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Neue Betriebsrente mit Fonds

Veröffentlicht am 05. Juli 2010

Geht es nach den Vorstellungen des hessischen Wirtschaftsministers Dieter Posch (FDP), dann gibt es bald eine neue Form der betrieblichen Altersvorsorge. Er schlug jüngst der Wirtschaftsministerkonferenz der Bundesländer sein Konzept einer AS-Investmentrente vor und setzte sich durch. Die Ministerrunde beauftragte die Bundesregierung, den Vorschlag zu prüfen.

Das in Zusammenarbeit mit dem House of Finance in Frankfurt erarbeitete Modell vereint nach Meinung des Ministeriums attraktive Rendite mit hoher Sicherheit. Es beginnt mit einem Aktienanteil von 75 Prozent, der ab dem 10. Jahr vor Eintritt in den Ruhestand nach und nach in (festverzinsliche) Rentenpapiere umgeschichtet wird. Berechnungen zeigen, dass dies eine deutlich höhere Rendite als eine reine Rentenanlage erzielt, aber erheblich niedrigeren Schwankungen unterliegt als ein reines Aktiendepot.

AS-Fonds aus dem Dornröschen-Schlaf aufwecken

Während bei den Durchführungswegen der Betriebsrente ansonsten Versicherungsprodukte zum Einsatz kommen, sind AS-Fonds vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) propagierte Investmentfonds. 1998 eingeführt, dienen sie ausschließlich der Vermögensbildung bei der Altersvorsorge und legen das Geld der Sparer in Aktien, Renten und Immobilien an. Einige Schutzmechanismen, wie ein Umschichten in schwankungsärmere Rentenfonds, bedienen das Sicherheitsbedürfnis der Anleger.

Der Clou an den AS-Fonds sollte die steuerliche Bevorzugung gegenüber anderen Fondsanlagen sein, sie sollten ähnlich wie lang laufende Lebensversicherungen behandelt werden. Zu dieser Privilegierung konnte sich der Gesetzgeber bis dato aber nicht durchringen, obwohl er selbst die Regeln für diese Fonds festgelegt hatte. Wenn sie jetzt in das Konzept einer betrieblichen Altersvorsorge eingepasst werden, könnten sie verspätet noch die Weihen eines Steuervorteils erhalten und aus ihrem Nischendasein heraustreten.

Das Grundprinzip der Betriebrente besteht darin, dass die Beiträge aus dem Bruttoeinkommen fließen, also ohne Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Erst auf die Auszahlungen leisten die Rentner Abgaben, dafür meist zu niedrigeren Sätzen als während des Berufslebens.

Lob vom Branchenverband

Von einer Zulassung der AS-Investmentrente verspricht sich der hessische Wirtschaftsminister einen starken Schub für den Mittelstand: “Ich hoffe, dass die Bundesregierung und die Arbeits- und Sozialminister der Länder den Ball aufgreifen; anderenfalls wird Hessen im Bundesrat initiativ werden.”

Erwartungsgemäß applaudierte der Branchenverband BVI. Hauptgeschäftsführer Stefan Seip sprach von einer Stärkung des Wettbewerbs, falls die Fonds neben den Versicherungen in der betrieblichen Altersvorsorge erlaubt werden. Er verwies auf die Erfolge bei der Riester-Rente, wo die reinen Fondssparpläne genau wie Versicherungen gefördert werden und sie mittlerweile einen Anteil von knapp 20 Prozent ausmachen.

Der BVI darf sich durch den Vorstoß bestätigt fühlen. Auf seiner letzten Jahrespressekonferenz hatte er das ganz ähnliche Konzept einer Direktfondsrente vorgestellt. Der Name klingt an die Direktversicherung an und genau wie diese Form der betrieblichen Altersvorsorge sollte sie auch hinsichtlich Steuern und Sozialabgaben behandelt werden. Der BVI-Plan ist allerdings nicht ausschließlich auf die AS-Fonds ausgerichtet.

tr

2 Kommentare zu “Neue Betriebsrente mit Fonds”

  1. Da kann man nur raten: Finger weg, liebe Bürger von solchen windigen Angeboten; oder haben sie noch nicht genug Geld verloren?

  2. Manfred Laux sagt:

    Wer den Vorschlag des Hess. WiMi ablehnt, hat keine Ahnung von den
    gegenwärtigen Schwächen des deutschen betriebl.Altersversorgungssystems. Diese bestehen insbesondere in der unzureichenden Ertragskraft und der unzureichenden Portabilität aller bisherigen Durchführungswege. Für einen solchen
    Vorstoß war es höchste Zeit. Nicht umsonst kritisiert die EU-Kommission seit Jahren
    das deutsche betriebliche Altersversorgungssystem. Der Vorschlag ist zielorientiert,
    , einfach auch für Arbeitnehmer mittelständischer Unternehmen zugänglich, vermeidet
    die Schwächen der traditionellen Durchführungswege und entspricht dem
    heutigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnis. Vor diesem Hintergrund wird von wissenschaftlichen Experten osteuropäischen Staaten empfohlen, sich bei Ausbau
    ihers betrieblichen Altersversorgungssystems am deutschen AS-Fondssystem
    anzulehnen.


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