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Lebensversicherung

Wie sicher ist mein Geld?

9.10.08

Die Finanzkrise schlägt hohe Wellen. Nun sind Sparer in Sorge. Aspect Online gibt Antworten auf die drängendsten Fragen.

Die Verunsicherung der Sparer ist groß. Wir haben hier die wichtigsten Fakten für Anleger gesammelt:

 

 

  • Wie sicher sind Spareinlagen und das Geld auf dem Girokonto?

 

In Deutschland gibt es ein dreigliedriges Einlagensicherungssystem, das unterschiedliche Entschädigungseinrichtungen für die privaten, öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Banken vorsieht. So will es das Einlagensicherungs- und Anleger­entschädigungs­gesetz (EAEG). Alle Banken mit einer Zulassung in der Europäischen Union halten sich an die in einer EU-Richtlinie vorgeschriebenen Sicherungsmechanismen. So ist dem Kunden für ein Guthaben bis zur Höhe von 20.000 Euro absolute Sicherheit garantiert. 

 

Die Sparkassen bieten 100-prozentige Sicherheit, die in vier Stufen gegliedert ist: zwölf regionale Stützungsfonds der Sparkassen, eigene Fonds der Landesbanken als Sicherungsreserve, überregionaler Ausgleich durch alle Sparkassen-Stützungsfonds und öffentliche Gebietskörperschaften als Gewährträger. 

 

Die Geldanlagen bei Genossenschaftsbanken sind ebenfalls zu 100 Prozent sicher. Durch Garantiefonds werden finanzielle Schwierigkeiten der Banken behoben. Ein Garantieverbund für den gesamten Bankenverband der Volks- und Raiffeisenbanken übernimmt Bürgschaften im Falle einer Insolvenz. Ähnlich wie bei Sparkassen sind auch die Genossenschaftsbanken dazu verpflichtet, sich im Fall der Schieflage eines Instituts gegenseitig zu helfen. So soll eine Insolvenz vermieden werden.

  

"Die Sparer in Deutschland müssen sich keine Sorgen um ihre Einlagen machen, denn sie sind durch den Einlagensicherungsfonds geschützt", sagt Christian Lipicki vom Bundesverband deutscher Banken. Der Geldtopf ist für den Schutz von Sicht-, Termin- und Spareinlagen bei Privatbanken gedacht. Dazu gehört das Spar- und Girokonto genauso wie Konten für Festgeld und Tagesgeld. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen, werden hingegen nicht gesichert. Aktiendepots werden ebenfalls nicht durch die Einlagensicherung geschützt. Allerdings sind diese durch mögliche Bankenpleiten nicht gefährdet.

 

90 % der Einlagen von Privatpersonen, Personengesellschaften und kleinen Kapitalgesellschaften bis zu einem Gegenwert von maximal 20.000 Euro deckt die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) ab. Der Einlagensicherungsfonds erstattet zudem den 10-%igen-Selbstbehalt als auch die über 20.000 Euro hinausgehenden Summen. Insgesamt werden die Einlagen bis zur Sicherungsgrenze der jeweiligen Bank geschützt. Diese entspricht 30 % des haftenden Eigenkapitals. Das Mindesteigenkapital einer Bank liegt in Deutschland bei fünf Mio Euro. In diesem Fall wären also pro Anleger 1,5 Mio Euro geschützt. Wie hoch die jeweilige Sicherungsgrenze ist, lässt sich bei der eigenen Bank erfragen.

 

Der Einlagensicherungsfonds erhebt bei seinen Mitgliedern eine jährliche Umlage. Hinter ihm steht mit 180 Banken fast die gesamte deutsche Kreditwirtschaft. Seit 1976 wurden mit ihm 24 Hilfsaktionen durchgeführt. "Alle betroffenen Privatkunden sind voll umfänglich entschädigt worden", sagt Verbandssprecher Lipicki.

 

 

  • Welche Rolle spielt der Staat dabei?

 

Niemand sollte überhastet den Sparstrumpf reaktivieren. Denn kürzlich hat die Bundesregierung für alle Termin-, Spar- und Girokonten von Privatpersonen eine so genannte Patronatserklärung abgegeben. Demnach müsse kein Sparer um seine Einlagen fürchten. "Eine bessere Garantie kann derzeit niemand geben", sagt Prof. Hans-Peter Burghof vom Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistung an der Universität Hohenheim gegenüber Aspect Online. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bezifferte die Summe auf über 1000 Milliarden Euro. 563 Milliarden Euro seien Spareinlagen, hinzu kämen Giro- und Termingelder privater Haushalte.

