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Kredit

Scoring-Verfahren erzürnt Verbraucherschützer

9.09.08

Experten berichten, dass es immer häufiger zu Beschwerden über verwehrte Kredite und Verträge aufgrund angeblicher Kreditunwürdigkeit kommt. Mögliche Ursache: Das sogenannte Scoring-Verfahren. Ein Kommunikationsdienstleister verweigerte einem Ärztehepaar aus Hessen einen Festanschluss mit der Begründung, die Zahlungsfähigkeit der beiden fest angestellten Mediziner sei nicht sichergestellt.

In einem anderen Fall bekam ein Student mit regelmäßigen Einkünften keinen Handy-Vertrag, weil sich sein Wohnsitz in einem als "sozialer Brennpunkt" bekannten Stadtteil befand.

 

Den Kunden durchleuchten

 

Per PC können viele Banken oder Mobilfunkanbieter den Scoring-Wert potenzieller Kunden abfragen. Professionelle Anbieter wie die SCHUFA, Creditreform oder Bürgel verfügen über Millionen von Datensätzen und offerieren den Unternehmen die in einen Zahlenwert gepresste Risikoabschätzung.

 

Hier fließen nach Angaben von Verbraucherschützern nicht nur Daten über die bisherige Zahlungsmoral der Kunden zusammen, sondern auch Informationen zu Staatsangehörigkeit, Wohnort, Häufigkeit von Adresswechseln oder beruflicher Position. Am Ende steht in der Regel eine Zahl, die den Verbraucher auf einer Risiko-Skala einordnet.

 

Befürworter beteuern, dem Verfahren lägen objektive Kriterien zugrunde und es diene den Kunden, weil es sie vor Überschuldung schütze. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, kritisiert dagegen, dass Scoring eine Art "moderne Kopfnote" zur Bewertung des Verbraucherverhaltens sei. In der Regel wüssten die Kunden nicht, wie diese Note zustande komme.

 

Willkür und Diskriminierung?

 

Das Verfahren birgt nach Ansicht von Verbraucherschützern die Gefahr von Willkür und Diskriminierung. Eine aktuelle Studie scheint die Bedenken zu erhärten.

 

In 82 Stichproben wurden 21 Testpersonen unterschiedlichen Alters, Berufs und Einkommens in Filialen zehn verschiedener Geldinstitute geschickt, um Konditionen für Kredite zu erfragen. Die Risikoeinschätzung für die Kreditvergabe an ein und dieselbe Testperson sei dabei vollkommen unterschiedlich ausgefallen: Die offerierten Zinssätze hätten zwischen acht und 13,5 Prozent gelegen.

 

In über 90 Prozent der Gespräche wurde den Testkunden laut Studie der Scoring-Wert nicht genannt, und auch über die Gewichtung der einzelnen Daten wurde nichts bekannt.

 

Experten fordern deshalb eine Begrenzung der Scoring-Verfahren auf wenige relevante Kernkriterien zur Risikoabschätzung und mehr Transparenz von Banken und Datensammlern, um das Zustandekommen der Bewertungen für die Verbraucher durchsichtiger zu machen.

 

In Ländern wie den USA könnten Kunden ihren Scoring-Wert schon seit geraumer Zeit kostenlos einsehen.

 

(Quelle: ddp)