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Trend zur Zweiklassenmedizin?
17.09.08Mit dem deutschen Gesundheitssystem geht es nach Ansicht der Mehrheit der Bevölkerung abwärts. Laut Studie haben 56 Prozent der Deutschen in den vergangenen zwei bis drei Jahren eine Verschlechterung der Versorgung ausgemacht. Vor allem Mitglieder gesetzlicher Kassen fühlen sich unzureichend abgesichert.
Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, betonte, die Studie diene rein "privatwirtschaftlichen Zwecken" und stehe im Widerspruch zu anderen Umfragen.
Mehrheit erwartet Verteuerung und Verschlechterung des Systems
Der "Gesundheitsreport 2007" war im Auftrag eines Finanzdienstleistungsunternehmens in Kooperation mit dem "Institut für Demoskopie Allensbach" erstellt worden. Demnach schätzen 64 Prozent der gesetzlich Versicherten die Leistungen der privaten Kassen als besser ein. 78 Prozent der fast 1.900 befragten Bundesbürger ab 16 Jahren erwarten, dass die Tendenz zur Zweiklassenmedizin zunimmt.
Eine Verbesserung der Versorgung ist nach Ansicht der meisten Befragten nicht in Sicht. Vielmehr herrscht die Meinung: Das System wird schlechter und teurer. Mehr als 80 Prozent rechnen mit steigenden Beiträgen und höheren Zuzahlungen für Medikamente.
Viele befürchten den Abbau der Leistungen auf eine Grundversorgung. So sei ein sprunghaft wachsendes Interesse an privaten Zusatzversicherungen spürbar. 40 Prozent der Bevölkerung denken der Umfrage zufolge über eine solche Ergänzung nach, vor allem für Zahnersatz und Brillen.
Betroffene wenig informiert
Die Meinungsforscher zeigten sich überrascht, dass die Befragten trotz ihrer Befürchtungen nur "vage" Vorstellungen vom Gesundheitssystem haben. Nur fünf Prozent gaben an, über die jüngste Reform "ziemlich genau Bescheid" zu wissen. Mehr als die Hälfte fühlt sich "wenig" informiert. Nur 23 Prozent haben bislang von ihrer Krankenkasse ein Angebot für den seit April möglichen Wahltarif erhalten.
Zwar will mehr als ein Viertel der Bevölkerung bereits Nachteile durch die Reform verspürt haben. Bei genauerem Nachfragen wurden aber Folgen vorheriger Reformen genannt, wie die Zuzahlung für Medikamente oder die Praxisgebühr. Vom Gesundheitsfonds, der 2009 eingeführt wird, hat nur gut die Hälfte der Befragten je etwas gehört.
(Quelle: ddp)

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