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Ineas-Kunden haben noch keine Klarheit

Veröffentlicht am 16. Juli 2010

Wer sein Auto bei dem holländischen Direktanbieter Ineas versichert hat, braucht derzeit einen Schutzengel. Die Finanzaufsicht des Nachbarlandes hatte die Gesellschaft jüngst unter Zwangsverwaltung gestellt, weil ihr finanzielles Polster nicht ausreichte. Für Haftpflichtschäden bei den etwa 50.000 Versicherten in Deutschland springt jetzt die Verkehrsopferhilfe ein. Die verlangt aber eine Eigenbeteiligung von 2.500 Euro, falls Ineas später nicht zahlen kann. Schlimmer erwischt es Kunden, die auch eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben. Ob und in welcher Höhe diese Schäden erstattet werden, bleibt nach Auskunft des Sonderverwalters Paul Versteeg unklar.

Prekär wird die Situation dadurch, dass die Kunden nicht kündigen können und somit bis zum Jahresende in dem Vertrag gefesselt sind. Der Bund der Versicherten vertrat zwar in einer Meldung eine gegenteilige Auffassung. “Das Bürgerliche Gesetzbuch lässt eine fristlose Kündigung zu, wenn die finanzielle Lage eines Versicherers sich wesentlich verschlechtert hat”, sagte die BdV-Chefin Lilo Blunck. Sie empfahl Ineas-Kunden, die Beiträge zurückzubuchen und einen neuen Vertrag abzuschließen.

Verwalter suchen Käufer des Ineas-Bestandes

Unabhängig davon hatten auch wir nach einem Ausweg gesucht, und so einfach wie in der BdV-Meldung scheint es nicht zu sein. Weder bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) noch beim Ombudsmann für Versicherungen wusste man einen Weg, wie Kunden eine sofortige Kündigung rechtlich durchsetzen können. Der Abschluss einer zweiten Versicherung ist nicht möglich, solange die erste läuft. Und der Tipp, den Beitrag zurückzubuchen, hilft auch nur den wenigsten Kunden. Wer einmal jährlich zahlt, für den ist die 6-Wochen-Frist längst verstrichen.

“Der Fall, dass ein Kfz-Versicherer seine Leistungen nicht erbringen kann, ist einmalig in Deutschland”, sagt Aspect-Online-Vorstand Wolfgang Schütz. “Wir sind weiter mit verschiedenen Stellen im Gespräch, um für Ineas-Kunden eine befriedigende Lösung zu finden.” Die “Financial Times Deutschland” meldet, dass die Sonderbeauftragten unterdessen bei den übrigen Kfz-Versicherern am deutschen Markt nach einem Käufer des kompletten Ineas-Bestandes suchen. Weil das Geschäft jedoch defizitär sei, dürfte das schwierig werden.

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5 Kommentare zu “Ineas-Kunden haben noch keine Klarheit”

  1. Ulrich Kanz sagt:

    Man fasst sich wirklich an den Kopf…

    Mit gesundem Menschenverstand lässt es sich nicht nachvollziehen, dass es rechtlich nicht möglich sei, eine sofortige Kündigung seiner Kfz-Versicherung bei INEAS durchzusetzen.

    Man schließt einen Vertrag, der für beide Seiten Rechte und Pflichten bedeutet:

    Als Versicherungsnehmer habe ich vor allem die Pflicht, meine Prämien pünktlich zu bezahlen. Dafür darf ich dann auch erwarten dürfen, die Leistungen der Versicherung in Anspruch zu nehmen.

    Der Versicherer hat dagegen das Recht, die Beiträge des Versicherungsnehmers pünktlich und vollständig zu erhalten, muss dann aber im Schadensfall die vertraglich vereinbarten Leistungen (Haftpflicht und ev. Kasko) erbringen.

