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Rendite schaffen ohne Waffen

16.09.09

Nachhaltigkeitsfonds verbinden gute Rendite und saubere Geldanlage. Sie verbannen Rüstungsunternehmen und Umweltsünder aus dem Depot.

Spiel, Satz und Sieg für Adidas. Als die Fondsgesellschaft Sarasin im vergangenen Jahr ihre Nachhaltigkeitsstudie zum Sportartikelmarkt aktualisierte, lag der deutsche Ausrüster vorn. Die Analysten untersuchten dabei, wie die Hersteller bei sich selbst und bei den Zulieferern auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards achteten. Schließlich soll in dem Sportschuh keine Kinderarbeit stecken.

 

Nachhaltige Geldanlage bedeutet, nur in solche Unternehmen zu investieren, die mit ihrer Wirtschaftweise keinen Raubbau an der Zukunft betreiben oder die Folgen zumindest einschränken. Einige Branchen – wie Waffenproduzenten – werden dann konsequent aus den Portfolios ausgeschlossen. In anderen schauen die Fondsgesellschaften genau hin. So auch bei den Sportartikelherstellern. Werden chemische Zeitbomben in den Turnschuhen oder Bällen verarbeitet oder bemühen sich die Firmen um den Einsatz ökologisch wertvoller Ausgangstoffe wie zum Beispiel Bio-Baumwolle? Wie nachhaltig sind die Produkte der Branche überhaupt? Wo und unter welchen Arbeitsverhältnissen produzieren die Firmen?

 

Heute Nische, morgen Trend

 

Bei Sarasin finden sich alle Unternehmen in einer Matrix wieder. Erhalten sie genügend Punkte, dürfen die Manager der nachhaltig verwalteten Fonds in sie investieren. Die übrigen fallen heraus. Das traf in der Sportartikelbranche übrigens einige Luxuslabels wie Hermes oder Bulgari. Sie werden im Edelsegment von Nichtregierungsorganisationen aufs Korn genommen, weil sie beim Tierschutz Defizite haben und beim Handel mit Gold und Diamanten von zweifelhaften Regimes abhängen.

 

Seit etwa 10 Jahren legen die Fondsgesellschaften verstärkt Nachhaltigkeitsfonds auf, die nach solchen Kriterien investieren. Sie tragen Namen wie Sustainability oder Ethikfonds, mehrheitlich gehören sie zu den Aktienfonds, doch Rentenfonds und seit Jüngstem auch Immobilienfonds finden sich ebenfalls darunter. Ethisch verantwortliche Geldanlage ist noch relativ klein, doch sie gewinnt Marktanteile. "Diese Form des Investments bleibt nicht in der Nische, sie hat vielmehr das Potenzial zum Megatrend", sagt Benedikt Gratzl, Pressesprecher bei Sarasin. "Ich sehe die Möglichkeit, dass Nachhaltigkeit einmal zum Mainstream wird."

 

Die Fonds investieren zwar häufig in die Öko-Branchen wie Windkraft und Solarstrom, weil diese die Nachhaltigkeitshürden relativ einfach überspringen. Doch das Anlagespektrum ist über sehr viele Branchen verstreut. Gerade weil es sich nicht um speziell ausgerichtete Öko-Fonds handelt, ist Benedikt Gratzl überzeugt, dass sie sich sehr gut als Basis für das private Depot eignen – für alle, die Rendite mit Verantwortung verbinden. Auf die Unternehmenszahlen achten die Analysten natürlich wie in jedem Fonds. Schließlich arbeitet ein Unternehmen, das zwar seinen Energieverbrauch senkt, aber währenddessen Pleite geht, ebenso wenig nachhaltig.

 

Sehenswerter Anlageerfolg

 

Das Sustainable Business Institute (SBI) aus dem hessischen Oestrich-Winkel listet aktuell über 200 nachhaltig verwaltete Publikumsfonds auf – ohne reine Öko-Fonds –, in denen über 12 Milliarden Euro Anlegergelder stecken. Von der Krise wurden sie nicht verschont. Doch in diesem Jahr legten sie wieder eine beeindruckende Performance hin. Wie eine Auswertung des SBI zeigt, steigerten die Spitzenreiter bei den Aktien ihren Anteilswert um über 50 Prozent von Jahresanfang bis zum Juli, bei den Dachfonds um über 14 Prozent und bei den Mischfonds um über 6 Prozent. Dabei weisen die Nachhaltigkeitsfonds eine breite Streuung auf, in allen Anlagenklassen gab es auch Manager, die Verluste einfuhren.

