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Fondsberater: Der Goldpreis steigt weiter

Veröffentlicht am 17. Oktober 2011

Fondsberater: Der Goldpreis steigt weiter

Erst stieg der Goldpreis in ungeahnte Höhen, dann erlebte er einen Rückschlag. Ist da eine Blase am Platzen oder hat ein Trend nur eine Verschnaufpause eingelegt? Aspect Online sprach mit Martin Siegel, Fondsberater für den Stabilitas Pacific Gold+Metal darüber, ob Privatanleger jetzt Gold kaufen sollten. Sein Fonds investiert in Unternehmen, die Gold und andere Edelmetalle schürfen.

Aspect Online: Viele Kleinanleger sind wegen der Griechenland-Krise verunsichert. Sollten sie jetzt verstärkt in Gold investieren?

Martin Siegel: Lassen Sie es mich so formulieren. Wenn Sie glauben, dass der Bundesfinanzminister den Haushalt im Griff hat und dass die EU-Minister die Probleme mit den Schuldenstaaten und dem Euro lösen werden, dann brauchen Sie nicht in Gold zu investieren.

Sie glauben offensichtlich nicht daran?

Nein. Wir haben kein solides Währungssystem mehr. Das Kreditpyramidensystem mit dem Papiergeld ist an seine Grenzen gelangt. Man kann nicht ständig mit neuen Krediten für alte bürgen. Die Rettung der französisch-belgischen Dexia-Bank ist doch kein Anzeichen einer soliden Geldpolitik. Die Bank vergibt vor allem Kommunalkredite und die müssen jetzt mit Staatsgeldern gesichert werden. Der Staat bürgt so mit neuen Krediten für sich selbst. Dass dabei das Vertrauen in die Währung schwinden wird, müsste eigentlich jedem klar sein.

Und deshalb in Gold investieren?

Gold schützt Anleger vor den Folgen der Inflationspolitik der Zentralbanken. Derzeit weiten die Notenbanken die Geldmenge immens aus – also eine Inflation, von lateinisch “inflare” – und die Entwicklung ist politisch gewollt. Die Zentralbanken kaufen Anleihen auf, die die Staaten zuvor ausgegeben haben. Die größere Geldmenge führt am Ende in allen Bereichen zu steigenden Preisen. In diesem Umfeld ist Gold als Investment die erste Wahl.

Sie halten den aktuellen Goldpreis noch für attraktiv, waren 1.900 Dollar pro Feinunze nicht das Zeichen einer Blase?

Den aktuellen Preis von etwas weniger als 1.700 Dollar halte ich für ausgesprochen fair angesichts der Haushaltspolitik, die ich beschrieben habe. Ich hatte in den letzten 10 Jahren immer ein faires Goldpreisziel, das permanent weit über dem jeweils aktuellen Kurs lag und zuletzt auf 1.700 Dollar angehoben wurde.

Demnächst werde ich das Kursziel weiter anheben und zwar in dem Umfang, wie die Notenbanken die Geldmenge ausweiten. Dazu fehlen derzeit noch verlässliche Zahlen. Eine Blase haben wir derzeit also nicht. Aber es werden immer mehr Teilnehmer in den Markt einsteigen, sie werden den Preis weiter treiben und dann wird es irgendwann auch zur Blase kommen. Gemessen am Anfang 1980 erreichten Bewertungsniveau, wären bei der Ausbildung einer Blase Goldpreise von über 3.000 Dollar denkbar.

Einige Beobachter sagen ein starkes Fallen des Goldpreises voraus. Könnte er auch wieder bei 500 Dollar liegen?

Das halte ich zwar nicht für unmöglich, ist aber im Umfeld der aktuellen Geldpolitik praktisch ausgeschlossen. Sollte sich die Politik jedoch für einen harten Schnitt entscheiden und die Zinsen stark anheben, so dass die Wirtschaft in eine Rezession läuft und marode Banken Pleite gehen, dann rutscht der Goldpreis in den Keller. Aber dafür gibt es keinerlei Anzeichen.

Welche Investments in Gold eignen sich denn für Privatanleger?

Eine gute Option ist zum Beispiel physisches Gold. Kaufen Sie 1-Unzenstücke, zum Beispiel den Krügerrand als Klassiker, und lagern Sie das Gold im Bankschließfach. Im Tresor zu Hause ist es nicht gut aufgehoben. Da gibt es irgendwann doch Begehrlichkeiten Fremder oder die Erben vergessen es einfach im Versteck.

Die Gold-ETF – Fonds, die den Goldpreis nachbilden – kann der Anleger aber schneller und in passender Anlagesumme kaufen und über die Börse wieder verkaufen, mit einem Klick in seinem Online-Depot.

Bei diesen Fonds haben Sie aber ein Kontrahentenrisiko, sie kaufen eine Schuldverschreibung des Fondsinitiators und müssen darauf bauen, dass er das Gold auch wirklich kauft. Im Fall einer schweren Krise wäre mir ein Rettungsring lieber als ein Zertifikat auf einen Rettungsring.

Sagen Sie das nicht nur, weil Gold-ETFs eine Konkurrenz zu ihrem Fonds sind?

Nein. Es gibt gewichtige Argumente. Das Gold liegt im Keller irgendwelcher Banken, oft über den Erdball verstreut. Die Fonds versprechen zwar, dass sie es ausliefern, wenn der Kunde das wünscht. Doch stellen sie sich den echten Krisenfall vor, wenn die Regierungen vielleicht Ausfuhrverbote verhängen. Glauben Sie dann daran, an ihr Gold zu kommen?

Bleiben Goldminenaktien. Doch die ließen in diesem Jahr ganz schön Federn.

Das hat mehrere Gründe. Erstens erwirtschafteten die Goldminenaktien 2009 und 2010 sehr gute Zuwächse. Zweitens standen in diesem Jahren fast alle Aktienmärkte weltweit unter Druck. Das hat auch die Rohstoffaktien mit nach unten gezogen. Viele Anleger haben wohl die Aktien verkauft, mit denen sie in den letzten Jahren am meisten Gewinn gemacht hatten. Außerdem beobachte ich einen längerfristigen Trend. Institutionelle Anleger schwenken zum Teil auf Gold-ETFs um, weil diese Anlageform ihnen erstmals erlaubt, direkt am Goldpreis zu partizipieren. Aber diesem Effekt messe ich in Zukunft nur noch ein geringes Gewicht bei.

Sehen Sie also Potenzial bei den Goldminenaktien?

Den Firmen geht es gut, ihre Gewinne steigen enorm und viele haben hervorragende Quartalsberichte vorgelegt. Das ist noch nicht in den Kursen eingepreist. Das Potenzial für Kursauftriebe bei Minenaktien ist daher groß. Unser Fonds steht derzeit bei 140 Euro und ich sehe bereits ohne einen wesentlichen Goldpreisanstieg ein aktuelles Kursziel von 250 Euro.

Wir danken herzlich für das Gespräch.

Foto: Heraeus

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