Die Glotze flimmert unaufhörlich auf mittlerweile Hunderten TV-Kanälen, doch längst nicht immer fühlt man sich als Zuschauer richtig informiert. Die Medienwirkungsforschung beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Medieninhalten auf das Verhalten der Medienkonsumenten.
Nach über 70 Jahren Untersuchung ist klar: Die Medien arbeiten nicht wie eine Propagandamaschine, die uns erfolgreich dazu zwingt, was wir denken sollen. Wohl aber schaffen es die Medien – allen voran das Fernsehen -, uns das Wissen aufzudrängen, worüber wir uns Gedanken machen.
Das hat manchmal fatale Auswirkungen – was mit Hinblick auf die aktuelle Finanzkrise mehr als deutlich wird. Da sich schlechte Nachrichten erwiesenermaßen besser verkaufen als gute, ist es nicht verwunderlich, dass wir von einer Flut an “bad news” von den Finanzmärkten in den letzten Wochen und Monaten regelrecht überrollt worden sind.
TV-Sender: Mitspieler statt nur Zuschauer
Glaubt man der Berichterstattung im amerikanischen und deutschen Fernsehen, so ist eine neue Weltwirtschaftskrise nicht mehr aufzuhalten. Auch in diesem Fall sind laut den Untersuchungen des Forschungsinstituts Media Tenor die Medien nicht lediglich ein Spiegel des realen Geschehens, sondern sogar ein Mitspieler. Gerade die Hiobsbotschaften der Fernsehnachrichten erreichen weite Kreise der Bevölkerung und beeinflussen sie.
Die Analyse von Media Tenor, das für den Ländervergleich bei der Wirtschafts-Berichterstattung 3.855 Beiträge in den USA, 6.365 Beiträge in Deutschland und 237 Beiträge in der Schweiz ausgewertet hat, zeigt, wie das Konsumklima der Fernsehberichterstattung folgt. Es bleibe jedoch nicht bei der Konsumstimmung, reale Kaufentscheidungen werden beeinflusst, so die Wissenschaftler.
Gute Nachrichten gehen häufig unter
Schon seit Anfang 2007 zeichnen die großen Networks ein jämmerliches Bild der US-Wirtschaft. ABC, CBS und NBC berichteten vor allem über die Hypothekenkrise. In Deutschland hat sich das Bild im Fernsehen seit August 2007 ebenfalls immer mehr verschlechtert. Selbst gute Nachrichten kommen kaum mehr durch – etwa vom Arbeitsmarkt, der in den vergangenen Jahren stets im Zentrum stand, wenn von gleichbleibend hohen Arbeitslosenzahlen zu berichten war.
Der Herdentrieb in den Abgrund lässt Nachrichten, die dem derzeitigen Trend zuwiderlaufen, null Chance. Damit schließt sich der Kreis. Ein Rezept gegen diese Art von Angst? Ein Fondsexperte liebt drastische Ratschläge: “Den Fernseher lieber ausmachen!”
Freilich geht es auch besser: “Mit der Ausnahme von Juli und August haben sich die Schweizer TV-Journalisten nicht vom Untergangsszenario anderer Medien anstecken lassen. Entsprechend ging der Konjunkturindikator nur im Juli zurück. Im September kauften die Schweizer dann wieder”, resümiert Roland Schatz, Chefredakteur von Media Tenor.

1 Kommentar zu “Fernsehen ohne Weitsicht”
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[...] Finanzdienst Aspect.online weist daraufhin, dass Medien selbst eine aktive Rolle im derzeitigen Finanzdesaster haben. [...]