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ZÜRS schätzt Potenzial von Elementarschäden ein
9.04.10Wer sich in der Hausratversicherung oder Wohngebäudeversicherung gegen Elementarschäden absichern möchte, wird je nach Wohnort in eine Gefahrenklasse eingestuft. Dafür entwickelten die Versicherer das System ZÜRS.
Viele Hausbesitzer nahe der Elbe blickten 2002 in banger Erwartung auf die überschwemmten Wiesen. Nachdem das Wasser sich zurückgezogen hatte, bemühten sich viele, die noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen waren, um einen Elementarschutz im Rahmen ihrer Gebäudeversicherung oder Hausratversicherung. Dabei lernten sie ZÜRS kennen, das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen. Jeder Makler oder Versicherungsvermittler fragte nämlich nach der Adresse, und je nach Gefährdungklasse hob oder senkte sich der Daumen der Versicherungsgesellschaft.
Das webbasierte Geoinformationssystem ZÜRS ließ der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entwickeln, um seine Verbandmitglieder bei der Einschätzung von Naturgefahren zu unterstützen. Das System ermöglicht es, Standorte deutschlandweit hinsichtlich ihrer Hochwasser- und Umweltgefährdung risikogerecht zu bewerten. Jede Adresse in Deutschland ist in ZÜRS einer von vier Gefährdungsklassen zugeordnet.
GK 4: hohe Gefährdung – statistisch 1 mal in 10 Jahren ein Hochwasser
GK 3: mäßige Gefährdung – statistisch 1 mal in 10-50 Jahren ein Hochwasser
GK 2: geringe Gefährdung – statistisch 1 mal in 50-200 Jahren ein Hochwasser
GK 1: sehr geringe Gefährdung – statistisch seltener als einmal alle 200 Jahre ein Hochwasser
Wie verbreitet die Gefährdungszonen in Deutschland sind, schlüsselt Wolfgang Kron, Forschungschef für Wasserrisiken bei der Münchener Rück, in der Zeitschrift "Versicherungswirtschaft" (03/2010) auf. 86,5 Prozent der Siedlungsfläche fallen in die Klasse 1, 8,9 Prozent in Klasse 2. Hier bekommen Kunden problemlos eine Elementarschaden-Versicherung. Auf die Zonen 3 und 4 entfallen nur 1,4 und 3,2 Prozent. In GK 4 erhält man im Normalfall keinen Versicherungsschutz. In GK 3 verlangen die Gesellschaften einen Zuschlag und häufig vereinbaren sie einen höheren Selbstbehalt, den der Kunde im Schadenfall trägt.
Elementarschadenversicherung nicht nur in Flussnähe sinnvoll
Für den Schutz in Zone 1 zahlt ein Hausbesitzer nach Einschätzung von Wolfgang Kron eine Prämie von jährlich etwa 0,15 bis 0,3 Pomille der Versicherungssumme, das ergibt für ein 300.000-Euro-Haus 45 bis 90 Euro. Viele Hausbesitzer meinen, dass in diesen Gebieten die Zusatzabsicherung überhaupt nicht notwendig ist. Dem widerspricht der Experte: "Gerade in GK 1, den Gebieten fern von Flüssen, ist ein Versicherungsschutz gegen Überschwemmung sehr sinnvoll."
Die Police springt nämlich auch bei Starkregen ein, und der kann überall auftreten. Ein solches Ereignis sorgte im Juli 2007 im mittelfränkischen Baiersdorf für Schäden in Höhe von 70 Millionen Euro. Am Ende ist der Name ZÜRS ein wenig irreführend. In Zonen eingeteilt werden nur Gebiete nach der Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen durch Fließgewässer. Für R wie Rückstau und S wie Starkregen fehlt noch eine Zoneneinteilung. Der GDV bemüht sich aber seit Jahren darum.
Die Versicherungskammer Bayern teilt auf einer eigenen Skala alle Gebiete in sechs Zonen von A bis F ein. Bis einschließlich E erhalten Kunden Versicherungsschutz. Der hat dann seinen Preis. Die Komplettabsicherung kostet in diesem Gebiet das Dreifache der Prämie in Zone A. Dabei gehen die höheren Kosten auf das Konto des Elementarschutzes, die Summe für die übrigen Risiken (Feuer, Leitungswasser, Sturm) bleibt gleich. "Durch die genauere Einteilung können wir in Bayern und der Rhein-Pfalz über 99 Prozent aller Gebäude versichern", sagt Pressesprecher Thomas Bundschuh.
tr

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