Jeder dritte Kassenpatient will schon bei acht Euro Zusatzbeitrag wechseln

Veröffentlicht am 26. Januar 2010

Nun ist die Katze aus dem Sack. DAK-Chef Herbert Rebscher kündigte gestern Zusatzbeiträge für gesetzlich Krankenversicherte an. Schon ab Februar wären für die 4,5 Millionen Mitglieder der DAK monatlich acht Euro zusätzlich fällig. Sieben weitere Krankenkassen, darunter die KKH Allianz, folgten unverzüglich und stellten ihren Mitgliedern ebenfalls für die kommenden Monate die Erhebung von Zusatzbeiträgen in Aussicht.

Passend zum Thema veröffentlichte die Rating-Agentur Assekurata die Ergebnisse einer Umfrage. Danach ist knapp ein Drittel aller Kassenpatienten zum Wechsel bereit, wenn die Krankenversicherung acht Euro zusätzlich erhebt. Befragt wurden über 1.000 Versicherte danach, ab welcher Höhe eines Aufschlags sie bei der aktuellen Kasse kündigen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln würden. Angesichts des erheblichen Anteils der Wechselwilligen wird klar, warum alle so lange gezögert haben und kein Anbieter den Beitragszuschlag als erster ankündigen wollte.

“Dabei entlastet ein Zusatzbeitrag in Höhe von acht Euro pro Mitglied eine Kasse wirtschaftlich nur sehr eingeschränkt”, gibt Guido Leber, Leiter Krankenversicherung bei Assekurata, zu bedenken. “Nach Gesprächen mit einigen gesetzlichen Kassen vermuten wir, dass gut ein Drittel dieses Zusatzbeitrags dem Verwaltungsakt des Beitragseinzugs zum Opfer fällt.”

Für einige Versicherte wird es nicht bei acht Euro bleiben

Noch höhere Kosten entstehen, wenn die Kasse mehr als acht Euro erheben möchte. Dann ist nämlich eine Einkommensprüfung erforderlich, der Aufwand dafür dürfte bei sechs bis sieben Euro liegen. Aufgrund dieser Kosten ist nach Angaben der Rating-Agentur davon auszugehen, dass die Kassen im zweiten Schritt von einem Durchschnittsverdiener bereits einen Zusatzbeitrag von ungefähr 20 Euro erheben müssen.

Mindestens einige gesetzlich Versicherte dürfte dieses Schicksal treffen, denn im gesamten System der solidarischen Krankenversicherung fehlen im laufenden Jahr voraussichtlich acht Milliarden Euro, von denen der Bund die Hälfte übernimmt. Um die verbleibenden vier Milliarden zu decken, müssten fast alle Anbieter acht Euro Zusatzbeitrag erheben. Dann kämen 4,8 Milliarden Euro zusammen. Einige Krankenkassen haben jedoch schon garantiert, dass sie 2010 keinen Zusatzbeitrag erheben.

Der Druck auf die Krankenkassen erhöht sich drastisch. Bei einem Zusatzbeitrag von 20 Euro würden bereits 60 Prozent der Befragte mit einem Wechsel liebäugeln. Lediglich jeder fünfte Versicherte würde nach Aussage der Umfrage unabhängig von der Höhe des Zusatzbeitrages seiner Kasse treu bleiben. In unserem Krankenkassenvergleich finden Sie Anbieter, die statt einen Zusatzbeitrag zu erheben, derzeit sogar Prämien zurückerstatten (im Vergleichsergebnis nach “Monatsbeitrag” sortieren”).

tr

2 Kommentare zu “Jeder dritte Kassenpatient will schon bei acht Euro Zusatzbeitrag wechseln”

  1. Dirk sagt:

    Dass die Wechselbereitschaft wegen “lediglich” 8 Euro so hoch ist liegt meiner Meinung nach daran, dass es bisher so gut wie überhaupt keinen Wettbewerb zwischen den Kassen gab und die Leute sich nie mit den Unterschieden der Kassen beschäftigt haben. Leistungen vergleichen? Macht doch keiner! Aber 8 Euro mehr? Da werden alle wach. Ist zwar irgendwie traurig, aber trotzdem finde ich die Entwicklung gut, dass langsam ein Wettbewerb zwischen den Kassen besteht der den alten, Kartellartigen Zustand überwindet.


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