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Finanzkrise (4): “Verlust der Banken unabsehbar”

Veröffentlicht am 23. Januar 2009

Jetzt also doch: Die Bundesregierung erwägt die Einrichtung kleiner «Bad Banks». Das Konzept soll eine Alternative zur bisher diskutierten Möglichkeit sein, faule Risikopapiere der gesamten Branche in einer einzigen sogenannten staatlichen Bad Bank zu bündeln. Doch reichen solche Maßnahmen? Diese und andere Fragen stellten wir Prof. Hans-Peter Burghof vom Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistung der Universität Hohenheim.

Prof. Burghof sieht eine Eigendynamik der Finanzkrise

Aspect Online: Herr Professor Burghof, Sie haben kürzlich mal gesagt, dass die Krise eine enorme Eigendynamik entwickelt habe und die Regierung dem einfach nur hinterherlaufe. Welche staatlichen Maßnahmen wären Ihrer Meinung nach jetzt dringend notwendig, um weiteren Schaden von der deutschen Wirtschaft fernzuhalten?

Prof. Burghof: Notwendig wäre entweder eine konsequente Befreiung der Bankbilanzen von den riskanten Positionen, die momentan die Refinanzierung der Banken behindern, oder aber ein konsequenter Ausweis aller Verluste und danach eine ausreichend dotierte Refinanzierung der Banken durch den Staat.

Aspect Online:  Das wird den Steuerzahler einiges kosten…

Prof. Burghof: Konsequenz ist gerade in den Krisen sehr teuer und die Politik wird den Bürger vor den Wahlen wahrscheinlich nur ungern mit dieser hohen Zeche konfrontieren wollen.

Aspect Online: Haben wir damit bei der Finanzkrise nun endlich das Gröbste überstanden oder kommt das Schlimmste noch?

Prof. Burghof: Wenn wir das wüssten! Zumindest haben die Staaten kapiert, dass sie das Bankenwesen stützen müssen. Die unmittelbare Gefahr eines Totalzusammenbruchs des Bankensystems hat sich damit deutlich reduziert. Das Volumen der drohende Verluste ist aber unverändert kaum absehbar.

Aspect Online: Die wichtigsten deutschen Wirtschaftsinstitute und -experten haben sich in letzter Zeit mit unterschiedlichsten Prognosen geradezu überboten: Die einen malen in schwärzesten Farben, die anderen sehen bereits einen Silberstreif am Horizont. Wie kann es sein, dass die Expertenmeinungen bei der Finanzkrise teilweise derart auseinander liegen, wenn man voraussetzt, dass keine groben Rechenfehler und völlig unterschiedliches Datenmaterial vorliegen?

Prof. Burghof: Es passieren sehr viele Dinge gleichzeitig, die auch teilweise sich in ihrer Wirkung gegenseitig bestärken. Das einfache Fortschreiben von Trends führt in einer solchen Situation zu keinen guten Prognosen, und über ein wirklich umfassendes Verständnis für alle möglichen Effekte und Zusammenhänge verfügt niemand. Bei gleicher Datengrundlage kann man daher zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Aspect Online: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Christian Minaty

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Lesen Sie alle Beiträge unserer Reihe zur Finanzkrise:

Finanzkrise (1): Gefahr noch nicht gebannt

Finanzkrise (2): Aufräumarbeiten beginnen

Finanzkrise (3): Zahlen wir bald mit Goldmünzen?

Finanzkrise (4): “Verlust der Banken unabsehbar”

Finanzkrise (5): “Konjunkturpakete sind schädlich”

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