Ärztekammer-Vize: "Selbstzerstörung" der privaten Krankenversicherung

Veröffentlicht am 10. Dezember 2010

Die privaten Krankenversicherungen (PKV) leiden unter den Ausgabensteigerungen im Gesundheitswesen, welche sie als Beitragserhöhungen an ihre Versicherten weitergeben müssen. Mittlerweile kümmern sie sich verstärkt darum, ausufernde Kosten zu begrenzen. So möchten sie zum Beispiel ähnlich wie die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) am Rabattsystem für Arzneimittel teilhaben. Das ruft Kritiker auf den Plan.

Einer davon ist Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer, der in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift “Versicherungswirtschaft” (22/2010) den privaten Krankenversicherern und dem PKV-Verband vorwirft, ein “beeindruckendes Schauspiel der Selbstzerstörung” zu liefern. Die Pläne kämen einer “GKV-isierung” gleich und bildeten im Erfolgsfall den Todesstoß für die Privaten.

Also fragt er: Warum gibt es die privaten Krankenversicherungen? Weil sie günstiger sind? Weil sie höhere Leistungen bieten? Weil der Versicherte einen besseren Service erhält?

Das Kostenargument wischt er vom Tisch angesichts der steigenden Preise in der PKV. Dass dafür nun gerade die wachsenden Kosten für Leistungen von Ärzten, Krankenhäusern und Pharmaindustrie verantwortlich sind, übergeht er. Bleibt der bessere Service. Privatpatienten hätten da tatsächlich die Nase vorn gegenüber den Kassenpatienten. Interessant ist die Ursachensuche. Zwar erkennt der Ärzte-Vizepräsident an, dass die PKV für ihre Versicherten höhere Leistungen vereinbaren kann. Diese Vertragsfreiheit ist ein entscheidender Vorteil gegenüber den Krankenkassen.

Vielmehr scheint ihm wichtig, dass der Privatpatient dank Gebührenordnung dem Arzt mehr Geld bringt – selbst bei identischer Leistung. Nun will jedoch die PKV mehr auf die Ausgaben achten. Dann wäre es Essig mit der Vorzugsbehandlung. Wenn Komforttarife und die Anreize der Gebührenordnung entfallen, stelle sich die Frage: “Mit welcher Begründung erwartet die PKV dann noch schnelleren und komfortableren Service?”

Versuchen wir die Argumente aus dem Propaganda-Sprech zu übersetzen, heißt die Kernbotschaft: Die private Krankenversicherung ist dafür gut, die Taschen der Ärzte zu füllen.

Ich verkenne nicht, dass für viele Versicherte die PKV mit der schnellen Terminvergabe und dem separaten Wartezimmer ein Wohlfühl-Produkt ist. Doch es gibt keinen Grund, das durch die Hintertür zu regeln – über eine unterschiedliche Bezahlung nach Gebührenordnung.

Toralf Richter

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