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Riester-Rente

Riester-Rente: Experten bestätigen Attraktivität

15.04.10

Auf der Frühjahrstagung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft brachen mehrere Wissenschaftler eine Lanze für die Riester-Rente. Gegen Kritik in der Zeitschrift "Öko-Test" wenden sich auch einige Versicherer.

Können 13 Millionen irren? So viele Verbraucher haben nämlich bisher eine Riester-Rente abgeschlossen. An den Kosten die Versicherungsprodukte wird gelegentlich Kritik laut, weil sie diese Form der Altervorsorge angeblich unrentabel machen – trotz der staatlichen Förderung. Dass die 13 Millionen Riester-Sparer nicht irren, sollen Zahlen beweisen, die Wissenschaftler und Versicherungsexperten auf der Frühjahrskonferenz der deutschen Versicherungswirtschaft vorlegten.

Den Erfolg von Riester hinsichtlich der Vertragszahlen bestätigt die Altersvorsorgeexpertin des MEA-Instituts der Universität Mannheim, Anette Reil-Held. "In den letzten Jahren ist das Wachstum in den unteren Einkommensgruppen am höchsten gewesen. Damit ist die Riester-Rente für Haushalte, die über wenig Finanzvermögen verfügen, erkennbar ein wichtiges Altersvorsorgeinstrument." Am höchsten ist die Verbreitung bei kinderreichen Haushalten. Zudem sorgen immer mehr jüngere Menschen mit einer Riester-Rente schon frühzeitig für eine spätere Zusatzrente vor.

Dass die Riester-Förderung genau bei jenen Einkommensgruppen ankommt, von denen sie besonders benötigt wird, bestätigen auch Zahlen der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA): Mehr als 70 Prozent der Zulagenempfänger verfügen über ein Einkommen von bis zu 30.000 Euro und liegen damit unter dem aktuellen Durchschnittseinkommen.

Steuerexperte: "Riester mit Abstand am attraktivsten"


Zur staatlichen Förderung gehört neben der Zahlung der Grundzulage in Höhe von maximal 154 Euro und der Kinderzulage von 185 Euro (für ab 2008 Geborene 300 Euro) auch die Möglichkeit, Beiträge als Sonderausgaben bei der Steuererklärung geltend zu machen. Der gesamte Förderanteil beträgt bei einer Familie mit zwei Kindern bei einem Einkommen von 30.000 Euro 57 Prozent. "Wer nur die Grundzulage zur Berechnung der Förderquote einbezieht, ohne auch die zusätzlichen Steuervorteile zu berücksichtigen, muss zwangsläufig zu einem Fehlurteil über die Rentabilität der Riester-Rente kommen", gibt Dirk Kiesewetter, der an der Universität Magdeburg den Lehrstuhl für betriebswirtschaftliche Steuerlehre innehat, auf der Frühjahrsveranstaltung des GDV zu bedenken. "Im direkten Vergleich mit alternativen Sparformen zeigt sich, dass die Riester-Rente steuerlich die mit Abstand attraktivste Variante der privaten Altersvorsorge ist. Vergleichbar attraktiv sind nur noch betriebliche Altersversorgungsformen", so Dirk Kiesewetter.

Bei der Auswahl eines passenden Altersvorsorgeproduktes sollte nicht nur die Höhe der erwarteten Verzinsung eine Rolle spielen. "Wer nur eine möglichst hohe Rendite im Blick hat, muss sich bewusst sein, dass höhere Renditechancen auch immer höhere Verlustrisiken bedeuten. Das ist eine Grundregel für jede Anlageform", gibt Versicherungsexperte und Aktuar Jürgen Bierbaum zu bedenken. Gerade für Menschen mit geringem Einkommen, die nur mit kleinen Sparbeiträgen privat für ihr Alter vorsorgen können, ist es aber wichtig, dass ihre zukünftige Rente möglichst sicher ist. "Für alle, die bei ihrer Altersvorsorge kein Risiko eingehen können, gleichzeitig aber eine attraktive Rendite erzielen wollen, kommt daher vor allem die klassische Riester-Rentenversicherung infrage", sagt Jürgen Bierbaum.