 

Dass nachhaltiges Investment dem Anleger viel Freude bereitet, zeigt der Natur-Aktien-Index (NAI) des Finanzdienstleisters Securvita. 1997 startete er mit 1.000 Punkten, aktuell liegt er über 5.000. „Wir treten den Nachweis an: Unternehmen, die nach ökologischen und sozialen Maßgaben wirtschaften, sind mindestens genauso erfolgreich wie konventionelle Unternehmen“, sagt Geschäftsführer Thomas Martens.

 

Der NAI vereint 30 Unternehmen, die ein Ausschuss nach strengen Kriterien auswählt. Als der Bekleidungshersteller Timberland vor einigen Jahren seine Produktion aus den USA nach Puerto Rico und in die Dominkanische Republik verlagert hatte und die Sozialstandards nicht mehr garantieren konnte, flog er aus dem Index.

 

Anlagekriterien zwischen Purismus und Pragmatismus

 

Aufbauend auf dem NAI, legte Securvita den Fonds Green Effects auf, der ausschließlich Anteile der im Index vertretenen Firmen kauft. Einen Autohersteller kann sich Thomas Martens derzeit nicht im Portfolio vorstellen. Lange Zeit schloss auch Sarasin die Branche aus dem Anlagespektrum aus. Das änderte sich vor einigen Jahren. Das aktuelle Nachhaltigkeitsrating führt mit Toyota und Peugeot zwei Hersteller auf, die für einen Kauf in Frage kommen. Sie hätten bei umwelt-effizienten Technologien die Nase vorn, so die Analysten. Alle anderen Konkurrenten bleiben vorerst draußen.

 

Autos raus oder rein? Am Ende muss jeder ökologisch bewusste Anleger die Richtlinien der Fondsgesellschaften prüfen und für sich entscheiden, wie streng er selbst die Kriterien setzt. Grundsätzlich unterscheidet die Nachhaltigkeitsbranche drei Herangehensweisen. Ursprünglich legten die Investmenthäuser unterschiedliche Ausschlüsse fest. Beim NAI sind sie besonders rigide. Rüstung, Atomkraft, Gentechnik, Kinderarbeit, Tabak haben nichts im Portfolio verloren, ebenso scheiden Branchen, die umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe herstellen, oder Unternehmen, die ihre Schadstoffemissionen nicht transparent machen, aus.

 

Eine andere Auswahl wird beim so genannten Best-in-Class-Ansatz getroffen. Hier suchen die Anlagemanager nach solchen Unternehmen, die innerhalb einer Branche am meisten für Umweltschutz, Energieeffizienz oder Mitarbeiterrechte tun. Dann kann sich ein Autohersteller im Depot wiederfinden. Der dritte Weg ist die Suche nach Pionier-Unternehmen, die ökologisch besonders innovative Produkte entwickeln. In der Praxis kommt meist eine Mischung aus den verschiedenen Auswahlverfahren vor.

 

Vielleicht kommt ein Umdenken

 

Zu eng formulierte Ausschlusskriterien würden das Anlageuniversum zu weit beschränken, lautet Kritik an den Fonds. Dem widerspricht Bernhard Engl, Nachhaltigkeitsexperte bei Swisscanto, dem Investmentunternehmen der Schweizer Kantonalbanken: "Die vernünftigen Begrenzungen der Geldanlage haben keine Auswirkungen auf die ordentliche Diversifizierung."

 

Unternehmen stellen sich natürlich auf eine verstärkte Nachfrage ein. Mancher Firmenchef könnte geneigt sein, etwas Green-Washing zu betreiben - also einige Öko-Projekte werbewirksam anzuschieben -, um in die ökologisch und ethisch verwalteten Fonds hineinzukommen. Hier sieht Bernhard Engl die Analysten der Fondsgesellschaften und ihre Beiräte gefordert: "Sie müssen herausfinden, ob es bei plakativen Ankündigungen bleibt, oder ob sich die Unternehmenskultur ändert." In einigen Bereichen spürt er sogar ein Umdenken. Früher traten vor allem die Finanzhäuser an die Firmen heran wegen der Nachhaltigkeitsanalyse. Mittlerweile nehmen einige schon den umgekehrten Weg und fragen nach, wo sie im Ranking stehen.

 

Von Toralf Richter