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Lebensversicherungen rechnen sich angeblich schön

Veröffentlicht am 27. März 2009

“Ganz ungeniert” seien die Lebensversicherungen, heißt es in einer DDP-Meldung von gestern. Werfen sie doch in der Werbung und im Beratungsgespräch mit Zahlen wie Renditen und Prozenten wild um sich,  nur um den Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Da sollten die Zahlen doch wenigstens stimmen.

“Das ist aber gelegentlich nicht der Fall.” Und dann folgt das Beispiel einer konventionellen Rentenversicherung. 2,25 Prozent Garantiezins sind versprochen. Wenn man den Zins aber über die Laufzeit hochrechnet, “erhält der Kunde gerade einmal mickrige 1,7 Prozent. ” So weit die Meldung.

“Ungeniert” zu sein, ist ein Vorwurf, gegen den Versicherer sich schon einen dicken Panzer zugelegt haben. Auch Trickserei mit Zahlen wurde ihnen schon häufiger vorgeworfen. Man muss aber kein ausgewiesener Freund der Lebensversicherung sein, um festzustellen, dass der garantierte Zins von 2,25 Prozent stimmt. Nur halt nach der Logik der Versicherer.

Wie richtige Zahlen doch täuschen können

Die Zahl bezieht sich auf das Kundenguthaben – und nicht auf die eingezahlten Beiträge. Ein Blick in die letzte Studie zur Überschussverwendung der Ratingagentur Assekurata hilft: Die laufende Verzinsung für Lebens- und Rentenversicherungen liegt bei den deutschen Anbietern 2009 bei 4,26 Prozent. Darin sind die Garantiezinsen und die laufenden Überschüsse zusammengefasst.

Daneben entstehen immer noch weitere Überschüsse, an denen die Kunden aber nicht sofort beteiligt werden. In einer Modellrechnung kommt Assekurata insgesamt auf eine Verzinsung von glatt fünf Prozent im Branchendurchschnitt.

Das alles handelt nur von der Verzinsung auf das Kundenguthaben. Aber in den ersten Jahren eines Vertrages hat der Versicherungsnehmer fast nichts im Spartopf, weil seine Beiträge für die Provisionen und Verwaltungsgebühren draufgehen. Es gibt also zu Beginn gar keinen Schnaps von der Versicherung – d.h. gar keine Überschüsse. Die tatsächliche Rendite – berechnet auf die Beiträge – ist folglich geringer.

Deshalb stellen die Ratingspezialisten Modellrechnungen an, um auch die Beitragsrendite zu ermitteln. Inklusive aller Überschüsse kämen dann bei einem Vertrag, der 2009 beginnt, jährlich 4,06 Prozent heraus. Der heute schlechteste Anbieter würde nur 3,21 Zinsen herüberreichen, der beste 5,01 Prozent. Immerhin bleibt die Hoffnung, dass die Überschüsse der Lebensversicherer nach überstandener Krise wieder steigen werden. Schließlich waren sie in den vergangenen Jahren besser als heute.

Mehr Transparenz für Verbraucher

Nimmt man nur den Garantiezins von aktuell 2,25 Prozent, sieht es noch trüber aus, als in dem Beispiel aus der DDP-Meldung. Von dem Garantiezins bleiben bei den Lebens- und Rentenversicherungen 2009 nur 1,39 Prozent Beitragsrendite übrig.

Wegen dieser Zahlen sollte man die Versicherer nicht als Lügner hinstellen, man darf sie aber auch nicht aus der Pflicht entlassen – der Pflicht nämlich, den Verbrauchern ein transparentes Produkt anzubieten. Der typische Versicherungskunde wird von der feinsinnigen Unterscheidung zwischen Gesamtverzinsung und Beitragsrendite im Normalfall nicht viel wissen.

Das Instrumentarium steht  hinsichtlich der Rendite steht zur Verfügung. Versicherer wie die Standard Life nutzen schon heute die Reduction-in-Yield-Methode. Dabei gibt der Anbieter einen Prozentsatz an, um wie viel die tatsächliche Rendite durch Kosten geschmälert wird. Die Branche könnte sich einheitlich auf Angaben einigen, um in Modellrechnungen die Beitragsrendite anzugeben.

tr

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