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Finanzkrise (9): Rettungsanker Gold, Silber und Platin?

Veröffentlicht am 30. April 2009

"Breit gestreut, nie bereut": Goldexpertin Beate Sander

"Breit gestreut, nie bereut": Goldexpertin Beate Sander

Die Finanzkrise beschäftigt – trotz Schweinegrippe – weiterhin die Gemüter. Wir haben Experten um eine Einschätzung gebeten. In Teil 9 unserer Serie erklärt Börsen-, Wirtschafts- und Schulbuchautorin Beate Sander, warum Privatanleger sich nicht nur für Goldbarren und Goldmünzen, sondern auch für Goldaktien und Goldfonds interessieren sollten.

Aspect Online: In Ihrem Buch “Gold, Silber, Platin” wenden Sie sich direkt an den Privatanleger. Wie hat sich Ihr Interesse dafür entwickelt, Traderin zu werden und anderen Leuten Börsen-Tipps zu geben?
Beate Sander: Eigentlich geschah dies durch den Schulunterricht im Fach Wirtschaft und Recht. Meine Realschüler und deren Eltern wünschten eine Börsen-AG – damals angeheizt durch die “Volksaktie” Deutsche Telekom und den Börsenboom am längst “beerdigten” Neuen Markt. Ich habe  das Projekt “Der kleine Börsenführerschein” und “Der große Börsenführerschein” entwickelt und darüber mehrere Live-Sendungen im Fernsehen gemacht. Ich wollte junge Leute auf spannende, leicht verständliche und didaktisch gut aufbereitete Art und Weise für Wirtschaft und Börse begeistern. Das Echo war riesig – auch noch während der Anfangsphase des Crashs 2000. Ob damals oder heute: Die Börse hat mir viel mehr gegeben als etwa genommen – ich meine nicht nur Geld.

Aspect Online: Edelmetalle haben Ihrer Ansicht nach auch an der Börse eine goldene Zukunft: Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Sander:
Ich habe einen ETC (Exchange Traded Commodity = börsengehandeltes Rohstoffpapier) mit Gold, Silber, Platin und Palladium gekauft. Als Langzeitanlegerin verkaufe ich nicht, zumal diese physisch hinterlegte ETC-Anlage als ein vor 2009 erworbener Altbestand nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei bleibt. Platin ist durch den drastischen Auftragsrückgang, sowie den Umsatz- und Gewinneinbruch in der Autozulieferindustrie (Katalysatoren für den Dieselmotor) zeitweilig abgestürzt. Die Autoindustriekrise ist nicht von Dauer, sondern von vorübergehender Natur mit erhoffter Erholung ab 2010/2011, vielleicht auch schon im 2. Halbjahr 2009. Platin wird auch in der Medizintechnik, in der Schmuckindustrie und für monetäre Ziele (Barren, Anlagemünzen – wenig Gewicht, großer Wert) gebraucht. Auch mit XETRA GOLD (physisch hinterlegt) von der Deutschen Börse AG kann ein Privatanleger bei längerem Anlagezeitraum kaum etwas falsch machen. Außerdem habe ich mir einige der führenden Goldminenaktien ins Depot gelegt, große Werte aus Australien und Kanada. Dies geschah bereits vor 2009, um mir einen steuerfreien Langzeitbestand aufzubauen.

