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Zu viele deutsche Aktien und Fonds im Depot
6.10.09In einer Schockstarre befinden sich deutsche Privatanleger laut einer Studie des britischen Vermögensverwalters Schroders. Sie scheuen vor Aktien und Aktienfonds zurück, obwohl sie Kursanstiege erwarten. Außerdem setzen sie viel zu stark auf den einheimischen Markt.
Risikoarme Anlageformen liegen weiter im Trend - und das, obwohl die Mehrzahl der Anleger nicht von weiter fallenden Kursen ausgeht. Bei fast der Hälfte der Befragten hat sich die Risikoeinstellung seit Beginn der Finanzkrise verändert. Sie sind heute deutlich sicherheitsorientierter als vor zwölf Monaten. Schon im vergangenen Jahr investierte mehr als ein Drittel weniger als 2007, und mehr als die Hälfte hielt an ihren Kapitalanlagen fest.
"Die Anleger haben Angst, durch Umschichtungen noch mehr Geld zu verlieren", erklärt Achim Küssner, Deutschland-Chef von Schroder Investment Management. Wenn Anleger handelten, erhöhten sie zumeist ihre Investitionen in scheinbar risikoarme Anlageprodukte. Mehr Haushalte als im Vorjahr besitzen derzeit Tages- und Festgeldkonten. Damit setzen mehr als zwei Drittel auf diese Anlageformen.
Deutsche wollen Aktienfonds noch reduzieren
Der Anteil von Haushalten, die Aktien oder Investmentfonds im Depot haben, sank im Vergleich zum Vorjahr. "Das Erstaunliche daran ist, dass heute nur noch 29 Prozent der Befragten an ein Sinken der weltweiten Aktienkurse glauben. Das sind acht Prozent weniger als vor einem Jahr", konstatiert Achim Küssner. "Eigentlich sollte dies für einen Einstieg in die Anlageklasse Aktien sprechen." Allerdings wollen nur 14 Prozent der Befragten in den nächsten zwei Jahren eine starke Erhöhung ihrer Aktieninvestments, 71 Prozent wollen nichts tun, und 15 Prozent wollen ihre Aktienanlagen sogar stark verringern. "Damit werden interessante Chancen an den weltweiten Anlagemärkten nicht erkannt und nicht genutzt, zumal die Fokussierung auf den Heimatmarkt bei deutschen Anlegern unverändert ist", kommentiert der Anlageexperte.
Was das Aufspüren weltweiter Renditechancen angeht, lassen sich die Deutschen ohnehin einige Schnäppchen durch die Lappen gehen. Ähnlich wie im Vorjahr gaben über 80 Prozent der befragten Haushalte an, ihre Kapitalanlagen seien überwiegend in Deutschland angesiedelt. Dieser Trend wird sich verstärken, denn die Zahl derer, die in den nächsten zwei Jahren in Deutschland investieren wollen, lag um vier Prozent höher als im Vorjahr. Die Bereitschaft zur Kapitalanlage in Gesamteuropa geht dagegen tendenziell zurück.
Home Bias nennen Psychologen dieses Phänomen, dass Investoren den einheimischen Markt im Portfolio stark übergewichten. Sie kaufen lieber BMW als Honda, weil ihnen die Marke stärker vertraut ist – rationale Renditeerwartungen bleiben dabei auf der Strecke. Eigentlich sollten Anlagerisiken gleichmäßig verteilt werden, so die gängige Portfoliotheorie.
China im Depot beimischen
Auch in Indien, den USA und China wollen künftig weniger Anleger Geld investieren als noch vor einem Jahr. Die Angst scheint hier stärker zu sein als die Einsicht, denn nach wie vor sieht knapp die Hälfte der Befragten China als zukünftige ökonomische Supermacht. Insgesamt halten zwei Drittel der Befragten internationale Kapitalanlagen für zu risikoreich – das sind ganze zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. "Aufgrund der Finanzkrise ist bei deutschen Anlegern die Bereitschaft weiter zurückgegangen, internationale Kapitalanlagen vorzunehmen", bringt Achim Küssner die Ergebnisse der Studie auf den Punkt. "Im Kopf wissen die Anleger sehr wohl auf welchem Parkett zukünftig die Musik in diesem Jahrhundert gespielt wird, jedoch hindert der Bauch sie am Mittanzen." Dadurch würden den Investoren viele Chancen entgehen. Da bereits im Jahr 2010 etwa 65 Prozent des Wirtschaftswachstums aus den Schwellenländern kommen sollen, gehörten Investitionen in die ökonomische Supermächte von morgen als Beimischung in die Depots der Privatanleger.
Das GfK Marktforschung führte die Studie im Auftrag des Investmenthauses Schroders durch und befragte dafür im Juni dieses Jahres über 1.000 Haushalte. Schroders mit Sitz in London verwaltet Kundenvermögen in Höhe von 133 Milliarden Euro und beschäftigt rund 2.600 Mitarbeiter.

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