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Riester-Rente: Wenn Aktienfonds sicher sein müssen
15.05.09Aktienfonds und Kapitalgarantie passen eigentlich zusammen wie Hund und Katze. Bei der Riester-Rente müssen die Versicherungen und Fondsgesellschaften genau diesen Widerspruch lösen – mit Wertsicherungsstrategien.
Erst gab es Lob, dann eine Watsche – beides für die gleiche Sache. Die Riester-Rente der Fondsgesellschaft Union Investment heimste jahrelang Lorbeeren von Verbraucherschützern ein für die gute Performance. Kaum ein anderer Riester-Fondssparplan setzt so konsequent auf die Aktienmärkte. Mit der guten Stimmung war es schlagartig vorbei, als im vergangenen Jahr der Marktführer bei den Riester-Fondssparplänen etwa 20 Prozent seiner 1,7 Millionen Fondssparpläne von Aktien- in Rentenfonds umschichtete. In Medienberichten hagelte es Kritik, weil die Kundengelder erst den Einbruch an den Aktienmärkten mitgenommen hatten und nun in renditeschwächeren Rentenpapieren verharrten.
Gesetzgeber verlangt Sicherheit
Dabei hatte Union Investment nur konsequent die eigene – und niemals verheimlichte – Strategie umgesetzt, mit der Verluste beim Riester-Fondsparplan verhindert werden sollen. Es bleibt halt ein Dilemma zwischen Rendite und Sicherheit. Wenn Fondsgesellschaften einen Riester-Sparplan auflegen oder wenn Lebensversicherungen eine fondsgebundene Riester-Rente anbieten, wollen sie einerseits ihre Kunden von den höheren Renditechancen der Aktienmärkte profitieren lassen.
Andererseits verpflichtet sie der Gesetzgeber zu einer Kapitalgarantie. Das heißt, mindestens die eingezahlten Beiträge inklusive der staatlichen Förderung müssen zu Rentenbeginn als Guthaben zur Verfügung stehen. Die Bankprodukte und konventionellen Versicherungen unter den Riester-Tarifen haben damit kein Problem. Bei Fondsprodukten sieht es anders aus, weil Aktien nicht nur eine Richtung – nämlich nach oben – kennen.
Um diesen Widerspruch zu lösen, bauen alle Anbieter auf ein Prinzip. Sie nutzen sichere Rentenfonds, vorzugsweise mit Anleihen von Schuldnern besonders hoher Bonität – wie Staatsanleihen der Bundesrepublik –, um die Kapitalgarantie zu sichern. Weil Rentenfonds auf lange Sicht kaum mehr als vier oder fünf Prozent bringen, lässt sich damit kein Renditeturbo zünden.
Dafür wiederum sollen Aktienfonds sorgen. Die sind aber schwankungsanfällig wie ein Oktoberfest-Besucher. Folglich darf die Anlage in Aktien immer nur so hoch sein oder so lange dauern, dass im schlimmsten Fall bei einem Börsencrash die Rentenpapiere zumindest die Garantie sichern. Die Verfahren der Fondsgesellschaften und Versicherungen, um diese Methode umzusetzen, sind dabei sehr unterschiedlich.
Die reine Aktien-Strategie
Bei Union Investment fließen anfangs alle Gelder in den Aktienfonds Uni Global. „Monatlich prüft ein Wertsicherungsmechanismus die Depots. Stehen sie im Minus, entscheiden komplexe Formeln darüber, ob und wie Anteile in den Rentenfonds Uni EuroRenta umgeschichtet werden“, erläutert Markus Temme, Pressesprecher bei Union Investment. Wenn reagiert werden muss, gehen zuerst die Neueinzahlungen in Rentenpapiere, bei stärker fallenden Märkten werden auch schon bestehende Guthaben umgeschichtet.