Aspect Online: Aufgrund der Finanzkrise hält der Goldrausch der Verbraucher an. Sollte jetzt jeder auf den Goldzug aufspringen – oder ist es aufgrund des hohen Preises eh schon zu spät dafür?
Sander: Dr. Jens Ehrhardt aus München, zum besten Fondsmanager, Vermögensverwalter und Börsenstar 2008 gekürt, schrieb in der neuesten Ausgabe von BÖRSE ONLINE einen Kurzkommentar. Ich zitiere: “Der Goldhöchstpreis von 850 Dollar aus dem Jahr 1980 entspricht unter Berücksichtigung der Inflation heute 2.200 Dollar.” Die meisten Analysten schätzen bis zum Ende dieses Jahres 2009 den Goldpreis zwischen 1.000 und 2.000 Dollar je Feinunze Gold (31,1 Gramm). Da ist noch einiger Spielraum nach oben vorhanden. Mein Rat: Kurse beobachten, Volatilität nutzen, erste Tranche (50 % des geplanten Einsatzes) bei derzeitigen Kursen um 900 Dollar je Feinunze riskieren (“zur Befriedigung der Gier”). Die zweite Hälfte kaufen, falls der Preis noch etwas fallen sollte. Geschieht dies nicht, ist man wenigstens mit im Boot und freut sich über den Kursgewinn seines getätigten Investments, statt sich über den verpassten Einstieg mit höherem Volumen zu ärgern.

Aspect Online: Wenn man sich gegen anfassbares Gold entscheidet: Worauf sollte man als Anleger bei Gold-Wertpapieren achten?
Sander: Bei Goldaktien empfehle ich die großen Werte, über die ich auch Nachrichten und Kennzahlen bekomme. Bei den Winzlingen erfahre ich nichts – außer ein Börsenbrief empfiehlt sie mir. Da tappe ich ohne den Börsenbrief letztlich im Dunklen und bin bei Kündigung allein gelassen. Bezüglich der Kennzahlen sind wichtig: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Buchwert, Marktkapitalisierung, Ergebnis pro Aktie, Kursentwicklung, Liquidität, auch ob das Management kauft oder verkauft. Hilfreich sind auch Analysteneinstufungen. Aber auf eine einzelne Meinung würde ich mich nie verlassen. Immer gilt es, mehrere Informationsquellen zu nutzen. Ich selbst möchte auch etwas wissen über das Unternehmen, womit es sein Geld verdient, wo es tätig ist, wie es sich mit den Reserven und Ressourcen verhält, ob es nachhaltig wirtschaftet, substanzstark ist und eine gesunde Bilanzstruktur aufweist. Eine ordentliche Dividende ist als Sahnehäubchen willkommen. Bei Fonds schaue ich auf das Rating, den Ruf des Fondsmanagers, die Kursentwicklung über einen längeren Zeitraum. Das Management sollte sehr flexibel auf Marktströmungen und Stimmungsindikatoren mit Hoch- oder Runterfahren der Aktienquote reagieren.

Aspect Online: Sie schreiben ja auch, dass es verschiedene Edelmetall-Anlegertypen gibt…
Sander: Das Schöne ist ja, dass der Edelmetallsektor für jeden Anlegertyp etwas bietet. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: Der konservative, sicherheitsbewusste Anlegertyp legt sich Barren und Anlagemünzen ins Depot. Wer chancenorientiert ist, wählt Edelmetall-, Gold-, Silber-, Platin-ETCs und entsprechende Themenfonds, eventuell auch ein Goldminen-Indexzertifikat. Er kann auch das Risiko streuen, indem er z. B. mit fünf bis zehn Prozent Anteil in einen Managed Futures-Fonds investiert, der immer einen Anteil Edelmetall-Futures führt und auf steigende wie auf fallende Kurse setzt. Der risikobewusste Anleger greift auch zu guten Bergbau- und Goldminenaktien, vor allem dann, wenn er Zeit und Lust hat, den Markt zu beobachten und die Spannung, vielleicht auch einen gewissen Nervenkitzel an der Börse liebt.

Aspect Online: Mit Knock-Out-Zertifkaten geht es noch spekulativer zu. Dann kann man eigene Gewinne – aber auch die Verluste – vervielfachen.
Sander: Genau. Wer als Kurzzeittrader das schnelle Rein und Raus bevorzugt, findet in Hebelzertifikaten die für ihn passenden Finanzinstrumente, nämlich Gold, Silber, Platin und Edelmetall Mini Future Long bzw. Call (steigender Markt) und Mini Future Short oder Put (fallende Märkte), je nachdem, wie er die Marktentwicklung in nächster Zeit einschätzt. Allerdings entspricht dieser Ansatz nicht meiner Anlagestrategie.

