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Fonds und Zertifikate

Zertifikate - verschiedene Risikoklassen, unterschiedliche Chancen

Für viele Bundesbürger sind Zertifikate wohl erst seit der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 ein Begriff - doch eher im negativen Sinne, denn die Zertifikate der Pleitebank waren über Nacht wertlos geworden. Die Einlagensicherung konnte auch nicht helfen: Sie greift bei Zertifikaten im Gegensatz zu etwa Einlagen auf Girokonten oder Tagesgeldkonten nicht. Somit waren Zertifikate, die zu so genannten "strukturierten Produkten" beziehungsweise Finanz-Derivaten zählen, plötzlich in Augen vieler Privatanleger wenig attraktiv. Das Blatt scheint sich zu wenden, denn heute schätzt die Derivate-Branche die Zukunft wieder zuversichtlicher ein. Außerdem beurteilten selbst strenge Verbraucherschützer wie etwa das Magazin "Test" beispielsweise Discountzertifikate durchaus als für Anleger "vorteilhafte Produkte".

Mit pauschalen Verurteilungen wird man also dieser ganz speziellen Anlageform nicht gerecht. Der Markt für Zertifikate, die wie Optionsscheine an Wertpapierbörsen oder außerbörslich im Direkthandel gehandelt werden, ist in Deutschland hoch entwickelt. Die Derivate setzen auf Markterwartungen (Bewegungen aufwärts, abwärts oder seitwärts) im Gegensatz etwa zu klassischen Anlageprodukten. Das Innovationstempo bei Zertifikaten ist hoch. Mittlerweile ist der Derivate-Markt fast unüberschaubar groß geworden und man hat als Anleger die Qual der Wahl.

Doch welches Zertifikat ist für wen das richtige? Zunächst gilt: Zertifikate beziehen sich immer auf einen Basiswert wie z.B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen oder Indizes. Mit Zertifikaten verspricht eine Bank dem Anleger, dass am Kursgeschehen des jeweiligen Basiswertes teilhaben kann (z.B. bei Garantiezertifikat auf BMW-Aktie verspricht die Bank, dass der Sparer bei einer Wertsteigerung der Aktie profitiert, fällt der Kurs, bekommt der Anleger sein Kapital zurück). Auch Fonds und Zertifikate sind in den letzten Jahren immer enger zusammen gerückt. Warum also nicht gleich Fonds und Zertifikate kaufen, die etwa einen Index wie den DAX abbilden? Generell gilt, dass Zertifikate immer auf feinste Marktbewegungen reagieren und damit höchst dynamisch sind. Anleger können aus der Vielfalt der Derivate Kapital schlagen und für jeden Geschmack und jedes Risikoprofil gibt es mittlerweile ein passendes Zertifikat. Sicherheitsbewusste und spekulative Naturen kommen somit gleichermaßen auf ihre Kosten.

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Niedriges Risiko bei niedrigen Gewinnchancen:

 

  • Garantiezertifikate
    Dem Anleger wird die Sicherheit geboten, bei Fälligkeit mindestens das eingesetzte Kapital zu erhalten, plus Mindestverzinsung. Bei Kursanstiegen des Bezugsobjekts können Anleger über die Mindestverzinsung hinausgehende Erträge kassieren.
  • Discountzertifikate
    Hier wird das Recht verbrieft, am Laufzeit-Ende entweder eine Aktie oder einen festgelegten Höchstbetrag (Cap) in bar zu erhalten. Liegt der Kurs der Aktie am Laufzeit-Ende unter dem Cap oder höher, so bekommt der Sparer den Höchstbetrag. Der Discount steigt mit Höhe der Schwankungsbreite des Bezugsobjekts. Der Käufer erhält ein Anrecht auf eine Aktie zu einem unter dem aktuellen Kurs liegenden Preis (Discount). Die Erträge liegen auf dem Niveau von Festgeld oder Geldmarktfonds.