 

Der Staat will den angeschlagenen Finanzmarkt weiter stabilisieren, um volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Der soeben neu eingerichtete Finanzmarktstabilisierungsfonds hat ein Volumen von 480 Milliarden Euro. Der Unterschied zum Rettungsplan der USA mit ihrem 700 Milliarden Dollar-Paket liegt darin, dass hierzulande das Geld tatsächlich fließen soll und zwar zum Aufkauf illiquider Vermögenswerte der Banken. Die Inanspruchnahme des staatlichen Rettungs-Fonds wird an strenge Bedingungen geknüpft. So gibt es etwa Auflagen bezüglich der geschäftspolitischen Ausrichtung oder der Vergütung von Managern. 

 

 

  • Kann ich mein Bausparguthaben verlieren?

 

"Definitiv nicht", beruhigt Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen e.V. Schließlich seien Einlagen und Zinsen von Bausparverträgen bei allen privaten Bausparkassen in Deutschland in unbegrenzter Höhe abgesichert. Nothaft: "Wir haben ein geschlossenes System. Da wir uns per Gesetz nicht über den Kapitalmarkt refinanzieren dürfen, sind Risikopapiere tabu für uns." Die Kassen verfügen über einen Einlagensicherungsfonds, der einen potenziellen Crash abfangen würde. Bausparen ruht also weiterhin auf solidem Fundament.

 

 

  • Sollte ich vermehrt in Gold investieren?

 

Mittlerweile gibt es einen regelrechten Run der Privatanleger auf Goldmünzen- und -barren. "Die Nachfrage kann momentan nicht mehr befriedigt werden", sagte ein Händler der Düsseldorfer WGZ-Bank. Auch bei den Lieferanten herrscht akute Knappheit nach Goldbarren. So ist nicht alles Gold, was glänzt: Nach der Finanzkrise könnte sich herausstellen, dass man mit dem teuren Edelmetall ein Verlustgeschäft gemacht hat, da der Goldpreis Marktschwankungen unterliegt. Es gibt allerdings Gegenmeinungen, die in Gold eine sehr sichere Anlage sehen. Es behält in der Regel seinen Wert und kann das eigene Vermögen zumindest partiell absichern. Eine fundierte Beratung vor dem Goldkauf ist in jedem Fall empfehlenswert.

 

 

  • Was passiert mit meiner fondsgebundenen Lebensversicherung?

 

Die Gewinnchancen sind bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung meist höher als bei einer "normalen" Kapitallebensversicherung. Doch dafür geht man auch das Risiko ein, bei schlechter Fondsentwicklung Verlust zu erleiden. Bei Fondspolicen mit Beitragserhaltungsgarantien sind die eingesetzten Beiträge nicht gefährdet.

 

Der Großteil der Versicherer hierzulande transferiert das Geld der Versicherungsnehmer in festverzinsliche Wertpapiere. Rund zehn Prozent werden in Aktien gesteckt und nur ein bis zwei Prozent in Risikopapiere, welche die Entstehung der Finanzkrise erst ermöglicht haben. Dass exorbitante Summen verloren gehen, gilt als unwahrscheinlich - schließlich haben die Zentralbanken massiv Geld in den Markt gepumpt. Freilich könnten die Überschussrenditen geschmälert werden.

 

Wer eine fondsgebundene Lebensversicherung vorzeitig kündigen will, sollte die aktuelle Kursentwicklung des Fonds beobachten und einen günstigen Zeitpunkt abwarten, rät die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). "Läuft Ihre fondsgebundene Lebensversicherung zu einem Zeitpunkt ab, in dem der Fonds gerade einen niedrigen Wert hat, sollten Sie überlegen, ob Sie sich den aktuellen Geldwert Ihrer Versicherung auszahlen lassen oder lieber die Fondsanteile übertragen lassen wollen", so ein BaFin-Sprecher. Im letzteren Fall hat man die Chance, die Fondsanteile später bei wieder steigenden Kursen zu einem besseren Preis zu verkaufen. 

 

 

  • Riester-Rente in Gefahr?

