“Das deutsche Bankensystem hat sich als robust erwiesen und seine Widerstandsfähigkeit auch unter sehr pessimistischen Annahmen unter Beweis gestellt”, schreiben die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Deutsche Bundesbank in einer gemeinsamen Presseerklärung zum Bankenstresstest. Außer dem Sorgenkind, dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate, schafften die übrigen 13 beteiligten deutschen Banken den Test.
Neun von ihnen weisen in dem strengen Stress-Szenario eine Kernkapitalquote von über acht Prozent auf und liegen damit mehr als doppelt so hoch wie das Minimum, das die Tester angesetzt hatten. Eine wesentliche Ursache für das robuste Abschneiden sei die bereits erfolgte Stärkung der Kernkapitalausstattung: Nach Meinung der Finanzmarktwächter trug zu dem Erfolg bei, dass die Banken in den vergangenen beiden Jahren erhebliche Maßnahmen zur Bilanzbereinigung ergriffen hatten. Außerdem erhielten sie Finanzspritzen in Form von Kapitalzuführungen durch Eigentümer und Träger sowie durch den Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin).
Wer in die Wirtschaftspresse schaut, erhält teilweise ein anderes Bild, wobei die Meinungen der Kommentatoren weit auseinander gehen. “Durchgekommen, aber nicht sorgenfrei”, titelt das “Handelsblatt”. Wenn die NordLB, Postbank und 15 weitere europäische Banken den Test nur knapp bestanden haben, könnte das zumindest für manche Häuser zu Nachteilen führen.
Gespaltenes Urteil der Kommentatoren
Das “Wall Street Journal” urteilt, dass die Methodik des Tests “rosig” war hinsichtlich der Gewinnannahmen in einer Rezession. Außerdem habe die Schweizer Finanzaufsicht bei den einheimischen Geldhäusern einen Test durchgeführt, der doppelt so hart war. Dort simulierte man schwerere Finanz-Schocks und setzte als generelle Messlatte eine Kernkapitalquote von acht Prozent an.
Dass die deutschen Banken bis auf eine den Test bestanden haben, wenn auch teilweise nur dank der staatlichen Hilfen, sei keine Selbstverständlichkeit, meint die “Börsen-Zeitung”. “Man sollte der Versuchung widerstehen, es kleinzureden oder zu relativieren.” Ein Abschlag von 9,4 Prozent auf zehnjährige Bundesanleihen, so wie im extremen Szenario des Tests, sei alles andere als ein Schönrechnen der Gefahren zu Gunsten der Banken.
“Bei der Umsetzung der Tests und bei der Veröffentlichung der Ergebnisse ging fast alles schief”, schreibt die “Financial Times Deutschland” und bemängelt das Durcheinander, was die Präsentation der Test-Kriterien und der Einzelergebnisse der Banken angeht. So lenkten Bundesbank und die Geldinstitute erst nach langem Hin un Her ein und veröffentlichten die bankenspezifischen Ergebnisse.
Drei Prozent Rezession gegenüber “Normal”-Entwicklung unterstellt
Bei dem Stresstest ging es nicht um reale Bedrohungen. Der Europäische Ausschuss der Bankenaufsichtsbehörden (CEBS), der den Test durchführte, simulierte vielmehr einige Szenarien unter der Leitlinie “Was wäre wenn”. Er unterschied zwischen einem Benchmark-Szenario und zwei Stress-Szenarien.
Das makroökonomische Benchmark-Szenario beruht auf den – aus heutiger Sicht pessimistischen – Frühjahrs-Prognosen der EU-Kommission. Sie schätzten die wirtschaftliche Enwicklung in den Jahren 2010 und 2011 ein und liefern Zahlen zu Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosigkeit und Immobilienpreisen. Heute sehen Bundesbank und EZB bereits die konjunkturelle Entwicklung optimistischer und erwarten für 2010 bessere Zahlen als das in den EU-Stresstests verwendete Benchmark-Szenario.
In den EU-Stress-Szenarien wird unter anderem für die Jahre 2010 und 2011 eine Abkühlung der Konjunktur für die Eurozone um insgesamt 3,0 Prozentpunkte und für Deutschland sogar um 3,3 Prozentpunkte unterstellt (gemessen als Abweichung zum Benchmark-Szenario). In der ersten Simulation nahm die Zinsentwicklung darüber hinaus einen ungünstigen Verlauf und für Verbriefungen wurde eine deutliche Verschlechterung von vier Kreditqualitätsstufen, kumuliert über zwei Jahre, simuliert.
In einem ergänzenden Stress-Szenario unterstellten die Tester zusätzlich ein Anstieg der Risikoprämien für europäische Staatsanleihen. Die angenommenen Mehrkosten für Staatsanleihen und ihre Absicherung lagen dabei höher als in den schweren Zeiten der Griechenland-Krise.
tr