Mittleres Risiko bei mittelmäßigen Gewinnchancen:


  • Gepufferte Produkte
    Darunter fallen Pro- und Bonus-Zertifikate. Sie haben eine festgelegte Absicherungs- und Bonusschwelle. Diese Absicherungsschwelle liegt unter dem Kurs des Bezugsobjekt bei der Emission, die Bonusschwelle liegt darüber. Liegt der Kurs des Bezugsobjekts während der Laufzeit des Zertifikats auf oder unter der Absicherungsschwelle, bekommt der Anleger bei Fälligkeit einen Betrag in Höhe der Bonusschwelle. Liegt der Kurs über der Bonusschwelle, profitiert der Sparer komplett vom gesamten Wertzuwachs.
  • Indexzertifikate
    Bei Indexzertifikaten schneiden die Anleger immer so gut oder schlecht ab wie der zugrunde liegende Index, etwa der DAX oder der Nasdaq.
  • Aktienanleihe
    Schuldverschreibung, deren Rückzahlungsbetrag vom Börsenkurs einer mit der Anleihe gekoppelten Aktie abhängt. Die Rückzahlung erfolgt zum Nennwert, falls der Aktienkurs am Bewertungstag einen zuvor festgelegten Kurs (Basispreis) erreicht bzw. übersteigt oder sie erfolgt durch Lieferung einer bestimmten Zahl von Aktien, wenn der Aktienkurs am Bewertungstag unter dem Basispreis liegt.


Hohes Risiko bei hohen Gewinnchancen:

  • Optionsscheine
    Die Standard-Optionsscheine werden auch "Plain Vanilla Warrents" genannt und es gibt sie als Calls oder Puts. Es sind Kaufoptionen, die eigentlich nicht direkt zu Zertifikaten gehören. Ein Call-Optionsschein verbrieft das Recht, eine bestimmte Bezugsmenge des Basiswertes (z.B. eine Aktie oder ein Index) zu einem im Voraus festgelegten Basiskurs zu kaufen. Liegt der Basiswert am Laufzeit-Ende unter besagten Basiskurs, macht der Anleger Totalverlust. Steigt innerhalb der Laufzeit der Basiswert, steigt auch der Wert der Option. Das Gewinnpotenzial ist also unbegrenzt bei steigenden Kursen. Bei einem Put-Optionsschein geht die Wette in die umgekehrte Rechnung. Das Gewinnpotenzial der Kaufoption ergibt sich durch fallende Kurse. Steigt der Kurs über den Basiskurs, fährt man als Anleger einen Verlust ein, der auf den Optionsscheinpreis beschränkt ist (Totalverlust).
  • Hebelzertifikate
    Die Produkte werden auch Turbo- oder Knock-out-Zertifikate genannt und gehen noch einen Schritt weiter als Optionen, da sie Gewinn oder Verlust einer Option mit einem bestimmten Hebel vervielfachen. Bei Knock-out-Zertifikaten sind die Gewinnchancen hoch, das Risiko eines Totalverlusts ebenfalls. Daher sind sie nur Finanzprofis zu empfehlen. Die Bank legt z.B. ein Knock-out-Zertifikat auf eine bestimmte Aktie auf, die bei 100 Euro notiert. Wird die Knock-out-Schwelle bei 80 Euro festgelegt, kostet das Papier 20 Euro. Steigt die Aktie um einen Euro, so steigt auch der Kurs des Zertifikats um einen Euro. Der Aktienkurs ist um ein Prozent gestiegen, der Kurs des Zertifikats um fünf Prozent, der Käufer hebelt sozusagen den Gewinn.


Spezielle Risiken

Neben den normalen Risiken einer Vermögensanlage in Wertpapieren kommen bei Zertifikaten spezielle Risiken hinzu. Schließlich wird das Risiko von Derivaten von allen Risiken des Bezugsobjektes (Rohstoffe, Devisen, Aktien etc.) mitbestimmt. Da der Faktor Zeit bei Zertifikaten eine wichtige Rolle spielt, können Anleger diese Produkte praktisch nie längere Zeit "unbeaufsichtigt" lassen. Denn Kursschwankungen bei den Märkten können bei Zertifikate blitzschnell von der Gewinn- in die Verlustzone abdrehen lassen (Preis- bzw. Kursänderungsrisiko). Das Emittentenrisiko bezieht sich auf das Risiko der Insolvenz des Emittenten (siehe Lehman Brothers) und des Unternehmens deren Wertpapiere das Bezugsobjekt für das eigene Zertifikat ist. Außerdem gibt es bei Bezugsobjekten, die in ausländischer Währung notieren (Internationale Aktien z.B.) immer auch ein Währungsrisiko.