 

Die Riester-Rente ist eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung. "Riestern" kann man etwa mit einer privaten Rentenversicherung ebenso wie mit einem Bank- oder Fondssparplan. Riester-Verträge unterliegen einer gesetzlichen Kapitalgarantie. Sowohl das selbst eingezahlte Kapital - die Zinsen eingeschlossen - als auch die staatlichen Zulagen müssen den Kunden als lebenslang garantierte Rente ausgezahlt werden. Hier wird der Großteil von den Anbietern in festverzinsliche Wertpapiere gesteckt.  Bei den fondsgebundenen Riester-Sparplänen wäre der vorzeitige Ausstieg mit Verlusten behaftet.

 

 

  • Ist die betriebliche Altersvorsorge auch betroffen?

 

Bei der betrieblichen Altersvorsorge werden garantierte Summen auf jeden Fall ausgezahlt. Allerdings sind nicht unerhebliche Kürzungen der Überschussbeteiligung möglich. Sollte eine Schieflage drohen, würde hier Protektor einspringen, die Auffanggesellschaft der deutschen Lebensversicherer. Ist der Versicherer nicht durch Protektor geschützt, muss laut dem Bund der Versicherten e.V. der Arbeitgeber für die Auszahlung sorgen.

 

 

  • Soll ich Aktien schnellstmöglich verkaufen?

 

Der Wert von Aktien wird täglich in Form des Börsenkurses neu ermittelt. So können die Aktien zwar fallen, aber jederzeit auch wieder steigen. "Man weiß als Anleger über den künftigen Kursverlauf auch nicht besser Bescheid als der Markt selbst", sagt Prof. Hans-Peter Burghof. "Haben Sie etwas Geduld!", mahnt er. Nur wenn der Anleger das Geld wirklich rasch braucht und sich weitere Verluste keinesfalls leisten will, sollte er einen Verkauf in Erwägung ziehen.

 

 

  • Sind Bundesschatzbriefe wirklich am sichersten?

 

Ein festverzinsliches Wertpapier wird auch Anleihe, Schuldverschreibung, Rating oder Bond genannt. Damit ist ein Gläubigerpapier gemeint, das eine Forderung gegenüber dem Schuldner verbrieft, der sie begeben hat. Darunter fallen auch die Bundeswertpapiere, zu denen auch die Bundesschatzbriefe gehören. Sie gelten als äußerst sicher, da auch hier der Staat für sie bürgt – zur Not eben mit dem Steueraufkommen.

 

 

  • Welche Regeln sind als einfacher Anleger zu beachten?

 

"Lege nie alle Eier in einen Korb." Überträgt man das Sprichwort auf für die Finanzmärkte, bedeutet es, Risikoanhäufungen bei Kapitalanlagen tunlichst zu vermeiden. "Eine gute Diversifikation, also die Streuung des Vermögens in mehrere unterschiedliche Anlageobjekte ist mehr als empfehlenswert", sagt Prof. Hans-Peter Burghof.

 

 

  • Wie sind die Turbulenzen am Finanzmarkt entstanden?

 

US-amerikanische Wohnungsbaukredite wurden im großen Stil verbrieft und als Wertpapiere international an Banken oder an institutionelle Investoren weiterverkauft. Die Käufer der Wertpapiere bekommen die Zins- und Tilgungszahlungen aus den unterlegten Wohnungs­baukrediten. Daher verringern aber Ausfälle bei den Zins- und Tilgungszahlungen auf diese Wohnungsbaukredite den Wert der Papiere.

 

Steigende Ausfälle bei US-Wohnungsbaukrediten führten 2007 dazu, dass der Marktwert dieser Wertpapiere massiv fiel, da sich kaum noch Käufer für sie interessierten. Außerdem stellte sich Verunsicherung ein. Deshalb verfielen auch laut einem Bericht der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Kurse ähnlich konstruierter Wertpapiere, die gar nicht auf amerikanischen Wohnungsbaukrediten, sondern etwa auf Krediten an solide Unternehmen basieren.

 

Viele Banken waren nicht bereit, anderen Instituten Kapital zu geben, da das Engagement in US-Wohnungs­baukrediten und der Risikogehalt oft intransparent waren. So kam es zu Liquiditätsengpässen an den internationalen Märkten und zu einem Vertrauensverlust auch gegenüber Wertpapieren, die mit US-Wohnungsbaukrediten nichts zu tun haben.

 

Von Christian Minaty