Als der Sarg von Robert Enke vom grünen Rasen getragen wurde, verlor auch seine sonst so starke Ehefrau Teresa Enke die Fassung. Die Witwe brach in Tränen aus und blickte – vom engsten Familien- und Freundeskreis gestützt – dem letzten Geleit für ihren Mann nach. Und auch unter den mehr als 35.000 Trauergästen auf den Zuschauerrängen im Stadion mussten viele weinen, als der Kapitän des Bundesligisten Hannover 96 – sein Sarg wurde von den Mannschaftskameraden getragen – ein letztes Mal das Stadion verließ. Über 160 Bundesligaspiele hatte Enke hier für Hannover in den vergangenen Jahren bestritten.
Enke hatte sich das Leben genommen, nachdem er jahrelang unter Depressionen gelitten hatte.
Volkskrankheit Depression
Depressionen sind in Deutschland eine Volkskrankheit und die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Experten gehen davon aus, dass hierzulande derzeit etwa vier Millionen Menschen von der Diagnose Depression betroffen sind und über zehn Millionen Menschen bis zum 65. Lebensjahr an einer Depression erkranken.
Die Beschwerden prägen sich auf unterschiedliche Weise aus: Eine anhaltende gedrückte Stimmung, eine Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust sowie vielfältige körperliche Symptome, die von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen, sind mögliche Anzeichen einer Depression, wie die Kassenärztliche Vereinigung Bremen mitteilt. Die Mehrheit der Betroffenen hegt früher oder später Selbstmordgedanken, 10 bis 15 Prozent aller Patienten mit wiederkehrenden depressiven Phasen sterben durch Suizid. Viele der Betroffenen suchen allerdings keinen Arzt auf, sei es aus Unwissenheit, Verdrängung oder aus Schamgefühl.
Depressionen zählen zu den häufigsten Gründen für Berufsunfähigkeit. Die Störung verläuft dabei in der Regel in mehr oder weniger ausgeprägten Schüben.
Krankenkassen registrieren wachsende Anzahl Krankheitsfälle
Die Daten deutscher Krankenkassen aus den letzten Jahren belegen gestiegene Ausfallzeiten und Berufsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen. Bei Männern ist der Anteil psychischer Erkrankungen als Berentungsdiagnose von 8% im Jahr 1983 auf fast 27% im Jahr 2004 angestiegen, bei Frauen von unter 10% auf rund 37% (Verband Deutscher Rentenversicherungsträger, 2006).
Trotz insgesamt sinkender Krankenstände haben die Krankschreibungen aufgrund psychischer Störungen in den vergangenen fünf Jahren um 20% zugenommen (TK-Gesundheitsreport, 2005). Bedeutendste Zuwächse bei Arbeitsunfähigkeits-Quoten für Depression zwischen 2000 und 2004 um 42% (DAK-Gesundheitsreport 2005). Im Jahr 2004 waren 1% der Erwerbstätigen wegen Depression arbeitsunfähig (DAK- Gesundheitsreport, 2005).
Dr. Hans-Peter Unger, Vorstand und Initiator des Harburger Bündnisses gegen Depression, das Teil des Kompetenznetzes Depression ist: “Gerade in unserer hoch entwickelten Technologie- und Kommunikationsgesellschaft stellt die Depression fast so etwas wie den Arbeitsunfall der Postmoderne dar, während früher zum Beispiel in den Fabriken körperliche Verletzungen eine große Rolle spielten, ist insbesondere seit den 90er Jahren in den hoch entwickelten Industriegesellschaften eine Zunahme von depressiven Erkrankungen zu verzeichnen, gerade auch in jüngerem Alter und bei Angestellten.”
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