Aktuelles Altersvorsorge -

Informationen über Versicherungen, Bankprodukte und Steuertipps

Altersvorsorge

Vielen Bundesbürgern droht Altersarmut

18.01.10

Die Deutschen verfügen mit ihren Rentenansprüchen über ein stattliches Vermögen: über 4,6 Billionen Euro. Die privaten Vermögen in Deutschland sind aber laut einer neuen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ungleich verteilt. Demnach droht vielen später die Altersarmut.

Viele Bundesbürger haben ihr Leben lang geschuftet und müssen im Alter mit wenig Geld auskommen.

Viele Bundesbürger haben ihr Leben lang geschuftet und müssen im Alter mit wenig Geld auskommen.

In der Debatte über das Thema blieben die Anwartschaften auf Renten und Pensionen bislang außen vor – es fehlten verlässliche Daten. Jetzt haben Wissenschaftler des DIW Berlin in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie erstmals errechnet, wie sich die Vermögensverteilung ändert, wenn man Pensionsansprüche und Rentenanwartschaften mit einbezieht.

Das Ergebnis: Die individuellen Alterssicherungsvermögen dämpfen die Ungleichverteilung, das Ausmaß der Vermögenskonzentration bleibt aber weiterhin hoch. Die vom DIW Berlin jetzt erstmals vorgenommene erweiterte Vermögensmessung zeigt: Die Ungleichheit ist geringer als bei herkömmlichen Analysen, die sich allein auf Geld- und Sachvermögen beziehen.

25 Prozent der Bevölkerung hat kein Vermögen

Der dämpfende Effekt des Alterssicherungsvermögens hat mehrere Gründe: So besitzt zwar mehr als ein Viertel der Bevölkerung gar keine Geldvermögen, Immobilien und Betriebsvermögen oder ist sogar verschuldet. Allerdings erwerben praktisch alle Erwachsenen Ansprüche an die diversen Alterssicherungssysteme. Gleichzeitig sind die Rentenansprüche in der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt – selbst mit einem Spitzeneinkommen kann man hier nur Rentenansprüche bis zu einer gewissen Höhe erwerben.

"Die Konzentration der jetzt erstmals um Renten- und Pensionsanwartschaften erweiterten Vermögen bleibt aber sehr hoch und die dämpfende Wirkung des Alterssicherungsvermögens wird künftig wohl an Bedeutung verlieren," sagt Joachim Frick, zusammen mit Markus Grabka einer der beiden Autoren der DIW-Studie. "Gleich mehrere Faktoren schlagen hier zu Buche: Sinkende Versorgungsniveaus in Folge der Reformen der Alterssicherungssysteme, zunehmende, oft durch Arbeitslosigkeit bedingte Lücken im Erwerbsverlauf - mit dem Risiko zunehmender Altersarmut."

Nach neuen Berechnungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) beliefen sich die individuellen Renten- und Pensionsanwartschaften in Deutschland für 2007 insgesamt auf rund 4,6 Billionen Euro. Im Durchschnitt entspricht dies 67.000 Euro je Erwachsenem. Zusammen mit dem individuellen Geld- und Sachvermögen von durchschnittlich 88.000 Euro ergibt sich dadurch ein erweitertes Gesamtvermögen von im Schnitt mehr als 150.000 Euro pro Person.

Mehr Altersarmut in Ostdeutschland

Beunruhigt sind die DIW-Experten mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der Vermögen. "Zusätzliche private Vorsorge wird nach den Reformen bei der Alterssicherung unbestritten immer wichtiger", betont Markus Grabka. Schon heute sei zu beobachten, dass die Vermögendsten besonders stark private Altersvorsorge betreiben, dass aber die private Vorsorge am unteren Ende der Einkommens- und Vermögensskala besonders schwach ausgeprägt ist. Geringverdiener dürften künftig bei der Vermögensbildung also noch stärker zurückfallen als heute.

Problematisch sei außerdem, dass Langzeitarbeitslose so gut wie kein Alterssicherungsvermögen aufbauen. "Man muss deshalb davon ausgehen, dass die Vermögensungleichheit auch bei der Alterssicherung zunimmt und wir auf mehr Altersarmut zusteuern", so das Fazit von Markus Grabka. "Dies gilt besonders für Ostdeutschland, denn hier haben wir ohnehin eine geringere Vermögensbildung als im Westen und deutlich mehr Langzeitarbeitslose."

Große Unterschiede nach beruflicher Stellung: Beamte vorn


Die jetzt vom DIW veröffentlichte Gesamtschau der Vermögenssituation erlaubt auch einen Vergleich nach beruflicher beziehungsweise sozialer Stellung. Nicht nur die Struktur der Altersversorgung auf Basis privater, betrieblicher und gesetzlicher Vorsorgetätigkeit unterscheidet sich stark für Angestellte, Beamte und Selbständige, auch die Vermögenslage dieser Gruppen gestaltet sich sehr unterschiedlich: Überdurchschnittlich gut schneiden bei einer solchen Gesamtschau Beamte und Pensionäre ab. "Ihnen kommt zugute, dass sie keine eigenen Beiträge für die Altersvorsorge leisten müssen. Sie unterliegen auch keinem Arbeitslosigkeitsrisiko und haben deshalb im Allgemeinen ununterbrochene Erwerbsverläufe", betont Joachim Frick. Außerdem ist das allgemeine Versorgungsniveau bei Pensionären deutlich höher als bei abhängig Beschäftigten in der GRV.

Unter Berücksichtigung der Alterssicherungsvermögen relativiert sich auch die dominierende Stellung der Selbständigen in der Netto-Geld- und Sachvermögenshierarchie. So weisen Pensionäre im Durchschnitt ein erweitertes Nettovermögen (inklusive Pensionsanwartschaften) in Höhe von mehr als 500.000 Euro auf und damit mehr als beispielsweise Selbständige mit einem Betrieb mit bis zu neun Mitarbeitern. Bezieher einer Gesetzlichen Rente erreichen dagegen nicht einmal die Hälfte dieses Wertes.

"Angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Gesetzlichen Rentenversicherung erscheinen die Beitragsfreiheit zur Alterssicherung von Beamten während der Erwerbszeit und das überdurchschnittliche Versorgungsniveau im Pensionsalter zumindest diskussionsbedürftig", so die Bewertung von Joachim Frick.

Foto: Irina Fischer (fotolia.com)