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Finanzkrise (6): “Kaufen Sie Aktien aus resistenten Branchen, Gold und Immobilien”

Veröffentlicht am 06. März 2009

An der Finanzkrise werden sich noch Generationen von Wirtschaftshistorikern abarbeiten können. Wir haben Experten um eine Einschätzung gebeten. In Teil 6 unserer Serie sprechen wir mit dem Börsenexperten Stephan Heibel (Branchendienst Heibel-Ticker Börsenbrief) über Aktienkäufe und das richtige Portfolio in Krisenzeiten.

Stephan Heibel

Aspect Online: Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Verbraucher in den Finanzsektor nachhaltig erschüttert. Wie kann die Politik wieder einen Rahmen setzen, der dem  Sparer mehr Sicherheit garantiert?

Stephan Heibel: Die Politik muss hier eine Gratwanderung vollführen: Eine grundlegende Reform der Finanzmärkte ist erforderlich, doch auf härtere Offenlegungsvorschriften sind unsere Finanzinstitute nicht vorbereitet. Eine gnadenlose Einführung solcher Regeln würde meiner Ansicht nach eine Lawine von Insolvenzen lostreten. Der deutsche Sparer, der erst vor kurzem von der Politik beigebracht bekam, bitte selbst für seine Rente zu sparen, würde einen Großteil seiner Altersvorsorge verlieren. Auf der anderen Seite hat sich das aktuelle Finanzsystem nicht bewährt, insbesondere die Derivatebranche (Emittenten von Zertifikaten und ähnlichem) hat ein Schwungrad in Schwung gebracht, das sie nun nicht mehr beherrscht. Es müssen erweiterte Aufsichts- und Meldepflichten eingeführt werden, und das wird die Derivatebranche weiter verkleinern, sprich Vermögen vernichten.

Aspect Online: Wie soll man sein Geld heute anlegen? Soll man überhaupt noch in Aktien bzw. einen Aktienfonds einsteigen?

Stephan Heibel: Was wir von unseren Eltern gelernt haben, Aktien zu kaufen und abzuwarten, gilt heute nicht mehr: Wer heute Aktien kauft, der muss am Ball bleiben, muss bereit sein, seine Meinung zu ändern und zwischenzeitliche Verluste zu realisieren. Die Eigenkapitalerfordernisse werden künftig wesentlich schärfer ausfallen, so dass die Dividende nur bei solchen Unternehmen als gesichert angesehen werden kann, die eine gute Eigenkapitalquote und gleichzeitig einen großen freien Cashflow haben. Das sind nur sehr wenige Unternehmen im DAX und MDAX. Sinnvoll ist eine breite Streuung mit grundsätzlich anderen Anlagemöglichkeiten neben der Börse. Ich empfehle immer Immobilienbesitz sowie physisches Gold (Goldbarren und Goldmünzen). Derzeit halte ich einen Goldanteil von 20-30% am liquiden Vermögen für sinnvoll. Die Immobilie stellt weniger einen Vermögenswert als vielmehr die Sicherung der Unterkunft dar.

Aspect Online: Sind das tatsächlich Garanten für Erfolg für Aktien: niedriger Schuldenstand bei Unternehmen, niedriges geschäftliches Risiko, Märkte mit hohen Eintrittsbarrieren?

Stephan Heibel: Ein niedriger Schuldenstand ist in dieser Liquiditätskrise, wo Refinanzierungen schwerer sind denn je, sehr wichtig. Ein niedriges geschäftliches Risiko sowie hohe Markteintrittsbarrieren sind immer wünschenswert aus Sicht eines Unternehmens. Daraus folgt ein hoffentlich hoher freier Cashflow, der dem Unternehmen auch in Zeiten wegbrechender Absatzmärkte das Überleben sichert.

Aspect Online: Und aus welchem Bereich sollten die Unternehmen idealerweise kommen?

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“Meine Favoriten: Aktien aus den Märkten Energie, Nahrung und Gesundheit”

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Stephan Heibel: Ich würde derzeit darauf achten, dass das Unternehmen in einem Markt agiert, der Grundbedürfnisse abdeckt: Energie, Nahrung, Gesundheit sind da meine Favoriten.

Aspect Online: Wie sollte ein gutes Aktien-Portfolio heute aussehen?

