Kategorisiert | Fonds

Bildungsfonds: In kluge Köpfe investieren

Veröffentlicht am 21. Januar 2010

In keiner Politiker-Sonntagsrede darf der Hinweis fehlen: “Wir müssen mehr in Bildung investieren!” Einige Anleger lassen die Devise Wirklichkeit werden – mit Bildungsfonds. Einer der Anbieter, die Münchener Career Concept, meldet jetzt aktuelle Zahlen zu den Ausschüttungen. Rund eine Viertelmillion Euro haben die Investoren im letzten Jahr ausgezahlt bekommen. Das entsprach bis zu acht Prozent des jeweiligen Anlagekapitals. “Damit hat sich die ‘Anlageklasse Bildung’ etabliert”, sagt Vorstand Rolf Zipf.

Der Markt ist noch relativ klein. Neben der Münchener Firma, die 2002 ihren ersten privat finanzierten Bildungsfonds auflegte, sammelte bis Ende 2009 das Frankfurter Unternehmen Deutsche Bildung AG eine “höhere einstellige Millionensumme” für seinen Studienfonds I. Ein neuer soll demnächst folgen. Auf der einen Seite stehen bei diesem Konzept der Bildungsfinanzierung die Anleger. Sie investieren in einen geschlossenen Fonds, dessen Gelder die Fondsaufleger einsammeln und auf der anderen Seite an Studenten als Kredit ausreichen. Nach dem Examen zahlen die Uni-Absolventen von ihrem Gehalt die Summe zurück. Das Geld fließt dann als Ausschüttung an die Anleger.

Für die Studenten unterscheidet sich die Förderung durch einen Bildungsfonds in einigen Punkten von einem normalen Kredit. Zuerst durchlaufen sie ein Bewerbungsverfahren, danach erfolgt eine Zusage über einen Kredit – maximale monatliche Höhe etwa 1.000 Euro. Während des Studiums nehmen die Fondsinitiatoren ihre Schützlinge mit einem Karriereprogramm an die Hand und unterstützen sie bei Praktika oder durch ein Bewerbungstrainung.

Foto: Fachhochschule Mainz

Foto: obs/Fachhochschule Mainz

Bessere Absolventen erhalten schließlich höher dotierte Jobs und darauf kommt es auch für die Fondsrendite an. Für die Rückzahlung gilt nämlich kein Zinssatz, vielmehr entrichten die Jungakademiker einen festen Prozentanteil ihres Gehalts in den ersten Berufsjahren. “Ausfälle sind dabei übrigens wegen unseres Auswahlverfahrens praktisch kein Thema”, sagt Bildungsfonds-Manager Rolf Zipf. “Die Abschreibungen betragen nur 0,54 Prozent des aktuellen Gesamtportfolios. Insgesamt haben wir bisher rund drei Millionen Euro aus den abgeschlossenen Studienförderverträgen zurückerhalten.”

Ihren Anlegern machen die Initiatoren das Investment schmackhaft, indem sie eine Vor-Steuer-Rendite von etwas über 6 Prozent (nach Agio) versprechen. Um das zu erreichen, plante Career Concept im Jahr 2005 für den Bildungsfonds Exklusiv I mit durchschnittlichen Ausschüttungen von elf Prozent. 2009 waren es bei den verschiedenen Fonds bis zu acht Prozent. Da ein Studium mehrere Jahre dauert, braucht es einige Zeit, bis signifikante Rückflüsse bei den Anlegern ankommen. Selbst wenn Studenten eine Promotion anhängen, wird den Fondsauflegern nicht mulmig. Jene zahlen die Finanzierung erst später zurück, dafür im Durchschnitt von einem höheren Gehalt.

Als “Finanztest” das Fondskonzept im Jahr 2005 prüfte, wiesen die Verbraucherredakteure auch auf das Risiko der Geldanlage hin. “Niemand weiß, ob die verdienstabhängigen Rückzahlungen der Studenten hoch genug ausfallen, damit sich das Geschäft für die Investoren lohnt.” Doch vielleicht ist manchem Anleger neben der Rendite auch wichtig, etwas für die nachfolgende Generation zu tun. Schließlich gilt: “Wir müssen mehr in die Bildung investieren!”

tr

3 Kommentare zu “Bildungsfonds: In kluge Köpfe investieren”

  1. Jess sagt:

    Ich kann vor den Bildungsfonds der Career-Concept nur jeden Studenten warnen!! Geht zur Bank, fragt die Eltern… alles besser als Career-Concept. Mein Förderdarlehen lag bei lediglich Euro 8,000 und ich zahle nun seit mehreren Jahren jeden Monat ca. 4% meines Bruttoeinkommens plus zusätzliche Gebühr für die Lebensversicherung!! Das ganze satte 72 Monate lang bei einem Zinssatz von 15% p.a.!!! Damit ist meine Rückzahlung auf satte Euro 15,800 angeschwollen. Bei jeder Bank fährt man besser.

  2. tr1 sagt:

    Das Grundprinzip bei einem fixen Prozentsatz vom Einkommen ist, dass diejenigen mit einem überdurchschnittlichen Einkommen auch mehr zahlen. Ich trete hier nicht als Anwalt von Career Concept an, halte das Vorgehen aber für transparent.

  3. Axel sagt:

    Hallo Zusammen,

    ich hoffe das meine Nachricht viele erreicht. Auch ich rate dringend von einem solchen Kredit ab. Bei einem normalen Verdienst zahlt man sich schon fast in die Insolvenz. Ein Beispiel: leider kein Problem. Dr Gehalt ca. 3.500,00€ Brutto! Und jetzt festhalten…. Rückzahlung für 5 Jahre fest ……. 750,00€!!! So dazu noch Miete in München und ein Auto um auf die Arbeit zu kommen- Fazit unbezahlbar.
    Dies war leider von Anfang an nicht absehbar. Auch hier würde ich immer und jederzeit einen Bildungskredit der KFW im vorziehen.
    Passt auf Euch auf.

    Axel


Kommentar hinterlassen

(erforderlich)