Die Bundesministerin für Verbraucherschutz hatte zur Fachtagung über die Qualität in der Finanzberatung geladen. Deutsche Versicherungs- und Bankkunden verlieren angeblich Milliarden Euro pro Jahr durch falsche Beratung. Das hatte eine Studie im Auftrag des Ministeriums festgestellt. Um Wege aus dieser Vernichtung von Kundengeldern zu finden, versammelte die Ministerin gestern Vertreter von Verbänden und Verbraucherschützer.
Finanz-TÜV war in den letzten Wochen ein Lieblingswort der Politiker geworden, die sich um den Verbraucherschutz kümmern. Finanzprodukte sollten von einer staatlichen Stelle geprüft und für gut befunden werden. Der Idee konnte die Ministerin gestern aber nicht viel abgewinnen. Wie welt.de meldet, fürchtet sie vor allem rechtliche Hürden. Die Haftung solle weiter bei den Produktanbietern bleiben.
Für ungeheuren Wirbel dürfte in der nächsten Zeit die Idee der Ministerin sorgen, dass Finanzberatung verstärkt Honorarberatung sein solle. Wenn es den Vertretern von Banken und Versicherungen nicht gelingt, Ilse Aigner diese Idee auszureden, droht nicht weniger als eine Revolution in der Finanzdiensleistungsbranche. Bisher stehen 230.000 Versicherungsvermittlern, die auf Provisionsbasis arbeiten, lediglich etwa 1.500 Honorarberater gegenüber.
Letztere Berater erhalten ein Honorar vom Kunden. Außerdem bekommen sie das Geld, unabhängig davon ob der Kunde einen Vertrag abschließt oder nicht. An Versicherungsvermittler und Makler fließt dagegen Provision von der Versicherung, wenn sie einen Vertrag abschließen – bis auf wenige Ausnahmen das übliche Tarifmodell im deutschen Versicherungswesen. Wer heute in der Branche fragt, erhält immer die Auskunft: Honorarberatung setzt sich niemals durch.
Man ist geneigt zuzustimmen. Wer schließt schon gern eine Versicherung ab und zahlt gleichzeitig noch eine satte Rechnung an den Berater? Viele Honorarberater konzentrieren sich derzeit auf eine gut betuchte Kundschaft.
Die Lage könnte aber ernster für die Vermittler werden, als heute vermutet. Schon die eingangs erwähnte Studie schlug vor, Honorarberatung mit Zuschüssen für bestimmte Haushalte zu fördern. Wenn sich das Verbraucherschutzministerium auf diese Idee versteift, dann könnte die Ablehnung vieler Vermittler bald schon nicht mehr als das Pfeifen im Walde sein.
Es wäre vielmehr ein anderer Vertriebstypus gefragt und die Vermittlerbranche stünde vor entscheidenden Umwälzungen. Viele heutige Vermittler würden auf der Strecke bleiben. Aber so weit ist es noch nicht, denn Honorarberatung bedeutet nicht automatisch, dass für den Kunden alles besser oder preiswerter wird.
tr

Ich halte die Idee von Frau Aigner für gut. Ich winke immer schon ab, wenn mir ein Banker oder ein Finanzberater versucht, irgendwelche Produkte zu erklären. Ich glaube es hat Methode, dass die es so kompliziert machen. Wenn man das alles schnell verstehen würde, bräuchte man ja keinen mehr, der einem die Finanzprodukte erklärt – und die wären ihren Job los.