Die jüngste Geschichte vom Wüstenparadies Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wirkte ein bisschen wie ein Märchen aus “1001 Nacht”. In den letzten Tagen jedoch hat sich die Stimmung schlagartig verfinstert, nachdem bekannt wurde, dass die Staatsholding Dubai World schwer angeschlagen ist. Gläubiger und Anleger wurden aufgeschreckt. Die Geldnot am Golf beläuft sich auf 26 Milliarden Dollar – soviel ist die Holding schuldig. Ein Sanierungsplan soll jetzt alles wieder ins Lot bringen und die Scheichs aus ihrer Zahlungsnot erlösen.
Dubais Glanz war auf Sand gebaut
Die Probleme Dubais sind nicht neu. Scheich Mohammed bin Raschid al Maktoum wollte ein globales Handels-, Finanz- und Tourismuszentrum aus dem Sand wachsen lassen. Dafür hat sich Dubai kolossal verschuldet. Nun wird der Emir von Dubai von den Nachbeben der Finanzkrise getroffen.
Das Schicksal einiger Großprojekte wie in Dubai zeigt die Schwierigkeiten des Marktes und offenbar ging einigen bei dem hohen Entwicklungstempo die Puste vorzeitig aus. So wurden in den vergangenen Monaten die Baustellen für den Trump Tower auf der Palmeninsel Jumeirah oder das sogenannte Dubailand gestoppt.
Fondsanalyst Philip Nerb von werteanalysen.de sieht gegenüber Aspect Online in der Affäre “eine Bereinigung, da der Markt überhitzt war”. Anleger, die in Dubai in Projektentwicklungen involviert seien, sollten zwar damit rechnen, auf Kapital verzichten zu müssen – oder aber mindestens eine Laufzeitverlängerung der Anlagen in Kauf zu nehmen – “und damit weniger Rendite”. Nerb sieht allerdings einen ungebrochenen Bedarf an Wohn- und Büroraumen – was für Beteiligte in einem Immobilienfonds nicht unwichtig sein dürfte.
Dubai-Blase schon länger vorhersehbar
In der Tat vermuteten Experten in Dubai schon länger eine Blase, die irgendwann platzen würde. Dass der Dubai-Crash aber auch die Nachbarstädte und -staaten zum Zusammenklappen bringt, gilt als wenig wahrscheinlich. Andere VAE-Emirate wie Fudschaira und Schardscha haben es nämlich deutlich ruhiger angehen lassen. Die VAE stellen zwar einen politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluss der einzelnen Emirate dar. Dennoch handelt es sich bei jedem Emirat um ein autarkes Gebilde.
Nun fragen sich besorgte deutsche Anleger, die im Nahen Osten über 100 Millionen Euro in Aktien oder geschlossene Fonds investiert haben, wie sicher ihr Geld noch ist. Manche Fondsmanager, z.B. des geschlossenen Fonds Middle East Best Select, versuchen zu beruhigen: “Wir sind nicht in Projekten in Dubai aktiv”, heißt es in einer eilig versendeten Rundmail. Man habe die Entwicklung in Dubai bereits 2005 erkannt, davor gewarnt und sich konsequent aus diesem Markt zurückgezogen.
Dubai ist zwar die bekannteste Metropole am Golf – aber ökonomisch nicht sonderlich bedeutend. Dubai verfügt über nur geringe Erdöl- und Erdgas-Vorkommen und gilt daher eher als arm. Ganz anders sieht es beim großen Bruder Abu Dhabi nebenan aus, dessen reiche Ölquellen munter sprudeln und der über ausreichend Liquidität verfügt. Die Stadt sei wirtschaftlich ganz anders aufgestellt als Dubai, so Nerb. “Dubai ist in den VAE so etwas wie ein junger Wilder.” Abu Dhabi etwa zeige ein viel vorsichtigeres und planvolleres Vorgehen. Seiner Meinung nach lasse sich der wirtschaftliche Fortschritt trotz Rückschlägen nicht aufhalten. “Hier entsteht ein wirtschaftliches und politisches Machtzentrum, das einiges Tages weltweite Bedeutung haben wird.”
