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Stromanbieter

Verbraucher strömen zu Ökostromtarifen

1.07.09

Die Deutschen wechseln in Scharen zu Ökostromanbietern. Kein Energieversorger kommt mehr am grünen Strom vorbei, aber manche Tarife versprechen mehr als aufgeklärte Verbraucher sich erhoffen.

Die Zahl der Haushalte, die Ökostrom beziehen, hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt – auf mehr als 2,1 Millionen. Dazu kommen noch knapp 150.000 Gewerbetreibende, die einen Stromtarif geordert haben, der Elektrizität aus erneuerbaren Energien bezieht. Den rasanten Aufschwung dokumentiert eine Umfrage der Fachzeitschrift „Energie & Management“ (E&M) zusammen mit dem Ökostromanbieter Naturstrom AG und der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW). Die Arbeitsgemeinschaft gehört zum Verbund kommunaler Unternehmen und bietet für Stadtwerke zwei Ökostromprodukte an.

 

Die in Düsseldorf vorgestellte Studie führt E&M seit 2005 jährlich durch und bietet damit einen umfassenden Überblick über den Markt beim grünen Strom. Insgesamt betrug der Absatz rund elf Milliarden Kilowattstunden. 180 Energieversorger und Ökostromanbieter hatten sich an der Umfrage beteiligt, die Kunden- und Absatzzahlen für insgesamt 263 Ökostromprodukte präsentiert. "Der gewaltige Sprung bei Kunden- und Absatzzahlen zeigt, dass Ökostrom heute ein Muss-Produkt für jeden Energieversorger ist. Zudem legen immer mehr Gewerbekunden Wert auf eine umweltfreundliche Energieversorgung", bewertete der für die Umfrage verantwortliche E&M-Redakteur Ralf Köpke die Ergebnisse. Nach seiner Einschätzung wird sich das Wachstum in diesem Jahr fortsetzen, wenn auch nicht mehr so spektakulär wie im Vorjahr.

 

Auch die Entwicklung bei den ASEW-Mitgliedsunternehmen bestätige die E&M-Zahlen, betonte Geschäftsführerin Vera Litzka: "Ökostrom ist im main stream angekommen; was vor Jahren noch als Exotenprodukt galt, ist heute Standard." Vor zehn Jahren hatte die ASEW erstmals die Marke energreen angeboten, ein Aufpreismodell, das den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Region der Kunden unterstützt. Vor zwei Jahren etablierte die Arbeitsgemeinschaft als Ergänzung zu energreen mit dem Wasserstromangebot watergreen eine zweite Ökostrommarke für preisbewusste Kunden. Unter den ASEW-Mitgliedern gibt es inzwischen mit den Stadtwerken Mosbach, Emsdetten und Soltau gleich drei Kommunalversorger, die die Versorgung der von ihnen belieferten Haushalte komplett auf watergreen umgestellt haben.

 

Ökostrom ist nicht immer richtig grün

 

Auch der unabhängige Ökostromhändler Naturstrom AG mit Sitz in Düsseldorf konnte die Kundenzahl im vergangenen Jahr mehr als verdoppeln. Skeptisch beurteilte Geschäftsführer Oliver Hummel aber die Qualität eines großen Teils der Ökostromangebote. Oft werde nur sowieso schon vorhandener Ökostrom verkauft, aber von den Anbietern nichts unternommen, um erneuerbare Energien auszubauen. Hummels Kritik: „In der Regel stammt dieser Ökostrom ausschließlich aus dem Ausland, besonders aus Norwegen. Dort können diese Mengen extrem günstig mit so genannten RECS-Zertifikaten erworben werden, ohne dass wirklich Ökostrom nach Deutschland fließt.“

 

Zentrale Punkte für den Kunden sollten nach den Worten Hummels bei einem Wechsel immer die Glaubwürdigkeit des Stromanbieters sein und die Frage, ob das Unternehmen wirklich neue Wind-, Wasser-, Solar- und Biomasseanlagen baue und fördere. „Nur so hilft die steigende Ökostromkundenzahl auch dem Klimaschutz“, betonte Hummel. Die Qualität der Ökostromangebote gewinne für ihn deshalb an Stellenwert im Wettbewerb.