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Umfrage: Jeder Zweite will die Bürgerversicherung
6.08.09Der Finanzdienstleister MLP befragte Krankenversicherte und Ärzte nach ihrer Meinung zum Gesundheitssystem. Zwei Drittel der Bürger beurteilen die Versorgung noch als "gut" oder "sehr gut", aber immerhin die Hälfte ist bereit zum Abschluss einer privaten Zusatzversicherung.
Viele Patienten wollen sich vermutlich nicht entscheiden, ob das Glas beim deutschen Gesundheitssystem eher halbvoll oder halbleer ist. 64 Prozent der Bürger schätzen dessen Leistungsfähigkeit weiter als "gut" bis "sehr gut" ein. Fast genauso groß (65 Prozent) ist die Zahl derer, die meinen, dass ebendieses System umfassend reformiert werden muss. Dabei schwankt die Zahl der positiven Einschätzungen in verschiedenen Untersuchungen seit 2001 fast immer zwischen 60 und 67 Prozent, 1994 sprachen immerhin noch vier Fünftel aller Befragten ein Lob aus.
Für den 4. MLP-Gesundheitsreport befragte das Institut für Demoskopie repräsentativ über 1.800 Bürger und über 500 Ärzte. Der Finanzdienstleister stellte die Studie am Mittwoch in Berlin vor.
Ärztemeinung: Zwei-Klassen-Medizin wird Realität
In die insgesamt noch gute Beurteilung der Krankenversorgung schleichen sich Zweifel. Knapp 60 Prozent der Patienten und 56 Prozent der Ärzte haben in den vergangenen Jahren eine Verschlechterung festgestellt. In den kommenden zehn Jahren befürchten beide Gruppen weitere Einschnitte: 80 Prozent der Bürger rechnen mit steigenden Beiträgen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und mehr als drei Viertel erwarten weiter steigende Zuzahlungen für Medikamente. Dass es zunehmend zu einer Zwei-Klassen-Medizin kommt, erwarten 72 Prozent der Bürger und 88 Prozent der Ärzte.
Tatsächlich schlechtere Erfahrungen beim Arztbesuch während der letzten zwei bis drei Jahre machte immerhin ein Drittel der gesetzlich Versicherten. Nur 13 Prozent der Kunden der privaten Krankenversicherung berichteten von einem Trend zum Negativen. Wie meist in derartigen Umfragen bestehen gravierende Unterschiede in der Zufriedenheit zwischen den beiden Versicherungssystemen. Während sich 59 Prozent der Kassenpatienten gut abgesichert fühlen, sind es bei den Privatpatienten 90 Prozent. Und knapp zwei Drittel aller Befragten glauben, dass eine private Krankenversicherung besseren Schutz als eine gesetzliche Krankenkasse bietet. Aber noch ein Fünftel vertritt die gegenteiligen Meinung – Tendenz leicht steigend im Vergleich zu den Umfragen der vergangenen Jahre.
Auf Leistungen verzichten möchten die Befragten überhaupt nicht. Befragt nach möglichen Leistungskürzungen, bei denen zum Beispiel ältere Patienten bestimmte Behandlungen oder Operationen überhaupt nicht mehr erhalten, spricht sich eine deutliche Mehrheit von 71 Prozent dagegen aus. Trotzdem finden noch 14 Prozent solche Maßnahmen richtig.
Eigenvorsorge mit "Gesundheits-Riester" kommt noch nicht an
Den vom Marburger Bund vorgeschlagenen "Gesundheits-Riester" – eine staatlich geförderte private Krankenzusatzversicherung – bezeichnen lediglich 30 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten als "interessant". 58 Prozent (2008: 55 Prozent) wünschen sich einen möglichst umfassenden gesetzlichen Versicherungsschutz – auch wenn dafür die Beiträge steigen. Weil knapp vier Fünftel aller Bürger an einer dauerhaften Sicherung des Versorgungsniveaus zweifeln, steigt trotzdem die Zahl derer, die von sich aus mit einer privaten Zusatzversicherung vorsorgen wollen. Mittlerweile erwägen 46 Prozent (1997: 23 Prozent) den Abschluss einer (weiteren) Police.
Eine hohe Zustimmung erhielt das im Wahlprogramm der SPD geforderte Modell einer Bürgerversicherung: Eine relative Mehrheit der Bevölkerung von 49 Prozent sowie 54 Prozent der gesetzlich Versicherten plädiert dafür, alle Berufstätigen in die GKV einzubeziehen. "Die Bürgerversicherung ist die falsche Antwort auf die Herausforderungen im Gesundheitssystem", sagte dagegen der MLP-Vorstandsvorsitzende Uwe Schroeder-Wildberg. "Die Schwierigkeiten sind mit Bürgerversicherung die gleichen wie ohne, da die strukturellen Probleme nicht gelöst werden."
tr


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