    Während ich als Versicherungsnehmer meine Prämien für meine Haftpflicht- und meine Vollkaskoversicherung pünktlich und vollständig bezahlt habe, ist mein Versicherer nicht mehr in der Lage, seine vertraglich vereinbarten Leistungen zu erfüllen: Bei Haftpflichtschäden droht mir ein Eigenanteil von 2.500 €, bei Kaskoschäden muss ich damit rechnen, teilweise oder gar vollständig auf meinem Schaden sitzenzubleiben, weil Ineas nicht zahlen kann.

    Wenn ich in einer solchen Situation nicht sofort kündigen dürfte, würde ich doppelt bestraft: Ich habe meine Prämie umsonst bezahlt und darf dann nicht aus dem Vertrag aussteigen und trage somit mein Risiko selbst bis zum Ende des Versicherungszeitraumes – wohl wissend, dass ich ohne wirklichen Versicherungsschutz unterwegs bin.

    Kein Jurist der Welt wird es schaffen, mir dies begründen zu können.

    U.K.

  2. emjay sagt:

    Danke für die Infos.
    Es wäre auch gut, die Informationen in Euren Kunden-Newsletter zu veröffentlichen. Ich bin damals auch über den Aspect-Online Rechner auf die Ineas aufmerksam gemacht worden.

    Die Frechheit ist aber, dass die Ineas nicht mal die Kunden per email informiert hat !!!
    Sehr unprofessionell oder gar unseriös für eine Internetversicherung.

    Wegen der 2500 EUR Eigenbeteiligung, die ein Versicherter im Haftpflichtfall unter Umständen nicht aufbringen kann, müsste das Kraftfahrtbundesamt die bei Ineas versicherten Autos eigentlich stilllegen bzw das Bafin wenigstens die Versicherungsverträge freistellen, damit man sich einer vernünftigen Versicherung zuwenden kann.
    Meine jährliche Versicherungsprämie steckt jetzt jedenfalls in der Insolvenzmasse, etwaige Kaskoschäden muss ich vermutlich selber zahlen, und zu einer anderen Versicherung wechseln darf ich auch nicht ??

    Die Ineas ist für mich jedenfalls tot, nachdem die vor 4 oder 5 Jahren schon mal den Betrieb in Deutschland eingestellt hat, und dann vollmundig wieder das Versichererparkett betreten hat.

    Gruß
    emjay

  3. cargol sagt:

    Wieso sollte man nicht einfach kündigen können? Einfach frechweg versuchen. Mehr als ablehnen können die diese nicht. Auf der Internetseite http://www.bundderversicherten.de/app/download/Kuendigung_Ineas.pdf steht eine Musterkündigung. Ich habe diese so wie vorgegeben abgeschickt. Nicht vergessen: als Einschreiben mit Rückschein versenden. Kostet zwar 4,40 Euro. Aber das sind immer noch weniger als 2.500 Euro im Falle eines Falles. Jedenfalls können die dann nicht behaupten es wäre nichts angekommen. Jetzt mal abwarten, was passieren wird.

    Das schlimme an der ganzen Sache finde ich ja ist, dass man irgendwie in der Luft hängen gelassen wird. Ich hatte mich am Anfang diesen Monats gewundert, dass die Ineas noch nichts abgebucht hatte. Erst nachdem ich einfach mal am letzten Freitag schaute hatte ich erfahren, dass da was nicht stimmt. Die hätten das einem wenigstens mal mitteilen können.

  4. Hajo Köster sagt:

    Keine Ahnung, wer bei Ihnen recherchiert. Nach Rücksprache mit dem Versicherungsombudsmann erklärte uns dieser, dass er sich vollinhaltlich unserer Auffasung anschließt!

    Hajo Köster, Bund der Versicherten

  5. tr1 sagt:

    Hallo Herr Köster, ich danke für Ihre Information. Unser Vorstand, Herr Schütz, hatte sich beim Ombudsmann kundig gemacht. Er erhielt die Auskunft, dass man noch keine Aussage treffen könne. Vielleicht haben wir einfach in einem früheren Stadium der Entwicklung angerufen.


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