2008 – das Jahr der Finanzkrise. An diesem Urteil werden sich noch Generationen von Wirtschaftshistorikern abarbeiten können. Wir haben Experten um eine Einschätzung gebeten.
In Teil 3 unserer Serie erklärt der Goldexperte Nathan Lewis (Buch: “Gold – Die Währung der Zukunft”), warum Stabilität für Währungen so wichtig ist und welche Rolle Gold dabei spielt.
Aspect Online: Herr Lewis, wenn es nach Ihnen geht, sollten wir dann an der Tankstelle, im Supermarkt und überall sonst nur noch mit Goldmünzen anstatt mit Euros bezahlen?
Nathan Lewis: Soweit wird es sicherlich nicht kommen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Währung der Zukunft an Gold gebunden sein wird, so wie es bei den nationalen Währungen in den 1950er und 1960er Jahren bereits der Fall war. Währungen an Gold zu binden, hat eine lange Tradition. Das war schon bei den Römern so und es hat gut funktioniert. Schauen Sie sich nur das britische Empire zwischen 1698 und 1914 an, da war die Währung 216 Jahre lang an Gold gekoppelt. Oder nehmen Sie die USA, die die weltweite finanzpolitische Vorreiterrolle nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen. Beide Male war die Gold-Bindung der jeweiligen nationalen Währung ein Stabilitätsfaktor, der sich günstig für ein enormes Wirtschaftswachstum erwiesen und letztlich zwei Weltmächte hervorgebracht hat.
Aspect Online: Es kursieren viele Mythen rund um das Edelmetall: Wie stabil ist Gold denn nun wirklich?
Lewis: Die wünschenswerteste Eigenschaft von Geld ist Stabilität. Gold hat diese Stabilität. Wenn eine Währung also an etwas so Stabiles wie Gold gekoppelt ist, ist auch sie stabil. Heute versuchen die Regierungen oft, Krisen durch eine manipulative Geldpolitik zu lösen. Das erzeugt aber nur noch größere Probleme, die in einem Crash enden können. Wenn man an diesem Punkt angelangt ist, setzen immer mehr Menschen auf die stabilste anstatt die am meisten manipulierbare Währung. Und die stabilste Währung ist und bleibt eben Gold.
Aspect Online: Vermutlich spielen Sie auf den weltweiten Run der Verbraucher auf Gold an, den die Händler in den letzten Monaten zu verzeichnen hatten. Es gibt jedoch nicht wenige Experten, die glauben, dass man mit Gold früher oder später einen herben Verlust einfährt.
Lewis: Gold ist deswegen so stabil, weil es seinen Wert nie ändert. Eine Unze Gold ist in etwa so viel wert wie der sprichwörtliche Anzug eines noblen Mannes. Ein Beispiel: Schon in der Antike kostete eine römische Toga rund eine Unze Gold. Was ich damit sagen will ist, dass wenn es mit dem Goldwert rauf und runter geht, dies eigentlich nur der Wert der frei schwankenden Währung ist, nicht der Wert des Goldes an sich. Kurzfristig gesehen kann eine Währung eine Kurssteigerung erfahren, in der es nicht vorteilhaft ist, in Gold zu investieren. Langfristig gesehen ist Gold interessant, vor allem dann, wenn Währungen an Wert verlieren und wenn Risiken bestehen, dass Banken insolvent werden oder Staatsversagen vorliegt. Beides können wir im Moment beobachten.

Aspect Online: Sie schreiben, dass es besser ist, einen Goldbarren zu kaufen anstatt ein Zertifikat. Die Banken dürften darüber nicht erfreut sein?