Aspect Online: Wie gehen Sie persönlich mit der weltweiten Finanzkrise um?
Sander: Zunächst einmal in Stichpunkten kurz zusammengerafft, wovon sich jeder mündige Anleger distanzieren sollte: Keine Pauschalverurteilungen, keine Suche nach Sündenböcken, keine übertriebene Schwarzmalerei, kein passives Verharren an der Seitenlinie, kein Jammern und Wehklagen, sich nicht hinter der Vertrauensverlust-Mauer verstecken. Was sicherlich besser ist und ich selbst im Alltag umzusetzen versuche: Zuversicht aufbauen, Ärmel hochkrempeln, unternehmerisch und couragiert handeln, eine Art Gründermentalität entwickeln, sich verantwortlich fühlen und einstehen für das, was man macht. Jeder kann in seinem Lebensumfeld etwas tun! Da unsere Wirtschaft Eigen- und Fremdkampital braucht, um die schwere Wirtschaftskrise zu überwinden, gilt es, den Aktionären den Rücken zu stärken, statt sie zu diskriminieren. Eine Börsenumsatzsteuer zu erheben ist Hohn nach den dramatischen Kursabstürzen. Warum nicht dem Langzeitanleger wieder die Chance auf steuerfreie Veräußerungsgewinne ab einer bestimmten Haltefrist auch bei Neuinvestments ab 2009 einräumen oder das Halbeinkünfteverfahren wieder einführen?

Das Interview führte Christian Minaty

Wenn Sie sich für Fonds-Investments im Bereich Edelmetalle interessieren: Suchen Sie in unserem Fondsfinder (z.B. “Mining” in der Suche eingeben) nach einem passenden Fonds und reduzieren Sie durch Vergleich den Ausgabeaufschlag.

Buchtipp:
Beate Sander
Gold, Silber, Platin – Die sichere Zukunft für Privatanleger
FinanzBuch Verlag, München, 2009

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Lesen Sie alle Beiträge unserer Reihe zur Finanzkrise:

Finanzkrise (1): Gefahr noch nicht gebannt

Finanzkrise (2): Aufräumarbeiten beginnen

Finanzkrise (3): Zahlen wir bald mit Goldmünzen?

Finanzkrise (4): “Verlust der Banken unabsehbar”

Finanzkrise (5): “Konjunkturpakete sind schädlich”

Finanzkrise (6): “Kaufen Sie Aktien aus resistenten Branchen, Gold und Immobilien”

Finanzkrise (7): “Dreiviertel der Derivatekäufer haben falsch investiert”

Finanzkrise (8): “‘Bank-Manager dürfen Risiken nicht mehr ausblenden’”

4 Kommentare zu “Finanzkrise (9): Rettungsanker Gold, Silber und Platin?”

  1. Howy sagt:

    Hi, interesting post.

  2. Andre sagt:

    Meiner Meinung nach ist es wohl die beste Lösung sich mit Edelmetallen einzudecken und sein Geld nicht unglaubwürdigen Banken anzuvertrauen

  3. Daniel sagt:

    Silber war ja zuletzt deutlich stärker als Gold, aber auch volatiler.
    Im zweiten Quartal hat das Edelmetall mit Industrieverwendung auch von der Erholung der reinen Industrierohstoffe profitiert, was den Anstieg auf Grund der steigenden Goldpreise noch verstärkt hat. Sollte sich aber die Nachfrage nach Silber als Investment abkühlen, könnte der Preis auch schnell wieder abstürzen….

  4. Hartwig Knapp sagt:

    Sehr guter Artikel mit guten Abwägungen. Insbesondere im Rückblick gibt es hier viele schon eingetretene Wahrheiten.


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