Strukturwandel im Nahen Osten hat gerade erst begonnen
Fakt ist: Der gigantische Strukturwandel im Nahen Osten hat soeben erst begonnen und es ist nicht klar, wie er enden wird. In den Augen vieler Europäer gilt das Konglomerat aus fragilen Staaten als durchaus wohlhabend aber chronisch rückständig. In nicht wenigen arabischen Länder sind Freiheit und Sicherheit in der Tat bestenfalls teilweise vorhanden – man denke nur an den bis dato ungelösten Israel-Palästina-Konflikt, den politisch zerrissenen Libanon, den immer noch nicht befriedeten Irak, das eher autoritär regierte Saudi-Arabien oder gescheiterte Staaten wie den Yemen.
Der Arab Human Development Report, der jährliche Entwicklungsbericht der UN für die arabischen Nationen, zeichnet auch für 2009 für die arabische Staatenwelt ein uneinheitliches und nicht immer schönes Bild. Die wirtschaftliche Entwicklung ist demnach starken konjunkturellen Schwankungen mit bisweilen heftigen Rückschlägen unterworfen, die Arbeitslosenrate eher hoch und Armut sehr präsent.
Besonders die Abhängigkeit vom Öl in vielen arabischen Staaten habe dem Report zufolge zu einem sehr instabilen und für Krisen sehr anfälligen Wirtschaftsmodell geführt. “Die Region liegt in puncto Entwicklung hinter ihrem Reichtum und ihren Möglichkeiten deutlich zurück”, heißt es dort weiterhin.
Golf-Anrainer planen Wirtschaftsgemeinschaft nach europäischem Vorbild
Das glitzernde Dubai schien dabei immer ein Lichtblick zu sein, mit seiner künstlichen Palmeninsel ein sogar aus dem Weltall sichtbares Symbol für den Wandel und die Reformfähigkeit einer eigentlich als reformunfähig verschrieenen Region. Aber nicht die VAE, auch andere Golfanrainer-Staaten wie Bahrain, Katar, Kuwait oder Oman, alle im Golf-Kooperationsrat GCC seit fast 30 Jahren liiert, heben sich mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung von arabischen Bruderländern wie Marokko oder Ägypten klar ab. In den Golfstaaten liegt das Einkommen deutlich höher als in der restlichen arabischen Welt. Sie bieten teils sehr gute wirtschaftliche und politische Voraussetzungen für chancenreiche Investitionen. Die Volkswirtschaften dort werden komplett umgebaut, um sie vom Öl unabhängig zu machen. Wachstumsbranchen wie Tourismus, Handel, Logistik, Telekommunikation, IT, Bildung, Finanzdienstleistung sollen Investoren anlocken. Katar etwa ist schon jetzt auf dem besten Weg, sich als internationales Zentrum für Flüssiggas zu etablieren. In der Folge wird der Staat seine Erdgasproduktion in den kommenden zwei Jahren verdreifachen.
Die GCC-Staaten bilden den fünftstärksten Wirtschaftsraum der Welt, sie sind Netto-Gläubiger und keine Schuldner. Experten von J. P. Morgen schätzen das Vermögen der Mitglieds-Länder bei einem Ölpreis von durchschnittlich 70 US-Dollar pro Barrel bis 2012 auf über sieben Billionen US-Dollar – rund doppelt so hoch wie jetzt. Übrigens: Wir haben in Deutschland rund 1,6 Billionen Euro Schulden.
Aufzuhalten ist das Wirtschaftswachstum im Persischen Golf wohl nicht. “Die Mitgliedsländer des Golf-Kooperationsrates bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft nach europäischem Vorbild”, sagt ein Sprecher der Bremer Middle East Best Select GmbH. Sie legt einen großen geschlossenen Fonds auf, der eine hohe Bandbreite an Investitionen verfolgt, etwa in staatlich geförderte Infrastruktur, Gesundheit, Logistik oder Immobilien. Middle East Best Select behauptet standfest: “In keiner anderen Region der Welt bestehen günstigere Rahmenbedingungen für hohe zweistellige Renditen. Der Wille zum Aufbau der Volkswirtschaften, in Verbindung mit der politischen Macht und den nahezu unerschöpflichen finanziellen Ressourcen sind die Grundlagen für rasantes Wachstum.”
Von Christian Minaty
