffelhüschen geht davon aus, dass die anderen Vorschläge zu einer Reform der Pflegeversicherung nicht tragfähig sind. Tut man nichts, steigt der Beitragssatz auf fünf Prozent im Jahr 2060. Eine Bürgerversicherung, die auch andere Einkommensarten einbezieht, bringt nur kleinere Einsparungen (Beitragssatz 4,7 Prozent). Diskutiert wird auch ein Einfriermodell, bei dem der Beitragssatz zwar konstant bleibt, die Leistungen aber sinken. Dann würden Pflegefälle im Jahr 2060 nur noch rund die Hälfte des heutigen Leistungsniveaus erhalten. Selbst die aktuellen Zahlungen für die Pflegestufen reichen bei Weitem nicht, um alle Kosten zu decken.

55 Prozent der aktuellen Ausgaben ließen sich sparen, wenn Pflegebedürftige erst ab Pflegestufe 2 Leistungen aus der Versicherung erhalten. Durchsetzbar dürfte der Vorschlag nicht sein, zumal ein Teil der Leistungen dann über andere Sozialtransfers an die Bedürftigen fließen müsste.