Deutschland hat gewählt und der Großen Koalition ein jähes Ende bereitet. Doch was wird im Bereich Versicherungen und Bankprodukte konkret von der neuen Bundesregierung erwartet? Aspect Online hat nachgefragt. Die Stimmung schwankt zwischen vorsichtigem Optimismus und unverhohlener Freude.

Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Die Verbraucherzentralen geben sich zuversichtlich, dass in den nächsten vier Jahren der Verbraucherschutz im Bereich Finanzen weiter an Gewicht gewinnt. “Ich erwarte, dass auch die neue Regierung das Thema sehr ernst nimmt, alles andere wäre fatal”, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Alle Parteien hätten schließlich das Problem erkannt. Trotzdem gelte es künftig genau hinzuschauen, was sich so hinter dem Bankschalter tue.
Wichtig sei vor allem eine lückenlose Dokumentationspflicht bei der Bankberatung, damit Fehler der Finanzhäuser schnell aufgedeckt werden können. Die Beratung auf Provisionsbasis müsse zudem gänzlich auf den Prüfstand, stattdessen müsste man dabei mehr Neutralität und Unabhängigkeit walten lassen. Mehr Überwachung des Bankensektors sei unbedingt nötig, so Nauhauser weiter. “Schließlich kann ein Dönerfabrikant, wenn er Gammelfleisch anliefert, auch seine Lizenz verlieren. Warum sollte es im Bankingbereich anders sein?”
Prof. Dr. Manfred Weber, Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken (BDB)
Die Banken sind über das Wahlergebnis mehr als zufrieden. Auch wenn Kanzlerin Merkel die Geldhäuser in den letzten Monaten mehr als einmal ermahnt und mit weitreichenden Verstaatlichungs-Szenarien gedroht hat, wird man sich auf Banken-Seite von Schwarz-Gelb weit mehr Verständnis erhoffen als von einer Links-Koalition. Der Bankenverband setze darauf, so Manfred Weber, dass CDU/CSU und FDP die Umsetzung der G20-Beschlüsse von Pittsburgh in deutsche Regeln vorantreiben. Das gelte etwa für die Kapitalausstattung von Finanzunternehmen und für die Kooperation der Aufsichtsbehörden.
Weber: “Doch auch ganz unabhängig von der Zusammensetzung der neuen Regierung werden die Herausforderungen immens sein. Die kurzfristig notwendigen Anstrengungen der Politik, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen, haben in den letzten beiden Jahren andere Probleme in den Hintergrund gedrängt, die in dieser Wahlperiode angegangen werden müssen. Dazu gehören unter anderem demografiefeste soziale Sicherungssysteme, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und zugleich eine wachstumsfreundliche Wirtschaftspolitik.”
Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI)
Die FDP möchte die Abgeltungssteuer für Privatleute einschränken. Wasser auf die Mühlen des BVI. Außerdem hat die Partei Pläne für ein staatlich gefördertes Altersvorsorgekonto. Danach sollen die Grenzen zwischen Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen und betrieblicher Altersvorsorge schwinden. Weil von Wahlfreiheit hinsichtlich der Anbieter die Rede ist, dürfen die Mitgliedsunternehmen des Investmentverbandes hoffen, ebenfalls zum Zuge zu kommen.
Seip: “Von der neuen Regierung erwarten wir, dass die kapitalgedeckte Altersvorsorge gestärkt und der Wettbewerb gefördert wird. Konkret dürfte eine bürgerlich-liberale Politik die Rahmenbedingungen für eigenverantwortliche Entscheidungen mündiger Bürger stärken. Dazu gehören echte Wahlmöglichkeiten in der betrieblichen Altersvorsorge, einheitliche Steuerregeln für alle Anlageprodukte sowie ein Anlegerschutz, der nicht auf Bevormundung, sondern vor allem auf Transparenz setzt.”

Reinhold Schulte, Vorsitzender des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV)
Die privaten Krankenversicherungen werden mit am meisten über den Wahlsieg von Schwarz-Gelb gejubelt haben. Schließlich hätten Pläne der SPD, der Grünen und der Linken, eine flächendeckende Bürgerversicherung einzuführen, die Existenz der Privaten durchaus in Frage gestellt.
Da ist es nicht verwunderlich, dass sich PKV-Verbandschef Reinhold Schulte ganz vorne in die Schlange der Gratulanten einreiht: “Die privaten Krankenversicherungen freuen sich”, so Schulte, “dass fairer Wettbewerb zwischen gesetzlichen Krankenkassen und privater Krankenversicherung gefördert wird anstatt den Trend in die Staatsmedizin fortzusetzen.”
Ralph Kampwirth, Pressesprecher beim Ökostrom-Anbieter Lichtblick
Längere Laufzeiten für Kernkraftwerke scheinen gewiss nach dem Wahlkampf. Der Ökostrom-Anbieter hält trotzdem an dem Ziel der Energiewende fest.
Kampwirth: “Eine zukunftsfähige Energieversorgung ist eine der bedeutenden Herausforderungen, der sich die zukünftige schwarz-gelbe Bundesregierung stellen muss. Der diskutierte Ausstieg aus dem Atomausstieg ist hierbei ein schwerwiegendes Hindernis und wird von zwei Drittel der Deutschen abgelehnt.
Die Erneuerbaren Energien sind eine der führenden Technologiebranchen, mit ihnen können die Klimaziele erreicht werden, sie sorgen für Wachstum und neue Arbeitsplätze. Damit sie in den nächsten Jahren konsequent ausgebaut werden können, ist ein Systemwechsel nötig. Der Weg muss weg von schlecht regulierbaren, ineffizienten Großkraftwerken wie der Atomkraft und hin zu flexibel einsetzbaren, dezentralen und klimafreundlichen Anlagen führen.”
min/tr




Rein an Schwarz-Rot hat es wohl nicht gelegen….und schwarz-gelb wird wohl einen ähnlichen Job erledigen wie die Vorgänger.
Transparenz heißt das Stichwort. Nicht nur in der Politik, sondern vor allem in der Wirtschaft muss wohl transparenter gearbeitet werden.