Verbandschef sieht langfristig Kostenvorteile für Riester-Versicherungen


Der häufigen Kritik an der Kostenbelastung von Riester-Verträgen entgegnet GDV-Geschäftsführer Peter Schwark mit dem Argument, "dass man bei Kostenvergleichen immer die gesamte Vertragslaufzeit beachten sollte. Klassische Riester-Rentenversicherungen weisen über die gesamte Ansparphase in der Regel die geringste Renditebelastung durch Kosten auf. Da Altersvorsorge ein langfristiger Prozess ist, spielen Versicherer den Vorteil ihres für lange Laufzeiten optimierten Kostensystems voll aus. Dieser Vorteil wird noch deutlicher, wenn die sehr niedrige Kostenbelastung in der Rentenphase mit einbezogen wird."

Die Diskussion hatte zuletzt Öko-Test neu entfacht mit dem Test der Riester-Rente im Januar-Heft. Die Zeitschrift bescheinigte den Versicherern schlechte Renditen. Ein zu großer Anteil der staatlichen Förderung würde nicht bei den Versicherten landen, sondern als Provision bei den Versicherern und Vermittlern, kritisierten die Tester mit Blick auf Aussagen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Außerdem seien die Riester-Tarife zu teuer, das heißt die Verwaltungskosten lägen höher als in normalen Rentenversicherungen. Das führt nach Berechnungen der Verbraucher-Zeitschrift zu einer um 0,20 bis 0,24 Prozent niedrigeren Rendite pro Jahr (hochgerechnet für verschiedene Modellfälle).

Öko-Test kritisiert - Versicherer machen Gegenrechnung auf

Gegen solche Urteile wehrt sich die Alte Leipziger Versicherung. Anhand einer Beispielrechnung schlüsselt Pressesprecherin Gesa Adolphs die Zahlen auf: Etwa vier Prozent Rendite erreicht eine Frau, die ihre Rente bis zum 94. Lebensjahr bezieht. Das Beispiel ist kalkuliert für heute 35-jährige Versicherungsnehmer. Sterben einige Rentner früher, als es die Versicherer in ihren Prognosen vorhersagen, entstehen so genannte Risikogewinne und der Wert steigt noch. Außerdem geht die Hochrechnung von den aktuellen Überschusswerten (Gewinnen aus der Kapitalanlage) aus, die im langjährigen Vergleich sehr niedrig liegen.

Wer nicht so lange lebt, erhält die Rente nur kürzere Zeit und die Rendite sinkt. Im Minus landet allerdings niemand, wenn er eine Rentengarantiezeit von 10 Jahren abschließt. Der Kunde kommt dann auf eine Rendite von 0,6 Prozent, wenn man den garantierten Zins und die jährlich neu festgelegten laufenden Überschüsse zusammenzählt.

Dass sich die höheren Kosten bei der Riester-Rente spürbar in der Rendite niederschlagen, lässt ein Vergleich mit "normalen" Rentenversicherungen nicht erkennen. Das Rechenbeispiel der Alten Leipziger zeigt: Bei den normalen Tarifen erhält ein Mann immer mehr Rente als eine Frau. Das liegt an der höheren Lebenserwartung der Frauen. Ihr Kapital muss schließlich länger reichen. Der Riester-Vertrag liegt immer etwa in der Mitte. Als Unisex-Tarif stellt er eine Mischkalkulation dar. Genau dieses Bild war nach Aussagen der Alten Leipziger zu erwarten und es ist kein Ausweis für einen Renditeverlust.

Öko-Test rechnete selbst bei durchschnittlicher Lebenserwartung an mehreren Stellen sehr mickrige Renditen von knapp über null Prozent für die Riester-Rente aus, das heißt Sparer bekommen rechnerisch gerade so viel heraus, wie sie einzahlen. Dabei kalkulierten die Tester aber nur mit dem garantierten Zins auf das Sparguthaben, der aktuell bei 2,25 Prozent liegt. Das ist das Szenario für den schlimmsten Fall, auch in der Zeitschrift steht dabei der Hinweis, dass es daneben immer noch weitere Überschüsse aus der Kapitalanlage gibt. Trotzdem findet die Asstel-Versicherung die "Fokussierung des Tests auf numerisch bezifferte 'Garantierenditen' nicht gerechtfertigt." Mit der Annahme, es könnten tatsächlich in einer so langen Zeit nie Überschüsse erwirtschaftet werden, entsteht ein falsches Bild. "Leser-Vergleiche etwa mit Banksparplänen müssen dann in die Irre führen."

tr