Stephan Heibel: Nun, nach den vergangenen 13 Tagen, mit 12 Verlusttagen, muss die Antwort lauten: Ein gutes Depot sollte keine Aktien enthalten (lacht). Aber das ist zu kurz gedacht, denn wer sich aus dem Aktienmarkt verabschiedet, der wird nicht rechtzeitig einsteigen, um die “irgendwann” folgende Rallye zu nutzen. Derzeit würde ich also nach Absicherungsstrategien Ausschau halten: Zum einen sollten die enthaltenen Aktien aus obigen Branchen stammen, die eben konjunkturresistent sind. Zum anderen würde ich das Depot mit einem Put-Optionsschein absichern, damit Sie die Verluste der Aktien ein wenig abfedern können. Ein in meinen Augen optimales Portfolio mit fünf von den 30 DAX-Werten habe ich im vergangenen Dezember vorgestellt. Sie können diese ausführliche Studie unter heibel-ticker.de beziehen.

Aspect Online: Edelmetalle auch?

Stephan Heibel: Ja, Edelmetalle und Immobilien gehören zur sinnvollen Risikostreuung. Mit langläufigen Anleihen wäre ich derzeit vorsichtig, lediglich ein paar kurzläufige oder jederzeit verfügbare Geldmarktpapiere würde ich ins Depot nehmen.

Aspect Online: Sie haben kürzlich gesagt, dass die “versteckte Verstaatlichung Vermögensanleger verschreckt”. Warum?

Stephan Heibel: Das bezieht sich insbesondere auf die Situation in den USA. Dort versäumt es die Administration, für klare und zukunftsweisende Finanzmarktregeln zu sorgen und nimmt den Finanzinstituten damit die Möglichkeit, sich aus eigener Kraft zu retten. Kein Mensch würde derzeit beispielsweise eine Kapitalerhöhung von Banken zeichnen, wenn dort “normale” Aktien angeboten würden. Das Risiko ist zu groß. Die einzige Möglichkeit, frisches Kapital anzulocken waren bis vor kurzem Vorzugsaktien, denen eine bevorzugte Dividendenberücksichtigung zugesichert wurde. Doch nun hat die US-Administration die Vorzugsaktien der Citigroup in normale Stammaktien umgewandelt und die Dividende gestrichen. Damit ist der Vorteil der Vorzugsaktien mit einem Federstrich beseitigt und kein Anleger wird nunmehr Vorzugsaktien kaufen wollen.

Aspect Online: Die Banken können sich also kaum mehr selber retten?

Stephan Heibel: Genau, den Banken ist so die Möglichkeit genommen, selber durch ein schlüssiges Konzept frisches Kapital anzulocken, sie schlittern unweigerlich in eine Insolvenz, aus der sie nur noch vom Staat gerettet werden können. Und am Ende muss die Bank sogar “dankbar” für die Rettung sein. Ich sehe darin einen Fehler im Vorgehen der Obama-Mannschaft. In Deutschland gibt es einen ähnlichen Fall: Die HypoRealEstate kann nun zwangsverstaatlicht werden, der Großaktionär Flowers wird enteignet. Damit wird auch in Deutschland Unsicherheit darüber geschaffen, wie mit den Anteilen von anderen Banken verfahren wird, wenn weitere Zahlungsprobleme auftreten. Und dadurch wird es künftig auch den anderen Banken in Deutschland nicht mehr möglich sein, sich aus eigener Kraft zu refinanzieren. Das ist übrigens in meinen Augen auch der Hauptgrund für den aktuellen Ausverkauf. Banken werden auf Null gehen, bzw. müssen dann eben auch verstaatlicht werden, wenn nicht eine verlässliche Strategie zur Rettung der Banken seitens der US-Administration sowie der Bundesregierung bekannt gegeben wird.

Das Interview führte Christian Minaty

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Lesen Sie alle Beiträge unserer Reihe zur Finanzkrise:

Finanzkrise (1): Gefahr noch nicht gebannt

Finanzkrise (2): Aufräumarbeiten beginnen

Finanzkrise (3): Zahlen wir bald mit Goldmünzen?

Finanzkrise (4): “Verlust der Banken unabsehbar”

Finanzkrise (5): “Konjunkturpakete sind schädlich”

1 Kommentar zu “Finanzkrise (6): “Kaufen Sie Aktien aus resistenten Branchen, Gold und Immobilien””

  1. “Wer heute Aktien kauft, der muss am Ball bleiben, muss bereit sein, seine Meinung zu ändern und zwischenzeitliche Verluste zu realisieren.”

    Wer heute noch glaubt, solche, oder ganz allgemein, gute Tipps zu geben, der irrt. Die Verschachtelungen der hektischen Krisenabläufe sind so verworren und unvorhersehbar, dass ich es fahrlässig finde, irgendwelche Anlagetipps zu geben. Zu Immobilien-Investitionen zu raten, schon gar nicht.
    Wer heute Tipps gibt, betreibt Kaffeesatz-Lesen


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