Lewis: Nochmal zurück zum Beispiel mit der römischen Toga: Wenn Sie eine Unze Gold vor 2000 Jahren vergraben hätten, könnten sie diese nun wieder ausbuddeln und sich auch heute noch damit einen veritablen Anzug kaufen. Wenn Sie das gleiche stattdessen mit einem römischen Zertifikat gemacht hätten, dann wäre dieses heute wertlos. Ich wäre natürlich generell vorsichtig, überhöhte Preise für Gold zu bezahlen. Auch von Zertifikaten, die mit Gold zu tun haben, würde ich Abstand nehmen. Trotzdem würde ich mit Sicherheit versuchen, echtes Gold zu kaufen, gerade in dieser Krisensituation.
Aspect Online: Da Gold aufgrund seiner Seltenheit so wertvoll ist, dürfte es aber nicht jeder kaufen können.
Lewis: Es steht wirklich nicht viel Gold zur Verfügung, und das meiste davon gehört bereits irgendjemandem. Es gibt vier Milliarden Unzen Gold weltweit – vorwiegend in Form von Schmuck, Zahnfüllungen, Uhren etc. Nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung kann Gold also überhaupt kaufen, geschweige denn eine wirtschaftlich sinnvolle Menge davon. Diese Menge beträgt etwa zwanzig bis fünfzig Unzen.
Aspect Online: Welche Rolle kann Gold aus Ihrer Sicht spielen, die Finanzkrise zu beenden?
Lewis: Jeder, der heute in die Zeitungen schaut, wird erkennen: Die meisten Staaten glauben immer noch, dass die Manipulation der Währung einen großen Vorteil darstellt. So lange sich niemand über die Inflation beschwert, wird das auch munter so weiter gehen. Die größten Währungsprobleme finden wir derzeit in Island und Russland. Trotzdem könnten die Währungsturbulenzen auch bald in Ländern wie den USA oder Deutschland sichtbar werden. Ich halte sogar eine weltweite Hyperinflation wie in Simbabwe (dort wurden kürzlich 100-Billionen-Geldscheine gedruckt, Anmerkung der Red.) für längst nicht mehr ausgeschlossen. Ich erwarte, dass mehr und mehr Länder wie etwa Malaysia, Vietnam, China oder auch Länder des Nahen und Mittleren Ostens sich bald entscheiden, eigene Wege abseits der angelsächsischen Finanzpolitik zu gehen. Sprich: Sie werden an Gold gekoppelte Währungen vorziehen, was den vernünftigsten und bewährtesten Ansatz darstellt.
Aspect Online: Herr Lewis, danke für das Gespräch.
Das Interview führte Christian Minaty
Fotos: Nathan Lewis, fotolia
Nathan Lewis
Gold – Die Währung der Zukunft
FinanzBuch Verlag, München, 2008
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Lesen Sie alle Beiträge unserer Reihe zur Finanzkrise:
Finanzkrise (1): Gefahr noch nicht gebannt
Finanzkrise (2): Aufräumarbeiten beginnen
Finanzkrise (3): Zahlen wir bald mit Goldmünzen?


Sehr interessantes Interview!
Lesen sie doch mal das Buch “Was tun, wenn der Crash kommt” von E & E Hamer, OLZOG-Verlag.
Hoffentlich haben Sie damit Glück!
Das Buch von Nathan Lewis ist überaus empfehlenswert. Ich kann es nur jedem empfehlen, der am Thema interessiert ist. Was die Inflation betrifft: Wo soll denn das ganze Geld herkommen, das derzeit von sämtlichen Regierungen bereitgestellt wird? Natürlich wird es gedruckt. Eine Inflation ist somit unabdingbar.
Hallo
Danke für diesen interessanten Beitrag!
Generell würde ich es so sehen, dass man mit Edelmetallanlagen nicht
so viel verkehrt machen kann wie etwa mit Aktien, wo es oftmals ein Glücksspiel ist, was man am Ende dabei
rausbekommt. Auch wenn die Rendite bei Edelmetallen wie Gold oder Platin klein(er) ist – gegeben ist sie auf jeden Fall.
Aber das ist denke ich auch ein Stückweit Geschmacks- und Persönlichkeitssache
Grüße
Konstantin