Die Prüfung findet individuell statt. Läuft ein Vertrag noch länger, muss normalerweise erst später umgeschichtet werden, weil auch ein größerer Aktienverlust im Ernstfall noch durch die stetigen Erträge der Rentenfonds ausgeglichen werden kann. Einfluss auf das Signal zum Umschichten hat das auch Zinsniveau. Liegen die Zinsen höher, desto besser können Rentenfonds mögliche Wertverluste aus der Anlage im Aktienfonds kompensieren.
Die Riester-Rente von Union Investment ist gekennzeichnet durch den hohen Aktienanteil, bei dem auch Riester-Kunden über 50 Jahre noch zu 100 Prozent in Aktien anlegen. „Selbst die jetzt umgeschichteten Depots können durch die laufenden Einzahlungen in den Uni Global zum Schluss eine Aktienquote von über 80 Prozent ereichen“, ergänzt Markus Temme.
CPPI – Aktiendepot dynamisch absichern
CPPI steht für Constant Proportion Portfolio Insurance. Das klingt kompliziert und es ist auch kompliziert. Die DWS, Nummer zwei bei den Riester-Fondssparplänen, setzt auf dieses Modell bei der Riester-Garantie. Es handelt sich dabei um eine so genannte dynamische Depotabsicherung.
Die Verteilung in einen risikolosen Teil, den die Rentenfonds darstellen, und einen renditeträchtigeren Aktienanteil wird an jedem Börsentag überprüft. Vereinfacht kann man sich die Funktionsweise so vorstellen. Wenn die Fondsgesellschaft in einem Jahr 100 Euro zurückzahlen soll, braucht sie mindestens 96 Euro, um allein mit der feststehenden Rendite des Rentenfonds die Garantie abzusichern. Dieser Teil des Geldes muss also immer im Sparschwein sein. Jetzt nimmt sie als maximales Risiko einen Börsenverlust bei Aktien von 20 Prozent an einem Tag an. So schlimm war der bisher höchste Einbruch am 30. Oktober 1987 im Index MSCI World. Wenn also bei täglicher Überprüfung der maximale Verlust vier Euro betragen darf, dann können anfangs 20 Euro in Aktien investiert werden. Bei steigenden Aktienmärkten wächst der Aktienanteil automatisch. Bei fallenden Börsen wird dafür in Renten umgeschichtet.
„Unsere Sicherungsstrategie wird täglich für jedes Depot einzeln überprüft“, erläutert Alberto Delpozo, Produktmanager für Altersvorsorge bei DWS. „Je nach Börsenentwicklung und Alter der Kunden sind die Depots anders aufgeteilt. Selbst bei gleichaltrigen Anlegern gibt es Unterschiede, je nachdem ob sie in einer Phase steigender oder sinkender Börsen eingestiegen sind, abhängig von dem Kapitalstock.“ Die CPPI-Strategie basiert darauf, dass es feste Trends an den Aktienmärkten gibt. Nachteile weist das Modell auf, wenn die Märkte keine eindeutigen Trends aufweisen.
Feste Aufteilung, statische Sicherung
Mehrere Anbieter von Riester-Fondssparplänen setzen auf feste Quoten bei Aktien. Diese liegen bei älteren Riester-Kunden grundsätzlich niedriger. „Dafür sind die Regeln leicht verständlich und die Kunden erleben keine überraschenden Umschichtungen“, sagt Wolff Seitz von Hansainvest, der Fonds-Tochter der Signal Iduna. Bis 24 Jahre vor Vertragsende versammeln die Riester-Fondssparpläne der Hansainvest zu 90 Prozent Aktien im Portfolio, der Rest sind Renten- und Immobilienpapiere.
Danach kommt in drei Stufen das große Umtauschen – ab 24 Jahren vor Laufzeitende sind die Anteile ausgewogen, je 50 Prozent in Aktien und Renten; ab zwölf Jahren sind nur noch 20 Prozent Aktien im Depot; und sechs Jahre vor Ablauf werden die letzten Aktienfonds in Rentenfonds umgetauscht.
