Ratingagenturen stecken seit der Pleite von Lehman Brothers eine Menge Kritik ein. Viel zu spät hatten sie die Bonität der amerikanischen Investmentbank herabgestuft. Jetzt versucht eine Hamburger Kanzlei, die auf Kapitalanlagerecht spezialisierte KWAG, die Auseinandersetzung vor Gericht fortzusetzen. Vor dem Landgericht Frankfurt/Main reichten die Rechtsanwälte nach eigenen Angaben die bundesweit erste Klage gegen eine amerikanische Ratingagentur ein.
Hintergrund ist der Kauf eines Lehman-Zertifikates eines deutschen Anlegers im Jahr 2008 in Höhe von 30.000 Euro. Zu diesem Zeitpunkt lag die Ratingbewertung der Lehman Brothers Muttergesellschaft sowie der als Emittent auftretenden Tochtergesellschaft durch Standard &Poors (S&P) bei “A+”. Auf dieses Rating nahmen die Verkaufsprospekte ausdrücklich Bezug.
Prozess soll Musterklage werden
Der Mandant und Kläger im vorliegenden Fall behauptet nun, er habe auf die Einschätzung von S&P vertraut und deshalb kein Risiko bei einer Investition in Lehman-Zertifikate gesehen. Noch drei Tage vor der Lehman-Pleite hatte S&P die Lehman-Brothers Muttergesellschaft mit “A” bewertet.
KWAG entwickelte die Klage gemeinsam mit Kai-Oliver Knops, Professor für Kapitalmarkt- und Verbraucherrecht von der Universität Hamburg, und versteht diese als ein Musterverfahren, das auch für Tausende andere Anleger, die Finanzprodukte aufgrund positiver Ratings durch die führenden Agenturen erworben haben, erhebliche Konsequenzen haben könnte.
Trotz des juristischen Neulands geben sich die Anwälte optimistisch. “Dass die Klage nicht ohne Substanz ist, zeigt schon der Umstand, dass wir hierfür Kostendeckung durch die Rechtsschutzversicherung des Mandanten erhalten haben”, sagt KWAG-Anwalt Jens-Peter Gieschen. Weitere Klagen gegen Moody’s und Fitch seien in Vorbereitung.
Ratingagentur verweist auf zeitige Warnungen bei Länderratungs
Neuerlicher Anlass für Rating-Schelte sind die Herabstufungen der Bonität jener EU-Länder, die derzeit als Unsicherheitskandidaten gelten, allen voran Griechenland. Dagegen wehrt sich die kleine deutsche Agentur Feri. “In den letzten Wochen wurde die Rolle der angelsächsischen Ratingagenturen zunehmend kritisch diskutiert, vor allem im Hinblick auf Zeitpunkt und Ausmaß der Herabstufungen einzelner Länder”, sagt Vorstand Tobias Schmidt. “Unsere eigenen Analysen haben die Bonitätsprobleme der sogenannten PIIGS-Staaten in der Tat viel früher und deutlicher angezeigt.” Insbesondere für Irland und Spanien habe Feri das Bonitätsrisiko wegen der dort schwelenden Immobilienkrisen bereits seit Mitte 2007 höher eingeschätzt.
Das Problem seien nicht die Länderratings allgemein. Sie seien vielmehr wichtig für stabile Märkte. “Insofern sollte die aktuelle Debatte eher darüber geführt werden, wie Ratings erstellt werden müssen, um auch rechtzeitig und deutlich genug auf Risiken hinweisen zu können”, so Tobias Schmidt weiter.
tr

So lange die Ratingagenturen von den Banken direkt bezahlt werden,werden sie in deren Sinne weitermachen. Es ist gut, dass jemand den Mut aufgebracht hat, gegen interessengeleitete Ratings vorzugehen. Ich glaube aber, dass die Agenturen sagen werden, sie übernehmen keine Garantie für ihre Arbeit, lassen sich diese aber hoch vergüten.
Jeder Handwerksmeister steht für sein Produkt.