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Altersvorsorge

Rentensystem: Deutschland bei Zukunftsfähigkeit im Mittelfeld

22.12.09

Die Kapitaldeckung staatlicher Systeme für die Altersvorsorge ist Risiken am Kapitalmarkt ausgesetzt. Trotzdem sind Länder, bei denen diese Finanzierungsform eine wichtige Säule bildet, vielfach besser für die Zukunft gerüstet.

Australien gilt nicht nur als Sehnsuchtsland deutscher Weltenbummler, auch Ruheständler aller Länder dürften ihre Altersgenossen in Down-Under beneiden. Das dortige System der Altersvorsorge ist am besten vorbereitet für die Herausforderungen der Zukunft. Allianz Global Investors, die Fondsgesellschaft der Allianz unterzog die Rentensysteme von 37 Ländern einem Test. Die Analysten berücksichtigten dabei die zunehmende Alterung der Gesellschaft, die Situation der Staatsfinanzen und die Ausgestaltung der Rentensysteme. Es kam ein "Pensions Sustainability Index" heraus, der eine Note vergibt, wie dringend die einzelnen Länder Reformen angehen müssen.

 

Am besten stehen Australien, gefolgt von Schweden, Hongkong und Dänemark da – sämtlich Länder, deren Altersvorsorgesysteme auch eine kapitalgedeckte Säule beinhalten. Viel zu tun gibt es in den asiatischen Ländern. China und Indien müssen ihre Rentensysteme überhaupt erst auf solide Füße stellen. Die Mehrzahl der Menschen in diesen Staaten nimmt bisher noch gar nicht an der Altersvorsorge teil. In Indien sind es nur zwölf Prozent. Deutschland belegt einen Platz im Mittelfeld. Negativ wirkte sich aus, dass die Regierung das Rentenniveau vom Lohnniveau abgekoppelt hat.

 

Umlagefinanzierung allein hilft nicht

 

Einige zentrale Faktoren, die Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Rentensysteme nehmen, wirken in so verschiedenen Ländern wie den hochentwickelten Industriestaaten und den Schwellenländern. Deshalb könne auch länderübergreifend ein Index erstellt werden, wie dringlich Reformen seien. Brigitte Miksa, bei AllianzGI für weltweite Pensionssysteme verantwortlich, sagt dazu: "Die tatsächlichen Reformfortschritte der einzelnen Länder sind deutlich unterschiedlich ausgeprägt."

 

Gut positioniert sind Länder, deren Altersvorsorgesysteme eine kapitalgedeckte Komponente beinhalten – das heißt, eine betriebliche Altersvorsorge, die Vermögen ansammelt und Erträge erzeugt, die den Teilnehmern im Ruhestand zur Verfügung stehen – und die ihre Reformen frühzeitig begonnen haben, wie zum Beispiel Australien, Schweden und Hongkong. Für Deutschland wirkte sich die schrittweise Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre bis 2029 positiv aus. Die Lockerung der Rentenanpassung durch die 2009 beschlossene Rentengarantie (durch die eine Minderung des Rentenwertes aufgrund einer negativen Lohnentwicklung ausgeschlossen ist) war hingegen aus Reformsicht ein Rückschlag.

 

Die Welt wird älter

 

Der demografische Wandel gilt als wichtigster Anlass für Rentenreformen. Dabei spielt die steigende Lebenserwartung weltweit eine Rolle, auch in Ländern, die das "alte" Europa noch gar nicht mit Alterung in Verbindung bringt. In Asien wuchs die Lebenserwartung seit 1950 um 27 Jahre (von 41 auf 68), Europa kam im gleichen Zeitraum auf eine Differenz von neun Jahren. Die Geburtenrate sank auf dem größten Kontinent um 60 Prozent. Heute bringt eine Frau im Durchschnitt noch 2,4 Kinder zur Welt. Europa muss dagegen demnächst eine Generation von Baby-Boomern als Pensionäre versorgen.

 

Die jüngste Finanzkrise verschob die Rangfolge der Länder im Index. Wenn die genauen Auswirkungen auch noch nicht feststehen, so ist doch klar: Staatliche Defizite und Schuldenstände werden sich ausweiten – was die Reform der Rentensysteme noch dringlicher macht. In der Krise wurde deutlich, dass die Kapitaldeckung von Rentensystemen Risiken ausgesetzt ist, denn alle Länder hatten Wertverluste zu verkraften. Langfristig wirkt sich der Einfluss dieser Risiken auf die Nachhaltigkeit von Rentensystemen weniger stark aus als der einer alternden Gesellschaft.

 

Brigitte Miksa fügt hinzu: "Alle im Index relevanten Einflussfaktoren verdeutlichen die Notwendigkeit, das Risiko zu verteilen und kapitalgedeckte Elemente in nationalen Rentensystemen zu stärken. Um die Rentenrisiken abzufedern, sollten Staaten alle drei Säulen (öffentliche Vorsorgesysteme, Unternehmenspensionen und private Vorsorge) einbeziehen." Den richtigen Mix zu finden, sei nicht einfach: Umlagefinanzierte Systeme beispielsweise unterliegen in höherem Maße demografischen Risiken, während kapitalgedeckte Systeme eher der Volatilität der Kapitalmärkte ausgesetzt sind.