Um mit dieser Aufteilung des Portfolios die Garantie auch sicherstellen zu können, rechnete die Fondsgesellschaft verschiedene Horrorszenarien durch. „Wir haben gleichsam die Dotcom-Blase dreimal platzen lassen“, so Wolff Seitz. „Dennoch ist bei allen Hochrechnungen jedes Depot im Plus.“ So muss auch nie aktiv und prozyklisch auf Börsenentwicklungen reagiert werden – das heißt, es werden keine Aktienanteile verkauft, die ohnehin schon im Minus sind. Niedrigere Aktienquote bedeutet aber auch niedrigere Renditechancen.
Zwei Töpfe oder drei Töpfe für die Aussteuer
Vor dem Problem, mit Fonds eine Garantie darstellen zu müssen, stehen auch die Lebensversicherungen, die eine fondsgebundene Riester-Rente anbieten. In Sachen Garantie kennen die sich eigentlich gut aus, weil sie bei den konventionellen Lebensversicherungen mit einem Deckungsstock arbeiten, der neben dem Kapitalerhalt noch einen Garantiezins erwirtschaften muss.
Deshalb nutzen die Versicherer den eigenen Deckungsstock auch für die Absicherung. Er übernimmt die Rolle, welche die Rentenfonds in der Portfolioabsicherung der Fondsgesellschaften spielen, und muss also im schlimmsten Szenario die Garantie gewährleisten. Insgesamt verteilen die Versicherer die Kundengelder in mehrere Töpfe. Zwei sind es bei der Allianz, die ihr Garantiekonzept mit dem schwierigen Namen Invest Alpha Balance neben der Riester-Rente auch in den übrigen Anlageformen anbietet.
Die Aktienquote liegt im Durchschnitt aller Verträge bei 50 bis 60 Prozent, abhängig von der Restlaufzeit und der Situation an den Kapitalmärkten. „Wir schichten nur um, wenn dies zur Sicherstellung der Garantien notwendig ist. Dazu überprüfen wir täglich kunden- und vertragsindividuell die Aufteilung zwischen dem Sicherungskapital und den Fonds“, sagt Katrin Wahl, Pressesprecherin der Allianz. So soll häufiges oder prozyklisches Umschichten wie im CPPI-Modell verhindert werden.
Drei Töpfe gibt es dagegen beim Wertsicherungskonzept Two Trust, das HDI-Gerling für seine Garantieprodukte wie die Riester-Rente anwendet – den konventionellen Deckungsstock, einen Wertsicherungsfonds und die freie Fondsanlage. In maximal zweien davon steckt das Geld der Kunden. Beim Wertsicherungsfonds handelt es sich um einen Garantiefonds. Sein Vorteil: Die Kundengelder sind im Durchschnitt aller Börsenphasen fast zu 100 Prozent in Aktien investiert. Dafür gibt es einen Nachteil: Die Garantie gilt nur für 80 Prozent des Fondswertes vom Vormonat.
Zur Absicherung müssen deshalb je nach Börsensituation und Kundenalter auch Gelder in den konventionellen Deckungsstock fließen. Bei einem 50jährigen Mann sind das im ersten Vertragsjahr 18 Prozent. Beiträge der 30jährige Kunden liegen zu Beginn zu 78 Prozent im Wertsicherungsfonds und zu 22 Prozent in der freien Fondsanlage.
Den Zwist zwischen Renditeerwartung und Sicherheitsbedürfnis können auch die Absicherungskonzepte für Riester-Fondssparpläne und fondsgebundene Riester-Renten nicht aufheben. Die Wertsicherungsstrategien der Fondsgesellschaften und der Lebensversicherer halten ihr Versprechen. Sie liefern eine Garantie. Doch Anteile, die in Rentenfonds oder den Deckungsstock fließen, verringern auch die Renditechancen. Jeder Sparer, der bei der Riester-Rente auf eine Anlage in Aktien nicht verzichten möchte, sollte sich deshalb über den Mechanismus der Absicherung vorher im Klaren sein.
Toralf Richter

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